12 Dezember 2009

Verhinderte(r) Musiker

Musikkritikern hängt man ja gerne an, dass sie nur deshalb so gerne an Musik rummäkeln, weil sie selber nie geschafft haben, etwas annähernd so Veröffentlichungswertes auf die Reihe zu bekommen. Gleiches gilt für Musiknazis wie mich, und vermutlich ist sogar was dran.

Habe mir ja letztens eine neue Gitarre gekauft, nachdem ich schon ewig nicht mehr richtig gespielt hatte. Anfang des Jahres hatte ich bekanntlich erstmals seit langer Zeit mal wieder einen richtigen Gitarrentrack gemacht; in den Jahren seit 1996 war da nicht mehr so viel, und daghoti. war vor allem Samplegeschiebe, bei dem ich nur hier und da mal was Kleines eingespielt habe.

Naja, so langsam hatte ich halt wieder Lust, und die neue Gitarre sollte nach der Initialzündung dazu führen, dass ich mich mal wieder mit diesem Instrument beschäftige. Bühnentauglich bin ich schon lange nicht mehr, und ich habe sogar festgestellt, dass ich im Stehen eigentlich gar nicht mehr spielen kann! Muss ich aber auch gar nicht, weil ich in den letzten Jahren eh immer nur gesessen habe, wenn ich was aufgenommen habe, und Robert Fripp sitzt ja schließlich auch.

Ca. zehn Jahre lang habe ich in Bands gespielt, bis ich es 1995 drangegeben habe, weil es sich gerade so ergab. Mit Ausnahme meiner letzten Band war ich immer für eine der jeweils zwei Gitarren zuständig gewesen, gleichzeitig aber auch für den Gesang, weswegen meine Parts dann oft eher überschaubar waren.
Nichtsdestotrotz konnte ich immer gut blenden, so dass jeder dachte, ich wäre richtig gut. Bei dem ersten Konzert meiner ersten richtigen Band habe ich z.B. bei der Bandvorstellung so ein völlig billiges Tapping-Solo gespielt, das offenbar so nachhaltig beeindruckte, dass ich fortan keine Rechenschaft mehr darüber schuldig war, wie gut oder wie schlecht ich bin. Tatsache war aber, dass ich mir oft genug einen abgebrochen habe, um die Sachen hinzukriegen, die sich unser erster Gitarrist so für mich ausgedacht hatte.
Bei der letzten Band, in der ich Gitarre spielte, hatte ich gegen Ende mal den Ehrgeiz, mehr zu spielen und gleichzeitig zu singen, was auch irgendwann ganz ordentlich klappte, aber dann bin ich bescheuerterweise wegen meiner damaligen Freundin () ausgestiegen und habe das nicht mehr weiter verfolgt. In der Band danach spielte ich Keyboards, da hatte sich das mit dem Gitarrespielen eh erledigt.

Ich bin nicht so der leidenschaftliche Festbeißer, und die Phasen in meinem Leben, in denen ich mich tatsächlich an etwas festbeißen wollte, sind von daher auch rar gesäht, aber zu dieser Zeit hätte es mit der Gitarre sogar klappen können.
Gitarre zu üben, hatte ich schon zu Zeiten, als ich noch Unterricht hatte, nie so recht eingesehen, und so habe ich meine Hausaufgaben dann immer erst eine halbe Stunde, bevor der Gitarrenlehrer kam, mal eben schnell gemacht. Begeistert war er selten, mir war's egal, weil der eh nur Sachen mit mir gemacht hat, die ich doof fand.
Hatte aber komischerweise auch umgekehrt irgendwie nie großen Bock, irgendwelche Lieblingsstücke oder Gitarrensoli zu lernen. Nach so Lagerfeuer-Nummern stand mir auch nie der Sinn, wobei ich das vielleicht schon gerne gekonnt hätte, aber drum kümmern wollte ich mich dann halt doch nie.
Wie gesagt - ich bin nicht so der Typ, der sich für sowas hinsetzt und stundenlang abmüht. Ich gebe mich schneller mit dem zufrieden, was ich habe, und fummle dann halt rum, bis ich das Gefühl habe, dass es mir gefällt. Dabei sind durchaus auch sehr geile Sachen rausgekommen, manchmal auch zufällig, was ich aber gar nicht verwerflich fand/finde. Ist so ein bisschen wie Scheitern als Chance...

Was ich damit sagen will - ich bin ein lausiger Gitarrist. Auch ein furchtbarer Sänger. Und Keyboards kann ich eigentlich auch nicht spielen. Geige und Xylophon, beides als Kind mal gelernt, kann ich auch nicht mehr; vielleicht konnte ich es nie, ist aber auch schon zu lange her, dass ich mich wirklich dran erinnern könnte. Auch nicht Bass, Schlagzeug und was ich über die Jahre sonst so spaßeshalber mal angepackt habe. Ich dilettiere halt so vor mich hin.
Und ja - vermutlich kompensiere ich sogar eigene Unzulänglichkeiten, wenn ich z.B. in meinen Ohren ätzendes Drumming wie das von Isis runtermache oder auch sonst gerne Haare in der Suppe suche und meist auch finde. Hören kann ich das nämlich schon, und ich wüsste auch, wie es besser gehen würde, aber besser machen könnte ich es selber so gut wie nie. Aber man kann ja zumindest so tun, nech!?

Nein, nein, das ist jetzt kein fishing for compliments hier, sondern durchaus ein Geständnis oder sowas in der Art. Vielleicht muss ich mich einfach ein bisschen unter Druck setzen, damit ich tatsächlich mal langsam mehr Gitarrespielen übe. Zumindest hängen die Klampfen hier jetzt alle schön an der Wand. Sieht nicht nur schick aus, sondern erinnert mich immer wieder an meinen Vorsatz, und tatsächlich nehme ich die eine oder andere zwischendrin auch mal runter, und wenn es nur für zwei Minuten oder sogar manchmal nur für ein Riff ist.
Grundsätzlich hätte ich nämlich möglicherweise wirklich noch mal Lust darauf, a) es krachen zu lassen und b) mal Sachen zu spielen, bei denen ich mich nachher selber wundere, dass ich sie gespielt habe. Und vielleicht auch noch mal auf eine Band. Als ich letztens im Wohnzimmer zu Supermachineeyon von Dÿse abrockte, meinte meine Frau, ich solle doch noch mal sowas machen. War mir vorher gar nicht so in den Sinn gekommen, zumindest nicht bewusst. Mal gucken...

n.p.: Andromeda Mega Express Orchestra - Take off! (Show off! ;)

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23 Januar 2009

Früher waren die noch gut

Wenn man viel Musik hört, ergibt es sich manchmal, dass man einen Interpreten sozusagen "entdeckt". Früher musste man für sowas schon irgendwie ein ziemlicher Checker sein und die richtigen Leute oder Magazine kennen; im Internetzeitalter könnte man, wenn man es darauf anlegt, womöglich jede Woche einen neuen Geheimtipp 'raushauen.
Mit einem gewissen Stolz verbreitet man in solchen Fällen die frohe Kunde im Bekanntenkreis und drängt die Musik jedem auf,
dem man sie "zutraut". In vielen Fällen bleibt die neue Errungenschaft auch weiterhin relativ unbekannt; in manchen Fällen allerdings kann man ihr über die nächsten Monate und Jahre beim Wachsen zugucken; manchmal wird sie sogar so groß, dass sie auf einmal die KölnArena ausverkauft oder sich auch ein Coldplay-Hörer das neue Album in seinen CD-Ständer stellt.
Anfangs empfindet man dabei noch das positive Gefühl der Selbstbestätigung und weist auch gerne immer wieder darauf hin, dass man es ja immer schon gewusst habe. In vielen Fällen triggert ein solcher Verlauf aber irgendwann die Entstehung einer Antihaltung. Man fühlt sich von der medialen Präsenz übersättigt, findet die neuen Songs doof, empfindet Fremdscham, wenn man erfährt, wer den Interpreten auf einmal goutiert, und findet manchmal sogar bei den alten Sachen auf einmal ein paar Haare in der Suppe.
Irgendwie schon verständlich, denn wenn man z.B. eine Freundin hat, die eine absolute Granate ist, die jeder whoah findet und mit der man sich gerne sehen lässt, fände man es wohl auch eher nicht so gut, wenn sie auf einmal mit jedem in die Kiste springen würde.
Der Vergleich mag übertrieben sein, aber mal Hand aufs Herz - wer die Problematik (also nicht die
mit der Freundin jetzt) kennt, hat sich doch nicht ausschließlich gefreut, wenn die Welt plötzlich erkannt hatte, wie gut diese Musik ist!?!

Wenn man nicht ganz unfair sein möchte, sollte man aber schon mal darüber nachdenken, ob dieser Reflex immer so angebracht ist. Ich meine, was ändert es denn an der Musik bzw. dem, was einen selber zu diesem Interpreten geführt hat? Warum soll etwas, das mal total super war, auf einmal kaum noch zu ertragen sein? Kann man es seiner Entdeckung nicht einfach gönnen? Schließlich hat man sie ja selber nicht geheimgehalten und wollte, dass mehr Leute sie anhören!
Natürlich muss man bei der Antwort differenzieren.

Manchmal liegt der Grund darin, dass man dem Interpreten und seiner Musik ganz einfach entwachsen ist. Damit muss man sich einfach abfinden, und das geht auch meistens. Man findet die Stagnation des Interpreten im schlimmsten Fall ein bisschen armselig, aber immerhin sind ja die alten Platten noch da, und man weiß noch, wie es damals war, als man dazu ausgerastet ist. Sich daran heute zu erfreuen, entfacht höchstens ein bisschen Wehmut. Vielleicht hört man sie aber auch automatisch nicht mehr, weil man eben heutzutage ganz einfach nicht mehr so darauf abfährt bzw. sich die Gelegenheiten gar nicht mehr ergeben.

Manchmal muss man vielleicht auch einfach akzeptieren, dass nicht jeder sich so weiterentwickelt, wie man das selber gerne gesehen hätte. Sowas passiert ja im Bekanntenkreis schließlich auch - Leute ziehen um, ergreifen völlig andere Berufe als man selber, geraten in andere Kreise, durch die sie zwangsläufig selber auch anders werden. Wenn man also sozusagen "der Verlassene" ist, findet man das zwar eventuell jammerschade, aber das ist eben der Lauf der Dinge. In so einem Fall die alten Platten zu hören, kann mitunter schwierig werden. Wenn man es schafft, die Phasen für sich selbst ganz klar in Früher und Danach einzuteilen, können sie aber durchaus auch weiterhin Spaß bereiten.

Wenn allerdings klar ist, dass der Interpret vor allem plötzlich Dollarzeichen in den Augen hat und deshalb gewisse Änderungen vornahm, kann man ihn natürlich guten Gewissens ätzend finden und muss sich nicht mal mehr die alten Platten anhören, weil man sich in einem solchen Fall vielleicht sogar zurecht betrogen sehen darf. Ich denke schon, dass es möglich ist, dass Musik, die man mal großartig gefunden hat, in so einem Fall auf einmal nicht mehr ehrlich für einen klingen kann. Vielleicht ist es einem auch peinlich, dass man darauf 'reingefallen ist.

Selbstverständlich gibt es auch Mischformen dieser drei Kategorien, besonders bei den letzten beiden. Manchmal kann man sich eben nicht ganz sicher sein, ob es sich um eine normale Weiterentwicklung handelt, die man selber einfach nicht so gut findet, oder ob nicht doch die Tatsache, dass der Interpret jetzt mit Models und Hollywood-Größen auf Glamour-Partys abhängen kann und die größten Stadien ausverkauft, der Änderungsfaktor gewesen ist. Hier muss jeder selber für sich entscheiden, ob er akzeptiert, dass auch das einfach nur eine Weiterentwicklung sein kann.

Einfach nur zu sagen, dass jemand früher noch gut war und dementsprechend heute nicht mehr, wäre mir früher öfter passiert. Mittlerweile setzt da wohl so eine Art Altersweisheit ein, die mir sagt, dass ich mich selber nicht so wichtig nehmen sollte.
Ich will hier aber auch niemandem vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, aber ich frage mich halt selber schon selber seit einer geraumen Weile, ob ich wirklich nie wieder Red Hot Chili Peppers hören kann, ohne die Nase zu rümpfen.
Bei
NIN habe ich für mich akzeptiert, dass ich dafür mittlerweile wohl zu alt bin. Ich interessiere mich
einfach nicht mehr für sie und finde das auch gar nicht so schlimm. Ab und an ist das noch mal ganz okay, manchmal rutscht mir sogar noch ein whoah 'raus, aber diese Zeit scheint einfach nur vorbei zu sein (heimlich geht natürlich immer noch).

Ganz schlimm finde ich es übrigens, wenn die schon angesprochene mediale Überpräsenz es schafft, selbst die alten Kracher kaputtzumachen. Wenn man auf einmal den Sänger, den man mal angebetet und vielleicht sogar in eigenen Bands imitiert hat, nur noch furchtbar findet; wenn das Gitarrenspiel, das einen selber mal fast dazu gebracht hat, nie wieder eine Gitarre in die Hand nehmen zu wollen, mittlerweile nur noch langweilt; wenn man die Refrains von Liedern, die man selber früher mitgegröhlt hat, nicht mehr hören kann - sich in diesen Fällen von dem Gedanken zu verabschieden, dass der Interpret und seine Musik jemals gut gewesen sind, ist schon ganz schön hart.

Vielleicht kann man also wirklich erst mit Fug und Recht sagen, dass ein Album oder ein Interpret unkaputtbar sind, wenn man es geschafft hat, eine Dauerbeschallung der perversesten Art hinter sich zu bringen. Mich würde mal interessieren, wie viele Lieblinge da am Ende noch übrigbleiben würden...

n.p.: Crimson Jazz Trio - King Crimson Songbook
(kann auch die Originale immer noch gut hören, hatte aber gerade Bock auf Jazz)


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17 Januar 2009

Ihr könnt Euch auf den Kopf stellen...

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˙ǝɔuɐɥɔ ɐ ɯǝɥʇ uǝʌıƃ ǝʌ,noʎ sɐ ƃuoן sɐ 'uo ןןɐɟ noʎ ǝpıs ɥɔıɥʍ ǝɹɐɔ ʎןןɐǝɹ ʇ,uop ı ʎɐs puɐ ʇsǝuoɥ ǝq oʇ ǝʌɐɥ ı ʇnq 'ʍou ʇɥƃıɹ ʇǝƃ uɐɔ ı spuǝıɹɟ ǝɥʇ ןןɐ pǝǝu ı ǝsnɐɔǝq ɹǝɯɹoɟ ǝɥʇ ןǝǝɟ noʎ ɟı ןooɔ ǝq pןnoʍ ʇı ˙pǝʎouuɐ puɐ pǝʇɔǝןƃǝu ןǝǝɟ ןןıʍ noʎ ʇɐɥʇ ǝʌısnןɔxǝ puɐ pǝpıs-ǝuo os ǝq ןןıʍ ʎǝɥʇ ɹo 'ǝɯ oʇ ǝsoןɔ puɐ pǝʇsnɹʇ ןǝǝɟ ןןıʍ noʎ ʇɐɥʇ ʇɔǝɹıp puɐ ʇsǝuoɥ os punos ןןıʍ ʎǝɥʇ ɹǝɥʇıǝ - uo puɐʇs noʎ ǝpıs ɥɔıɥʍ ǝpıɔǝp oʇ ǝʌɐɥ ןןıʍ noʎ puɐ ǝuıן ɐ ʍɐɹp ןןıʍ [ɔısnɯ ʎɯ] ʞuıɥʇ ı ˙ʇsıʇɹɐ uɐ ɯɐ ı pɹoɔǝɹ uo ʇnq 'ɥʇoq ɯɐ ı ʞuıɥʇ ı ˙ʇsıʇɹɐ uɐ uɐɥʇ ɹǝɯɹoɟɹǝd ɐ ǝʞıן ǝɹoɯ spunos ʇɐɥʇ ǝɯ oʇ "¡sɹǝuǝʇsıן ɹɐǝp ʎɯ oʇ uoıʇɐɹıdsuı puɐ ʎoɾ ƃuıɹq oʇ [ʇı] ǝpɐɯ ı" ʎɐs ı op ǝɹǝɥ uı ǝɹǝɥʍou ʇɐɥʇ ǝɔıʇou ˙ǝɹnʇɐu ɥsıɟןǝs ɐ ɟo ǝɹɐ [ɔısnɯ] ƃuıʞɐɯ ɹoɟ suosɐǝɹ ǝsǝɥʇ ןןɐ ʇɐɥʇ ǝʇou oʇ ʇuɐʇɹodɯı s,ʇı


n.p.: Type O Negative - Bloody Kisses
(nach all den Jahren immer noch ein unfassbar gutes Album)

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Tina Turner macht jetzt Punkrock (oder so)

Es gibt ja Interpreten, die mal eine gute oder sogar sehr gute Phase hatten, in der sie Perlen für die Ewigkeit 'rausgehauen haben, als gäbe es kein Morgen. Irgendwann kam der/das Morgen dann doch, aber ihr musikalischer Anspruch spottet am Tag danach leider jeder Beschreibung.
Oft genug frage ich mich, warum die sich das überhaupt noch antun. Wenn man (mindestens) einen Song geschrieben hat, der nahezu täglich auf jeweils 23 Radiostationen in 65 Ländern dieser Welt im Radio gespielt wird, müsste man ja eigentlich keinen Finger mehr krumm machen. Und wenn man auf Faulenzen nicht klar kommt, muss man doch zumindest nicht mehr alle zwei bis drei Jahre ein belangloses Album auf den Markt bringen und ein Dreivierteljahr lang 24/7 betouren, oder!?

Was also bringt eine Band wie z.B. Bon Jovi dazu, diesen ganzen Quark noch mitzumachen und sich musikalisch nicht mal milimeterweise zu bewegen? Hat jemand wie Elton John nicht mal Lust auf was ganz Anderes? Muss eine Celine Dion wirklich bis an ihr Lebensende immer dieselben Register ziehen und in Las Vegas gelangweilte Leute mit noch langweiligerer Musik bedienen? Hat nicht auch ein Ozzy Osbourne Lust mal auf irgendwas, was seine Fans (schlimm genug, dass sich offenbar tatsächlich noch Leute seine Platten kaufen) vor den Kopf stößt (z.B. ein Beatles-Coveralbum mit 1:1-Versionen)? Was haben sie denn alle zu verlieren?
Mir ist klar, dass man seinen Fans gegenüber sowas wie eine Verantwortung hat, weil sie einen schließlich dahingebracht haben und irgendwann mal, ohne mit der Wimper zu zucken, 128.- Euro für die fünfte Abschiedstour auf den Tisch legen. Aber hat man diese Verantwortung denn wirklich noch, wenn man im Geld schwimmt und im Prinzip nur noch ins Studio geht, weil man das ja schließlich die letzten 20 Jahre auch schon gemacht hat?
Wenn jetzt z.B. King Crimson, die ja durchaus sowas wie eine meiner erklärten Lieblingsbands sind, eine Discoscheibe machen wollen würden, nur weil sie da auch mal Bock drauf haben (und das auch klar so ansagen), dann würde ich ihnen das von ganzem Herzen gönnen. Ich glaube sogar, dass viele sog. Fans Verständnis dafür hätten, wenn ihr Star dann doch auch mal Lust auf eine ganz andere Musik hat.
Eine Jazz-Platte der Rolling Stones - warum nicht?! Ein Lounge-Album von Scooter - geilo! Phil Collins bringt ein Instrumentalalbum 'raus - ich würde es wahrscheinlich sogar kaufen!

Was ich damit sagen will: diese Leute -ganz egal, ob man sie nun mag oder nicht- sind ja musikalisch nicht ganz auf den Kopf gefallen. Sie können Instrumente spielen; sie wissen über Komposition und Aufnahmetechniken Bescheid; sie kennen oder haben Zugriff auf Leute, die bestimmte Sachen beherrschen und ihnen (für Geld, das die Stars mal eben aus der Portokasse holen) ihr Talent zur Verfügung stellen würden; sie hören sicherlich auch selber zuhause manch krudes oder zumindest anderes Zeug - wie können sie morgens in den Spiegel gucken, wenn sie gerade das 194. Lied ihrer Karriere veröffentlicht haben, das sich weder stilistisch noch vom Anspruch her großartig von den 193 bisher veröffentlichten Liedern unterscheidet? Wie motivieren sie sich? Und warum haben sie das noch nötig?
Mich würde das irgendwann langweilen, und ich denke, mir wäre es auch egal, wenn alle denken würden, dass ich nun komplett abgeraucht bin.

Umgekehrt sind selbstverständlich die Madonnas (jaja, schon klar, dass "Madonnen" der richtige Plural wäre) dieser Welt ziemlich schlimm, wenn sie krampfhaft einen auf innovativ machen. Auch ein eigentlich unangreifbarer David Bowie hat sich schon an sowas verhoben. Aber ich meinte ja auch gar nicht, dass diese etablierten (Alt-) Stars jetzt auf einmal die Musik neu erfinden müssen; ich nehme ihnen einfach nicht ab, dass sie selber mit ihrer halbgaren Grütze immer noch d'accord gehen. Ich wünsche mir Outings, die über ein "Naja, natürlich haben wir nicht jeden Abend Bock auf Smoke on the water und den dazugehörigen Mitsing-Part" hinausgehen und auch mal das eigene Schaffen in Frage stellen. Stattdessen immer nur "Unser neues Album ist das beste unserer Karriere", obwohl selbst die B-Seiten von früher 100x besser waren.
Wie gesagt - ich hätte dafür vollstes Verständnis und fände das in vielen Fällen sehr, sehr spannend.

n.p.: Danzig - Blackacidevil
(nee, war nur Spaß, hahaha; in Wahrheit höre ich seit gestern wieder die großartige
4)

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12 Januar 2009

Musik gemacht (pt. i)

Ich habe 1995 zum letzten Mal in einer Band gespielt. Es war eine recht gute Band, was man vielleicht daran ablesen kann, dass (Achtung, jetzt wird's kompliziert) die Hälfte von ihr mitlerweile ein Drittel von Japanische Kampfhörspiele bildet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon Soloveröffentlichungen herausgebracht, aber ab 1995 war ich nun endgültig zum musikalischen Einsiedler geworden. Es gab zwar seitdem noch die eine oder andere Kollaboration, aber in den meisten Fällen war ich dann doch der "musikalische Leiter" oder habe wirklich nur einen Aushilfsjob übernommen.
Witzigerweise (naja, so witzig war das irgendwie gar nicht) gab es zu der Kollaboration, um die es hier geht, noch ein Vorspiel, das aber damit endete, dass die meisten Mitstreiter nicht mehr mitmachten, ja nicht einmal mehr mitstritten, sondern offenbar der Meinung waren, mir nicht gewachsen zu sein. Dies hat mir einiges über die Leute gesagt, aber durchaus auch das eine oder andere über mich.
Wie dem auch sei - im Herbst war es dann soweit, dass ich einen mir bekannten Schlagzeuger fragte, ob er sich nicht an einem Stück beteiligen wolle, wobei ich ihm freistellte, nur einen Studio-Job abzuliefern oder aktiv mitzuarbeiten. Zu meiner großen Freude entschied er sich für letzteres. Freudig erregt war ich aus mehreren Gründen:
  • Ich hatte nach dem letzten gescheiterten Projekt, bei dem am Ende fast alles an mir hängengeblieben war, sehr große Lust auf eine kreative Zusammenarbeit. Die Vorgehensweise, dies ausschließlich über das Internet und nicht von Angesicht zu Angesicht abzuwickeln, fand ich auch nach der vorangegangenen Pleite interessant und gut (wobei ich nicht ungerecht sein möchte, denn diese Arbeitsweise hat zu Beginn gut gegriffen und wurde zumindest mit einem Projektmitglied erfolgreich bis zum Ende durchgezogen).
  • Ich war mir durchaus unsicher, ob ich das alles nach sehr langer instrumentaler Abstinenz (Bass und Gitarre hatte ich mehr als ein Jahrzehnt lang nur mal für kurze Passagen in die Hand genommen) schultern können würde und brauchte daher vielleicht auch jemanden, der mir sozusagen etwas Dampf unterm Hintern macht. Ich hatte mir zwar ohnehin vorgenommen, demnächst wieder solo mehr mit Gitarre/Bass zu machen, aber ich benötigte einen rasanteren Start, als ich ihn aus eigenem Antrieb hätte hinlegen können.
  • Der von mir gewählte Mitstreiter stand in hohem Ansehen bei mir, weil ich wusste, dass er a) ein mehr als ordentlicher Schlagzeuger war, b) über die entsprechenden Aufnahme-, Mixing, und Masteringmöglichkeiten sowie -fähigkeiten verfügte und c) mir persönlich sehr sympathisch war. An diesen Punkten hat sich nur insofern etwas geändert, dass sich sein Ansehen bei mir sogar noch potenziert hat, weil er sich darüber hinaus glänzend darauf verstand, das Projekt in geordnete Bahnen zu lenken und auch sonst alles richtig gemacht hat (außer dass er kurz vor Weihnachten eine nahezu komplett editierte Version zerschossen hat und davon kein Backup gemacht hatte). Dass mal nicht ich die gesamte "Tontechnik" in die Hand nehmen musste, habe ich auch sehr genossen.
Was soll ich sagen - all diese Punkte gingen für mich in Erfüllung, so dass ich mich nun gerüstet fühle, den nächsten Schritt zu tun. Auch eine Wiederholung der Zusammenarbeit wäre von meiner Seite aus durchaus erwünscht.
Kommen wir nun zur Rezeption des Ergebnisses, denn tatsächlich war das Feedback erschreckend mau und teilweise sogar explizit negativ. Die Gründe dafür sind vielfältig, und ich will auch gar nicht hier 'rumweinen, dass sie m.E. vor allem mit meiner Person zu tun haben; dennoch möchte ich zu ein paar Stellung nehmen.
  • Ein Kritikpunkt war, dass der Song vor allem "anspruchsloses Standart[sic!]geriffe/lahmes Rumgeriffe" böte. Fakt ist, dass nie geplant war, das Rad neu zu erfinden, sondern tatsächlich, rockige Riffs aneinanderzureihen und es ein bisschen krachen zu lassen. Dass ich kein guitar hero bin bzw. nach all den Jahren auch keiner sein konnte, wusste zumindest ich selber vorher schon. Bin allerdings durchaus zufrieden, wenngleich ich manche Parts mittlerweile anders spielen würde.
  • Desweiteren wurde bemängelt, dass der Song "nicht genug Substanz" habe. Jetzt wusste ich ja schon von meinen Solo-Sachen, dass die Rezeption darüber, was kompliziert/einfach klingt und tatsächlich kompliziert/einfach ist, sehr weit auseinanderklaffen kann. Dies kann z.B. an möglicherweise nicht so ausgeprägtem Musikverständnis, aber auch ganz einfach am Standpunkt liegen. In einem Interview wurde ich mal gefragt, wie ich diese komplizierten Sachen denn eigentlich behalten bzw. hinkriegen würde, worauf ich meine Meinung kundtat, dass ich das gar nicht könnte, wenn die Sachen wirklich kompliziert wären. Ist ja klar - ich war ja im Song drin, denn ich hatte ihn ja schließlich geschrieben und aufgenommen; dass ich dann eben im Gegensatz zum Hörer auch den absoluteren Überblick über die Songmatrix habe, sollte ja wohl klar sein. Im aktuellen Fall weiß ich als Beteiligter auch sehr wohl, wie viele Feinheiten (z.B. rhythmisch) im Song vorhanden sind. Von daher empfinde ich es fast als Lob, wenn das durchaus immanente "Muckertum" offenbar gar nicht so zum Tragen kommt. Ich selber liebe Songs/Platten/Interpreten, bei denen genau das gelungen ist.
  • Der Song wurde als "zu lang" bezeichnet, wohl besonders weil er ohne Gesang auskommen musste und eben mit zu "anspruchslosem Riffing" versehen war. Die Songlänge ist in der Tat nicht auf meinem Mist gewachsen, denn bei mir wäre der Song wohl nur etwa halb so lang gewesen, weil ich nun mal dazu neige, viele Idee in kurzer Zeit unterzubringen. Da ich mich diesbezüglich ohnehin ändern wollte (hört man ja auch schon zumindest teilweise auf meiner letzten daghoti.-Veröffentlichung How tall is Robin Gibb?) und dabei auf das Drängen meines Mitstreiters gehört habe, werte ich diese Umsetzung für mich persönlich als Gewinn. Dies soll freilich nicht heißen, dass ich es ungerne gemacht habe; die Meinung, dass der Song zu lang ist, teile ich nicht einmal, weil die einzelnen Parts m.E. so variabel arrangiert wurden, dass die Songlänge völlig in Ordnung geht (was aber auch nicht heißt, dass ich nicht vielleicht doch irgendwann mal eine Gesangsspur hinzufügen werde).
  • Einig waren sich die Kritiker wohl vor allem darin, dass sie von den beiden Beteiligten mehr erwartet hatten. Gut, für Erwartungshaltungen kann jeder Konsument nur selber etwas, solange sie nicht übertrieben von den Akteuren geschürt wurden, was hier sicherlich nicht der Fall war. Positiv nehme ich daraus mit, dass man mir offenbar durchaus etwas (und sogar mehr!) zutraut. ;)
Fazit: Natürlich hätte ich mir auch gewünscht, dass alle vor dem Ergebnis auf die Knie gegangen wären. Für mich war aber vor allem der Weg das Ziel, und der Weg war für einen Erstversuch schon annähernd optimal.
Wenn ich mir zudem angucke, welcher Aufwand dafür betrieben wurde, muss ich schon festhalten, dass dieser Song geradezu nebenbei fertiggestellt wurde, denn niemand hat sich dafür tage- oder wochenlang freigenommen, sondern seinen Teil stattdessen neben Arbeit, Familie, sonstigen Hobbys und Aktivitäten fertiggestellt.
Desweiteren haben sich -wie ich ja oben schon sagte- meine persönlichen Hoffnungen allesamt erfüllt bzw. sie wurden sogar teilweise übertroffen.
Die Bewertung des Ergebnisses unterliegt natürlich mal wieder dem persönlichen Geschmack (), aber ich für meinen Teil kann mich gut mit unserem Song identifizieren und spiele ihn anderen auch gerne vor.
Ach ja, das Wichtigste hatte ich ja noch vergessen: den Song kann man sich übrigens hier anhören.

n.p.: daghoti. w/ lieutenant kruger - The Peaceful Atom
(wie geil ist das denn bitteschön!?!)

Es gibt übrigens einen Nachtrag zu diesem Post, weil ich was vergessen hatte und manch einer meine Intention wohl etwas missverstanden hat.

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