04 Februar 2009

It's official now - Bad Dudes sind Geschichte

Als ich noch bei last.fm war, waren Bad Dudes (übrigens nicht die Bad Dudes!) in meiner Playlist meilenweit vorne, und es ist wohl in der Tat so, dass ich in den letzten knapp dreieinhalb Jahren keine Band mehr gehört habe. Empfohlen worden waren sie mir seinerzeit von Jon Pfeffer (Capillary Action), der offenbar immer genau wusste, was ich gerne hören wollte, denn alles, was er mir damals 'rüberschob, war große Klasse. Bad Dudes waren jedoch noch etwas mehr - das selbstbetitelte Debüt schlug bei mir ein wie eine Bombe, und die Platte hat auch nach unendlich vielen Durchläufen immer noch nichts von ihrer Großartigkeit verloren.
Bis 2008 gab es dann nichts, was ich sehnlicher erwartete als den zweiten Streich dieser Kapelle. Zwischendrin gab es mal eine 7", aber die beiden wieder sehr gelungenen Stücke darauf (darunter eine Coverversion von The Kinks) machten das Warten ebenso wie die immer mal wieder bei YouTube auftauchenden Livevideos mit neuen Stücken nur noch unerträglicher.
Und dann kam endlich der Titelsong des neuen Albums Eat drugs mit dem Video, in der nicht die Band selber, wohl aber Leute auftauchten, von denen sie musikalisch beeinflusst waren:



Weil die Leute beim Label Retard Disco sehr fit waren, hatte ich das neue Album dann sogar einen Tag vor der offiziellen VÖ im Briefkasten. Schnell war klar, dass sie das Debüt nicht hatten toppen können, aber gelungen konnte man den Nachfolger durchaus trotzdem nennen. Die Produktion war im Vergleich schwachbrüstiger, wobei mir der trockenere Sound durchaus zusagte. Besonders die Stücke mit Gesang offenbarten aber eine gewisse Unsicherheit, denn die Stimme war nahezu bis zur Unkenntlichkeit mit Effekten zugeknallt worden, was die eigentlich guten Melodien leider etwas zukleisterte. Die Songs selber wirkten manchmal etwas uneinheitlich. Verglichen mit dem ersten Album klang Eat drugs merkwürdigerweise irgendwie mehr wie ein Debüt, so als ob die Band ein bisschen Angst vor der eigenen Courage hatte.
Wie gesagt - trotzdem war es eine sehr gute Platte mit einigen neuen Facetten, aber der Drive von früher fehlte, was aber sicherlich auch
mit daran lag, dass der Überraschungseffekt nicht mehr da war. 2005 war diese Musik für mich schließlich unverhofft vom Himmel gefallen, während ich jetzt ja schon wusste, was da auf mich zukam.

Nahezu zeitgleich erschien jedoch eine Platte, die einen Erklärungsansatz dafür liefern könnte, warum Eat drugs nicht so wie aus einem Guss klang. Gitarrist und Gründungsmitglied Brady Miller, der zusammen mit dem anderen Gitarristen Dan Gerchik bereits bei Miracle Chosuke gespielt hatte, war nach der Hälfte der Aufnahmen ausgestiegen und hatte mit Howl seine eigene Band aufgemacht. Auch der Schlagzeuger Benn und der Keyboarder Phil verließen die Band, so dass die zweite Hälfte von Eat Drugs mit neuem Personal eingespielt wurde. Offenbar war das der Anfang vom Ende, denn nach VÖ musste man Schlagzeuger Jesse (Ex-Upsilon Acrux) und Aushilfgitarristen Jesse (von Osma) wiederum durch zwei neue Gesichter ersetzen.

Und dann das Undenkbare - ohne Deal (bzw. nur mit einem popligen Vinyl-Deal bei dem Minilabel Deleted Art) kamen sie nach Europa auf Tour! Ich fragte mich zwar, wen das außer mir interessierte, aber mir selber war das im Grunde egal, denn es war klar, dass ich da hinfahren musste, wo immer sie auch spielen mochten. Nachdem ich mich zunächst damit abgefunden hatte, sie erst bei ihrem vorletzten Gig in Trier sehen zu können (wo ich im Auto auf dem Parkplatz zu nächtigen beabsichtigte), ergab es sich durch eine glückliche Fügung des Schicksals, dass ich bereits einen Monat früher in Leipzig ein Konzert von ihnen besuchen konnte.



Nachdem ich bereits in Leipzig gemerkt hatte, dass die fünf nicht unbedingt die engsten Freunde waren, war die Stimmung in Trier nahe dem Nullpunkt. Die Band war in (mindestens) zwei Lager gespalten - auf der einen Seite ganz alleine Bassist Daniel, auf der anderen Gitarrist Dan, während Keyboarder Gabe, Schlagzeuger Chris (jetzt bei Upsilon Acrux) und Gitarrist Mike vor allem versuchten, sich aus dem clash of Platzhirsche 'rauszuhalten.
Im Gespräch mit thinking man Dan, der sehr daran interessiert war, was meiner
Meinung nach "schlechter" an Eat Drugs im Vergleich zum Debüt war, erfuhr ich, dass letztendlich die ganzen Besetzungswechsel schuld daran wären, dass die Band nun am Ende war. Gabe, Chris und Mike wären zwar absolut gute Leute, aber es sei vom Gefühl her einfach nicht mehr dasselbe wie früher, und besonders Daniel und er würden irgendwie nicht mehr zusammenkommen. Es täte ihm leid für die drei anderen, aber für ihn wäre es ziemlich klar, dass man sich nach der Rückkehr auflösen würde.
Tatsächlich war vor allem Mike, der erst seit ein paar Monaten mit dabei gewesen war, ein bisschen geknickt, während Chris sich vor allem auf seine Zeit mit Upsilon Acrux freute, deren im Mai erscheinendes Album er mir im Laufe der Nacht noch vorspielte. Obwohl es anscheinend noch nicht ausgesprochen war, wussten auch die beiden, dass es Bad Dudes nach dem nächsten Konzert wohl eher nicht mehr geben würde (Keyboarder Gabe, der noch am längsten mit dabei gewesen war, wusste es sicherlich auch, aber er hielt sich an dem Abend vollkommen 'raus und guckte sich stattdessen die Gothic Party im Keller vom Ex-Haus an).

Naja, seit gestern ist es nun also offiziell, dass es nie wieder ein Bad Dudes-Album geben wird. Klar macht mich das traurig, aber sie hinterlassen neben einem absoluten Bombenalbum noch ein zweites sehr gutes sowie zwei Singles, von denen besonders die letzte (anlässlich der Europa-Tour) absolut famos ist. Auf meiner Festplatte habe ich zudem noch ein paar Livevideos, und im Kopf/Herzen bleiben die beiden Konzerte und der etwas schwermütige, aber dennoch sehr nette Abend in Trier zurück.

Zum Glück machen sie aber ja wohl auch weiterhin noch Musik:
Gabes neue Band Party Girls scheint ebenfalls ein Knaller zu sein, wenn sie das halten können, was sie mit den ersten drei Songs auf ihrer MySpace-Seite versprechen.
Die erste Howl-Platte ist in der Tat eigentlich besser als Eat Drugs, weil sie eben runder ist, aber ich fand bei Erstellung meiner Jahrescharts aus gegebenem Anlass, dass sie nicht vor Eat Drugs stehen durfte. Demnächst kommt das zweite Album, und ich bin mir ziemlich sicher, dass dabei wieder was 'rumkommen wird, was mir sehr gefallen wird, denn ich teile die Meinung der anderen Bad Dudes, dass Brady ein unglaublich talentierter Musiker ist.
Die neue Upsilon Acrux wird -das weiß ich je bereits- ebenfalls wieder super, und ich hoffe, dass sie ihren Plan, 2009 nach Deutschland zu kommen, auch umsetzen werden.
Und Dan? Er ist zwar kein Prog-Fan (das ist eigentlich eine irgendwie witzige Anekdote am Rande, wenn man sich Bad Dudes, aber auch schon Miracle Chosuke anhört), aber vielleicht wird sein nächstes Projekt gerade aus diesem Grund besonders interessant werden.

In diesem Sinne: Thank you for the music, Bad Dudes!

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