07 Dezember 2009

Lieblingsband

Die Frage "Was hörst Du denn so?" ist ja schon schlimm genug, denn was soll man denn bitteschön mit knapp drei Jahrzehnten Hörerfahrung und einer vierstelligen Anzahl von Tonträgern auf diese Frage mal eben antworten (dabei fällt mir ein, dass ich mal einen kannte, dessen damals ca. 300 CDs alle grob aus dem Death Metal-Bereich stammten)? Naja, zumindest kommt man bei der Frage nicht ins Schwitzen, sondern erläutert nur kurz, dass man das so nicht beantworten kann.
In Schwulitäten gerate ich aber immer wieder, wenn ich nach meiner "Lieblingsband" oder meinen "Lieblingsbands" befragt werde. Zum einen ist es schlimm, dass man sich bei seiner Antwort ja sogar noch mehr limitieren muss; zum anderen fällt es mir schlicht und ergreifend schwer, diese zu bestimmen. Ich bin zwar niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig, aber wenn ich halt Band X und Interpret Y nenne, lasse ich doch Kapelle Z doch unter den Tisch fallen, und das wäre ja auch irgendwie nicht richtig...
Woran macht es also jetzt fest?
An der Anzahl der Tonträger, die man besitzt? In meinem Fall wären das wohl Primus, weil ich diese ganzen Live-Geschichten, die man im Netz käuflich erwerben konnte, habe. Könnte zwar mit dieser Nennung leben, aber sind sie auch wirklich meine Lieblingsband?!?
Und was ist in dem Fall mit Bands, die einfach nicht so viele Tonträger veröffentlicht haben? Zum einen also die, die sich zu schnell aufgelöst haben (als Beispiel seien einfach mal Bad Dudes genannt); zum anderen die, die noch nicht so viele Platten aufgenommen haben (auch hier nur ein Beispiel: Kiss Kiss)? Können die nicht auch, dürfen die überhaupt eine Lieblingsband sein?!? Wie lange muss die jeweilige Band dabei sein, damit man sich sicher sein kann?
Und was ist mit denen, die es schon ewig gibt, die aber in ihrer nahezu unübersichtlichen Diskographie auch ein paar Graupen-Platten dabei haben (King Crimson passen jetzt als Beispiel vielleicht nicht wirklich, weil mr spontan keine einzige Graupe einfällt, außerdem gibt es da zu viele unterschiedliche Besetzungen; dann nenne ich einfach mal die Rolling Stones oder so)?!?

Selbst wenn man sagt, dass einfach das Herz das entscheidet, komme ich ins Schleudern. Das mag zum einen daran liegen, dass ich kein Herz habe, zum anderen aber auch daran, dass diese emotionale Deutung einen ja noch mehr unter Druck setzt. Das ist so diese "Du bist meine allerallerallerbeste Freundin, und Inge ist nur meine allerallerbeste!"-mäßig...

OK, also steht schon mal fest: die eine Lieblingsband kann man (kann ICH!) schon mal gar nicht benennen. Wie viele dürfen es denn dann sein? Drei? Fünf? Neun? Oder ist das für diesen Begriff schon zu verschwenderisch?!?
Und was ist eigentlich, wenn man mitbekommt oder vielleicht sogar zufällig weiß, dass die Mitglieder einer Band, die man musikalisch einfach nur grandios findet, menschlich völlig inakzeptabel oder auch einfach nur unsympathisch sind? Als Beispiel seien der Einfachheit halber mal Slayer genannt, die sich ja schon mal politisch in die Nesseln gesetzt haben, oder von mir aus auch Marilyn Manson, mit dem man ja nicht wirklich befreundet sein will, weil er einfach nur ein Depp zu sein scheint.
Worauf ich hinauswill - muss eine Lieblingsband auch menschlich integer sein, um dieses Prädikat verliehen bekommen zu können?
Vielleicht muss man sich einfach vorstellen, dass man unter Androhung der Todesstrafe eine einzige nennen muss, dabei aber auch nicht einfach mal eben irgendeine nennen darf, nur damit man dem Henker entgeht.
Ich mache das jetzt mal.
Äh...
Also, ich...
Hm...
[räusper]
Puh...
Ähem...
Wie war die Frage noch mal?
OK, vielleicht traue ich mich jetzt einfach mal, offiziell zuzugeben, dass ich glaube, dass im Augenblick (!) eigentlich nur eine einzige Band in Frage kommt, von mir diesen Titel verliehen zu bekommen, weil ich ausnahmslos allen Studioalben (immerhin bereits fünf an der Zahl) die Höchstnote geben würde. Menschliches muss ich hier jetzt ausklammern, ebenso die Tatsache, dass ich der Meinung bin, dass viele ihrer Fans einem Missverständnis unterliegen und ich aus diesem Grund ein Problem (jaja, ganz soooo schlimm ist es jetzt auch nicht, hrr hrr) mit ihnen und vielleicht auch der Band habe.
So, und um die Spannung jetzt rauszunehmen (für manch einen ist es vielleicht gar nicht so spannend, und wer mich kennt, weiß jetzt eh schon, was kommt) -
The winner is...
Oder müsste es "The winners are" heißen? Bands sollte man doch immer im Plural konjugieren, oder!?

Also, meine derzeitige... ja, das muss noch mal betont werden, zumal ja mein Leben auf dem Spiel und der Henker hinter mir steht und mir gerade wirklich keine andere einfällt, auf die das auch ehrlich zutrifft bzw. zutreffen könnte... Lieblingsband ist wohl:
[TÄTÄTÄTÄÄÄ]
The Mars Volta.
OK, jetzt ist es raus. War ja auch albern genug, die Nummer hier...
now playing: The Mars Volta - Octahedron (ich hatte tatsächlich zwischenzeitlich mal gedacht, dass ich ihr nicht die Höchstnote geben würde, aber das ist jetzt vorbei...)

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31 Oktober 2009

Gedanken anlässlich von VISIONS #200

Ich habe mir heute nach Jahren mal wieder eine VISIONS gekauft. Früher habe ich sie oft gelesen, von Nr. 5 an oder so. Sogar abonniert hatte ich sie lange, so ca. von Nr. 20-80. Es war nämlich durchaus so, dass die Zeitschrift damals über vieles von dem berichtete, was ich mochte.
War sie zu Beginn noch sowas wie eine Musikzeitschrift für Metaller, die nicht nur Metal hören, verloren sie jedoch bald ihre Unschuld und entwickelte sie sich jedoch mehr und mehr zu einem "Puls der Zeit"-Magazin und nahm dann auch explizit für sich in Anspruch, "Musik für die Neunziger" gewissermaßen mitzubestimmen. Dies ging mir schnell gegen den Strich, und wahrscheinlich hätte ich das Abo schon früher gekündigt, wenn ich nicht Mitte der 90er für ein knappes Jahr nach Wales gegangen wäre und mich in der selbstgewählten Disapora nicht durch die englische Hochglanz-Musikpresse informieren, sondern lieber mittels VISIONS am Ball bleiben wollte.

Zurück in die Gegenwart, zurück zur Jubiläumsausgabe...

Grund für diesen spontanen Kauf nach so langer Zeit war vor allem die DVD-Beilage: Beastie Boys - Awesome: I fuckin' shot that! Man könnte also sagen, dass diese Verkaufsstrategie in meinem Fall aufgegangen ist. Aber für 7,99.- € fand und finde ich das nicht verwerflich, zumal ich mir auch von dem Sonderheft, das die Jahre 1989 bis heute beleuchtet, zumindest ein bisschen Unterhaltung versprochen habe (die reguläre Nr. 200 habe ich übrigens einmal durchgeblättert, mal hier und da was gelesen; und die beigelegte CD habe ich nur wegen des -übrigens völlig sinnlosen- dredg-Covers von Astronomy Domine überhaupt eingelegt und danach sofort weggeschmissen).

Das Sonderheft habe ich bislang nur überflogen und eigentlich noch kaum was gelesen, aber die jeweiligen Jahrescharts habe ich mir angesehen und dabei etwas festgestellt - tatsächlich ist es so, dass nach Ablauf meines Abos kaum noch Platten (oder sogar gar keine) aus den Jahrescharts bei mir im Schrank stehen. Natürlich frage ich mich jetzt, ob hier das Huhn zuerst da war oder die Henne - ist das so, weil ich die VISIONS nicht mehr gelesen habe; oder habe ich das Abo beendet, weil mir die dort besprochene Musik nicht mehr so gefiel?

Vermutlich ist es wohl eine Mischung aus beidem.

Vielleicht entwächst man, sobald man in die zweite Hälfte der 20er eingetreten ist, immer mehr der gerade angesagten Musik. Bei mir begann diese Entwicklung schon Anfang der 90er mit Grunge, der -von ein paar Ausnahmen abgesehen- einfach nicht meine Musik war.
Auch Crossover, mit dem ich mich grundsätzlich schon mehr anfreunden konnte, war auf lange Sicht nicht wirklich mein Ding; hier hatte ich auch das dringende Gefühl, nicht alles mitmachen zu müssen. Bei diesem Genre wird m.E. im Rückblick auch klar, dass da verdammt viel Schrott oder zumindest nicht so dauerhaft Gutes dabei war.
Metal hatte ich in en 80ern gehört, mochte davon auch immer noch vieles, aber Rock Hard (den ich übrigens ebenfalls lange abonniert hatte) war auch nicht die Erfüllung für mich, und überhaupt kann es doch nicht sein, dass man sich für Platten- und Magazincover in der Öffentlichkeit schämen muss (Anekdote am Rande: als ich mir 1996 in Wales in dem einzigen Plattenladen am Ort die EP Vempire (or Dark Faerytales in Phallustein) von Cradle of Filth kaufte, wäre ich fast im Boden versunken, als ich den kaputten Inlay-Kranz bemängelte und die alte Frau hinterm Tresen freundlich die Hülle austauschte und dabei die blutverschmierten Titten erblickte, die sich hinter der CD verbargen; auch war es mir oft genug furchtbar peinlich, in der Straßenbahn im Rock Hard zu blättern).

Um wieder auf die VISIONS zurückzukommen -  für mich begann sie schon in der ersten Hälfte der 90er (und damit in der ersten Hälfte meiner 20er) zu kriseln. Dies lag m.E. vor allem daran, dass sie sich zunehmend und für meinen Geschmack zu vehement als Meinungsmacher und Sprachrohr aufspielte, wobei schlimmer als die VISIONS wohl die Leute waren, die der Zeitschrift und ihren Hypes auch tatsächlich hinterherliefen. Bei sowas reagiere ich einfach allergisch (das sollte mal ein Psychologe näher beleuchten), und meine Musiksnob-Karriere verlief von da an auch immer rasanter. Vermutlich ist also wirklich die VISIONS zumindest mit daran schuld, dass ich mich in den letzten gut zehn Jahren immer bewusster von dem entfernt habe, was man als alternativen Mainstream bezeichnet.

Zwei andere Katalysatoren waren auf jeden Fall der CD-Brenner und das MP3-Format, denn diese beiden Technologien nahmen mir zumindest für eine gewisse Zeit die Lust, mich mit zig neuen Sachen beschäftigen zu wollen. Wenn man zwei jeweils 40cm hohe CD-R-Stapel auf dem Schreibtisch liegen und die Festplatte voll mit MP3s hat, kommt man irgendwann mal auf den Trichter, dass es das ja wohl nicht sein kann, denn wie zur Hölle soll man sich diesen Sachen denn in adäquater Form widmen?!? Bei mir zumindest führte das zu einem Tabula-Rasa-Anfall - alles weg und fast nur noch alte Sachen, die bereits im Schrank standen, anhören!
Dabei entdeckte ich den einen oder anderen bis dahin verschmähten Interpreten, z.B. Primus. Ihr Debüt Frizzle Fry hatte mich seinerzeit weggeblasen, ich hatte sie auf ihrer ersten Dland-Tour gesehen, aber alles danach fand ich irgendwie nicht mehr so berauschend (gekauft habe ich mir jede neue Platte trotzdem). Auf einmal wurde mir klar, dass die Nachfolge-Platten auch toll (hier und da vielleicht sogar noch besser!?) waren, und von dort aus fing ich an, mich durch die Les Claypool-Diskografie zu arbeiten, über die ich wiederum auf Projekte und Bands der beteiligten Musiker stieß, bei denen mir immer wieder die Ohren schlackerten. Diesen Weg zu verfolgen, fand ich daher damals spannender, als mich um die aktuellen Strömungen zu kümmern.
Als ich wieder einstieg, mir neue Platten zu kaufen, betrat ich zunächst abseitige Pfade und kaufte mir nahezu blind CDs beim Mailorder cdbaby.com, der viele unbekannte Interpreten im Programm hat und die CDs (mittlerweile auch MP3s) z.T. sehr preiswert verkauft. Es war wie verhext - fast nie war ein Fehlkauf dabei!
Bei meiner ersten Bestellung war das Album Fragments von Capillary Action. Als ich Jon Pfeffer, den Typen hinter diesem Namen, kontaktierte und mich digital mit ihm anfreundete, nannte dieser mir immer wieder Namen von mir bis dato unbekannte Bands, die mir ebenfalls nahezu ausnahmslos gefielen (eine davon übrigens Bad Dudes, die sich in den letzten Jahren wohl zu einer meiner absoluten Lieblingsbands gemausert haben - RIP).

Irgendwann war für mich klar, dass ich mir von den bekannteren Sachen jetzt nur noch die Rosinen 'rauspicken muss Ich vermisse nichts, und das Internet beschert mir doch immer wieder neue und aufregende unbekannte Interpreten - warum also noch darum kümmern, was gerade so angesagt ist? Ich will doch vor allem Sachen finden und hören, die mir gefallen! Und auf diese Weise ist die Suche danach gleich viel spannender und auch befriedigender. Sie hat nämlich zwei angenehme Nebeneffekte - zum einen bestelle ich die Platten oft genug bei den Interpreten selbst und kann mir so sicher sein, dass das Geld auch an der richtigen Adresse ankommt; zum anderen ist es natürlich nicht unangenehm, wenn man auf diese Weise die "Entdeckung" gewissermaßen für sich beanspruchen kann. Das mag eitel und selbstverliebt klingen (und ist es wohl auch), aber so bin ich nun mal...

Was ich eigentlich sagen wollte - ich bin, was Musik angeht, immer noch sehr glücklich und zufrieden, denn nach wie vor finde ich viele, viele Sachen, die mich wirklich umhauen.
Mit einem Ohr höre ich natürlich noch auf das, was so angesagt ist, und auch da sind immer noch gute Sachen dabei, und natürlich verpasse ich dabei wahrscheinlich viele großartige Sachen, aber solange der Strom toller Musik nicht versiegt, soll mir das glatt egal sein!

P.S.: Nichtsdestotrotz - Glückwunsch an die VISIONS. Ihr wart mal wichtig(er), aber das wisst Ihr wahrscheinlich auch selbst...

n.p.: King Crimson - Lizard [4oth anniversary edition] (Ich muss mir mal einen 5.1-DVD-Player anschaffen, der DTS abspielen kann - damn!)

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04 Februar 2009

It's official now - Bad Dudes sind Geschichte

Als ich noch bei last.fm war, waren Bad Dudes (übrigens nicht die Bad Dudes!) in meiner Playlist meilenweit vorne, und es ist wohl in der Tat so, dass ich in den letzten knapp dreieinhalb Jahren keine Band mehr gehört habe. Empfohlen worden waren sie mir seinerzeit von Jon Pfeffer (Capillary Action), der offenbar immer genau wusste, was ich gerne hören wollte, denn alles, was er mir damals 'rüberschob, war große Klasse. Bad Dudes waren jedoch noch etwas mehr - das selbstbetitelte Debüt schlug bei mir ein wie eine Bombe, und die Platte hat auch nach unendlich vielen Durchläufen immer noch nichts von ihrer Großartigkeit verloren.
Bis 2008 gab es dann nichts, was ich sehnlicher erwartete als den zweiten Streich dieser Kapelle. Zwischendrin gab es mal eine 7", aber die beiden wieder sehr gelungenen Stücke darauf (darunter eine Coverversion von The Kinks) machten das Warten ebenso wie die immer mal wieder bei YouTube auftauchenden Livevideos mit neuen Stücken nur noch unerträglicher.
Und dann kam endlich der Titelsong des neuen Albums Eat drugs mit dem Video, in der nicht die Band selber, wohl aber Leute auftauchten, von denen sie musikalisch beeinflusst waren:



Weil die Leute beim Label Retard Disco sehr fit waren, hatte ich das neue Album dann sogar einen Tag vor der offiziellen VÖ im Briefkasten. Schnell war klar, dass sie das Debüt nicht hatten toppen können, aber gelungen konnte man den Nachfolger durchaus trotzdem nennen. Die Produktion war im Vergleich schwachbrüstiger, wobei mir der trockenere Sound durchaus zusagte. Besonders die Stücke mit Gesang offenbarten aber eine gewisse Unsicherheit, denn die Stimme war nahezu bis zur Unkenntlichkeit mit Effekten zugeknallt worden, was die eigentlich guten Melodien leider etwas zukleisterte. Die Songs selber wirkten manchmal etwas uneinheitlich. Verglichen mit dem ersten Album klang Eat drugs merkwürdigerweise irgendwie mehr wie ein Debüt, so als ob die Band ein bisschen Angst vor der eigenen Courage hatte.
Wie gesagt - trotzdem war es eine sehr gute Platte mit einigen neuen Facetten, aber der Drive von früher fehlte, was aber sicherlich auch
mit daran lag, dass der Überraschungseffekt nicht mehr da war. 2005 war diese Musik für mich schließlich unverhofft vom Himmel gefallen, während ich jetzt ja schon wusste, was da auf mich zukam.

Nahezu zeitgleich erschien jedoch eine Platte, die einen Erklärungsansatz dafür liefern könnte, warum Eat drugs nicht so wie aus einem Guss klang. Gitarrist und Gründungsmitglied Brady Miller, der zusammen mit dem anderen Gitarristen Dan Gerchik bereits bei Miracle Chosuke gespielt hatte, war nach der Hälfte der Aufnahmen ausgestiegen und hatte mit Howl seine eigene Band aufgemacht. Auch der Schlagzeuger Benn und der Keyboarder Phil verließen die Band, so dass die zweite Hälfte von Eat Drugs mit neuem Personal eingespielt wurde. Offenbar war das der Anfang vom Ende, denn nach VÖ musste man Schlagzeuger Jesse (Ex-Upsilon Acrux) und Aushilfgitarristen Jesse (von Osma) wiederum durch zwei neue Gesichter ersetzen.

Und dann das Undenkbare - ohne Deal (bzw. nur mit einem popligen Vinyl-Deal bei dem Minilabel Deleted Art) kamen sie nach Europa auf Tour! Ich fragte mich zwar, wen das außer mir interessierte, aber mir selber war das im Grunde egal, denn es war klar, dass ich da hinfahren musste, wo immer sie auch spielen mochten. Nachdem ich mich zunächst damit abgefunden hatte, sie erst bei ihrem vorletzten Gig in Trier sehen zu können (wo ich im Auto auf dem Parkplatz zu nächtigen beabsichtigte), ergab es sich durch eine glückliche Fügung des Schicksals, dass ich bereits einen Monat früher in Leipzig ein Konzert von ihnen besuchen konnte.



Nachdem ich bereits in Leipzig gemerkt hatte, dass die fünf nicht unbedingt die engsten Freunde waren, war die Stimmung in Trier nahe dem Nullpunkt. Die Band war in (mindestens) zwei Lager gespalten - auf der einen Seite ganz alleine Bassist Daniel, auf der anderen Gitarrist Dan, während Keyboarder Gabe, Schlagzeuger Chris (jetzt bei Upsilon Acrux) und Gitarrist Mike vor allem versuchten, sich aus dem clash of Platzhirsche 'rauszuhalten.
Im Gespräch mit thinking man Dan, der sehr daran interessiert war, was meiner
Meinung nach "schlechter" an Eat Drugs im Vergleich zum Debüt war, erfuhr ich, dass letztendlich die ganzen Besetzungswechsel schuld daran wären, dass die Band nun am Ende war. Gabe, Chris und Mike wären zwar absolut gute Leute, aber es sei vom Gefühl her einfach nicht mehr dasselbe wie früher, und besonders Daniel und er würden irgendwie nicht mehr zusammenkommen. Es täte ihm leid für die drei anderen, aber für ihn wäre es ziemlich klar, dass man sich nach der Rückkehr auflösen würde.
Tatsächlich war vor allem Mike, der erst seit ein paar Monaten mit dabei gewesen war, ein bisschen geknickt, während Chris sich vor allem auf seine Zeit mit Upsilon Acrux freute, deren im Mai erscheinendes Album er mir im Laufe der Nacht noch vorspielte. Obwohl es anscheinend noch nicht ausgesprochen war, wussten auch die beiden, dass es Bad Dudes nach dem nächsten Konzert wohl eher nicht mehr geben würde (Keyboarder Gabe, der noch am längsten mit dabei gewesen war, wusste es sicherlich auch, aber er hielt sich an dem Abend vollkommen 'raus und guckte sich stattdessen die Gothic Party im Keller vom Ex-Haus an).

Naja, seit gestern ist es nun also offiziell, dass es nie wieder ein Bad Dudes-Album geben wird. Klar macht mich das traurig, aber sie hinterlassen neben einem absoluten Bombenalbum noch ein zweites sehr gutes sowie zwei Singles, von denen besonders die letzte (anlässlich der Europa-Tour) absolut famos ist. Auf meiner Festplatte habe ich zudem noch ein paar Livevideos, und im Kopf/Herzen bleiben die beiden Konzerte und der etwas schwermütige, aber dennoch sehr nette Abend in Trier zurück.

Zum Glück machen sie aber ja wohl auch weiterhin noch Musik:
Gabes neue Band Party Girls scheint ebenfalls ein Knaller zu sein, wenn sie das halten können, was sie mit den ersten drei Songs auf ihrer MySpace-Seite versprechen.
Die erste Howl-Platte ist in der Tat eigentlich besser als Eat Drugs, weil sie eben runder ist, aber ich fand bei Erstellung meiner Jahrescharts aus gegebenem Anlass, dass sie nicht vor Eat Drugs stehen durfte. Demnächst kommt das zweite Album, und ich bin mir ziemlich sicher, dass dabei wieder was 'rumkommen wird, was mir sehr gefallen wird, denn ich teile die Meinung der anderen Bad Dudes, dass Brady ein unglaublich talentierter Musiker ist.
Die neue Upsilon Acrux wird -das weiß ich je bereits- ebenfalls wieder super, und ich hoffe, dass sie ihren Plan, 2009 nach Deutschland zu kommen, auch umsetzen werden.
Und Dan? Er ist zwar kein Prog-Fan (das ist eigentlich eine irgendwie witzige Anekdote am Rande, wenn man sich Bad Dudes, aber auch schon Miracle Chosuke anhört), aber vielleicht wird sein nächstes Projekt gerade aus diesem Grund besonders interessant werden.

In diesem Sinne: Thank you for the music, Bad Dudes!

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