Wie gesagt - von The Mars Volta würde ausnahmslos jedes der fünf Studioalben die Höchstnote bekommen. Oft genug frage ich mich aber dann doch, welche von ihnen denn wohl meine Lieblingsplatte von ihnen sein könnte.
Nun denn...
De-loused In The Comatorium ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil es damals so eine Überraschung war. Zwar hatte ich bekanntlich schon bei Relationship Of Command von At The Drive-In gemutmaßt, dass da jemand ein bisschen zu viel King Crimson gehört hat; aber nicht nur weil ich dafür ausgelacht wurde, war ich mir diesbezüglich dann doch etwas unsicher.
Das Debütalbum der neuen Band verriet aber, dass King Crimson wohl nicht die einzige Prog-Band war, die offenbar gerne gehört wurde, denn hier hörte ich Sachen raus, die für die alternative crowd ziemlich unsexy waren. Ich hielt die ganze Sache geradezu für einen Affront oder aber einen Witz - das konnten die doch nicht ernst meinen!
Mir gefiel das super, aber wie viele ATD-I-Fans kann man bitteschön vor den Kopf stoßen, wenn man ihnen derart komprimiert Einflüsse um die Ohren haut, die diese Leute im Original nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden? Geile Sache!
De-loused in the comatorium kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil sämtliche Alben danach sonst abgewertet würden. Zu diesem Zeitpunkt konnte man nur erahnen, was für eine besondere Band sie waren, aber wissen konnte man noch nicht, ob sie diese Qualität würden halten können. Und vielleicht war es ja tatsächlich nur ein Witz!?

Frances The Mute ist mein Lieblingsalbum von
TMV, weil sie sogar noch eine Kelle drauflegten und nun endlich die ersten zugeben mussten, dass sie nicht mehr gewillt waren, dieser Band zu folgen. Und diejenigen, die sich das noch nicht eingestehen konnten, waren zumindest zum größten Teil schon mal verwirrt. Sowas finde ich immer super, ebenso wie den Größenwahn, der sich hier erstmals andeutete.
Frances The Mute kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil die Band doch tatsächlich zugunsten von ein bisschen Geplucker und Gefiepe darauf verzichtete, den wunderbaren und m.E. für den Hörkontext ungemein wichtigen Titeltrack mit auf das Album zu nehmen. Größenwahnsinn schön und gut, aber geht's noch?!
Amputechture ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil ich es erst blöd fand. Mag komisch klingen, aber es ist doch so, dass Platten, mit denen man erst nichts anfangen kann und die dann auf einmal "Klick" machen, am Ende immer besonders gut und nicht selten sogar besser als andere sind, auf die man sofort steil gegangen ist. Amputechture war für mich zunächst einmal zu sperrig und unhörbar, als dass ich mich damit beschäftigen wollte.
Mit der Band hatte ich dann auch schnell abgeschlossen, worüber ich gar nicht so traurig war, denn die Gewissheit, sowas wie ein Fan von irgendwas zu werden, verursacht bei mir immer Bauchschmerzen. Dann wurde mir jedoch unverhofft mit dem darauf folgenden Album The Bedlam in Goliath der Glauben an die Band zurückgegeben, und im Überschwang der Gefühle machte ich dann doch noch einmal einen Versuch. Interessanterweise hat das dann beim ersten Hören geklappt, und ich konnte gar nicht verstehen, warum ich sie erst nicht gemoch hatte. Sachen gibt's...
Amputechture kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil das darauf enthaltene Asilos Magdalena der mit Abstand ätzendste Song der Band ist. Bestätigt wurde mir das spätestens beim Konzert im Palladium in Köln, als sie es im Akustikpart zum Besten gaben. Diese Einlage bremste für mich ein bis dahin rasant-tolles Konzert aus, und nachdem sie ihre Akustikeinlage angepisst beendet hatten, weil irgendwer in der ersten Reihe zu viel gequatscht hatte, bin ich nicht mehr reingekommen (es kam aber zum Glück auch nur noch ein knapp 20-minütiges Stück). Schlimmes Lied!
The Bedlam in Goliath ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil sich die Band damit -wie gesagt- wieder bei mir zurückmeldete. Mit diesem überkandidelten, übertriebenen und zugekoksten Album war 2008 für mich eigentlich schon im Frühjahr musikalisch gelaufen, weil es besser nicht mehr werden konnte.
The Bedlam in Goliath kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil diese Adelung einer Drogenverherrlichung gleichkommen würde. Manchmal ist weniger mehr, und immer so viel kann sich selbst der hartgesottenste Hörer nicht täglich antun.
Octahedron ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil es -ähnlich wie bei Amputechture- ein bisschen gedauert hat, bis es sich bei mir gesetzt hat. Es war zwar nicht so schlimm, dass es mir gar nicht gefiel, aber es erschien mir einfach wenig spektakulär, was aber nach The Bedlam in Goliath auch zu erwarten gewesen war.
Wie dem auch sei - nachdem ich mich eigentlich schon dazu entschieden hatte, dass Xenophanes von Omar Rodriguez-Lopez für mich die bessere TMV-Platte 2009 war, fiel mir wieder einmal von jetzt auf gleich auf, dass die Songs alle unglaublich gut waren und eine ruhigere Platte wie diese das Beste war, was sie nach The Bedlam in Goliath rausbringen konnten.
Octahedron kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil die Band zum ersten Mal berechenbar geworden war. Sie hatten schließlich angekündigt, eine ruhigere Platte folgen zu lassen, und an Octahedron war ergo rein gar nichts überraschend. Alle Platten vorher waren immer überraschend gewesen, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt. Octahedron hingegen fügt sich ein bisschen zu glatt in die Diskographie ein.
Fazit: Als Musikkonsument freue ich mich, dass im Falle The Mars Volta tatsächlich immer das Album am besten für mich ist, das ich gerade höre. Besser geht's eigentlich nicht, oder!?
Interessant bleibt natürlich abzuwarten, wann sie das Album veröffentlichen, bei dem das nicht mehr so ist. Ich muss mich jetzt schon mal dazu zwingen, sie in diesem Fall nicht sofort fallen zu lassen. Das würde nämlich zu mir passen, wäre aber wohl ziemlich unfair...
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