27 Dezember 2009

Nachtrag: Platten des Jahrzehnts

Vermutlich werde ich auch in Zukunft noch Platten finden, die eigentlich auch in die Listen gehört hätte, die ich hier schon reingestellt habe (hier und hier). Bei Third von Portishead war mir das allerdings irgendwie schon in dem Moment klar, als ich die beiden Jahrzehntsampler eingetütet hatte.

Ein bisschen sind sie allerdings selbst dran schuld, denn das VÖ-Datum Ende April 2008 machte aus Third ja irgendwie ein Sommeralbum, und wenn es eines gibt, was Portishead nicht können, dann sind das wohl Sommeralben. Ich nahm mir also vor, die Platte erst so ab Spätherbst intensiv zu hören, aber natürlich hatte ich das bis dahin vergessen.

In meinem Rückblick auf das Jahr 2008 tauchte sie zwar dennoch auf, aber nur in der Rubrik "auch noch gut waren". Das lag daran, dass mir wohl aufgefallen war, wie besonders das Album war, aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich es nicht so oft gehört, um einen Bezug zu ihm aufbauen zu können. Stattdessen rückte es quasi mit dieser Nennung auf der Alben-die-ich-mir-mal-genauer-anhören-muss-Prioritätenliste noch einmal ein gutes Stückchen höher, aber es musste trotzdem noch zehn Monate dauern, bis dies dann auch tatsächlich geschah.

Mittlerweile bin ich fast der Meinung, dass Third unter die ersten zehn des Jahrzehnts gehört, denn Portishead haben das Rezept ihrer beiden ersten Alben in die Tonne getreten, ohne es dabei zu verleugnen. So toll Dummy und der selbstbetitelte Nachfolger waren, wäre es mehr als zehn Jahre danach aus künstlerischer Sicht m.E. lächerlich gewesen, noch einmal sowas zu machen. Stattdessen servierten sie krautiges Lo-Fi-Zeugs, das mitunter ziemlich sperrig daherkam (die erste Singleauskopplung Machine Gun war diesbezüglich schon sehr frech gewählt). Und dieser Mut wurde belohnt, denn die Platte hat sich gut verkauft und meist sehr gute Kritiken eingefahren. Recht so!


Ich habe jetzt nicht wirklich Lust,  das für mich aus diesem Album herausragende Stück Hunter nachträglich noch in einen der beiden Jahrzehntsampler einzubauen, aber reingehört hätte der Song definitiv. Mal gucken, ob ich die Dinger noch auf Festplatte habe, dann mache ich es vielleicht doch noch.
Andererseits ist dieser Blogeintrag ja wohl nachträgliche Huldigung genug, oder!?

P.S.: Unlängst haben sie einen neuen Song auf ihre Website gestellt. Offenbar verfolgen sie den auf Third eingeschlagenen Weg weiter. Ob sie danach wieder elf Jahre Pause machen und erst dann wieder was Neues und Überraschendes raushauen?

n.p.: Portishead - Third 
(wenn man das Vinyl davon hört, wünscht man sich, dass alle Platten als Doppel-Vinyl mit 45rpm rauskommen)



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26 Dezember 2009

2009

Fünf Tage vor dem Jahreswechsel kann man das ja wohl machen...

ALBEN (einfach mal alphabetisch, weil ich die dieses Jahr bis auf die beste einfach nicht in eine Reihefolge kriege):
Andromeda Mega Express Orchestra - Take off!
Gavin Castleton - Home
Dÿse - Lieder sind Brüder der Revolution
Kiss Kiss - The Meek shall inherit what's left
The Mars Volta - Octahedron
Omar Rodriguez-Lopez - Xenophanes
Skeletonbreath - Eagle's Nest, Devil's Cave
Sonic Youth - The Eternal
Sufjan Stevens - The BQE
Tapetto Traci - Neurula
TeTsuo - Cousu Main
Urlaub in Polen - Liquid
We Insist! - The Babel inside was terrible


EPs: 
Cage - I never knew you EP
Wyo Stars (Ex-Howl) - Basuco Spells EP
schnAAk - women on ships are bad luck
Ulme - The Sea in me
Urfaust - Einsiedler


DEMOS:
Bros N'Cons - Demos
Party Girls - Shitty Demos


SONSTIGES:
Dÿse - Plaste 

Gut waren auch noch:
The Adrian Belew Power Trio - e
Celan - halo
Evangelista - Prince of Truth
Michael Clay & Adrian Belew - a cup of coffee and a slice of time
Les Claypool - Of Fungi and Foe
The Cocker Spaniels - Sometimes You Gotta Fight To Get A Bit Of Peace
Drums Are For Parades - Artificial Sacrificial Darkness in the Temple of the Damned
Eisenvater - IV
Heaven & Hell - The devil you know
Ilse Lau - Abbreviation Hits
Mastodon - Crack the Skye
Mouth - Rhizome
Napalm Death - Time waits for no Slave
Stebmo - s/t
Upsilon Acrux - Radian Futura
The Void's Last Stand - A Sun By Rising Set
Zombi - Spirit Animal


Nicht so gut wie erhofft waren:
Absztrakkt - Das Buch der drei Ringe
Cougar - Patriot
John Frusciante - The Empyrean
Keelhaul - Triumphant Return to Obscurity
OSI - Blood
Devin Townsend Project - Ki

Ulme - tropic of taurus

JAHRESSAMPLER (17 Tracks in genau einer Stunde)
01 Wyo Stars - Glown
02 Ulme - Clonus
03 Stebmo - Holding Patterns
04 The Cocker Spaniels - Small Stone
05 We Insist! - Cogent Stories
06 Tapetto Traci - Déraison
07 TeTsuo (feat. Dawn McCarthy) - Bill's Men
08 Gavin Castleton (feat. Lauren Coleman) - Sugar on the Sheets
09 Skeletonbreath - Dick Tracy
10 Kiss Kiss - Hate
11 Cougar - Florida Logic
12 Urlaub In Polen - Sweet Candy Piper
13 Sonic Youth - Malibu Gas Station
14 Omar Rodriguez-Lopez - Maria Celeste
15 The Mars Volta - Teflon
16 Dÿse - Supermachineeyon
17 Michael Clay & Adrian Belew - Union Terminal 

n.p.: Django Reinhardt - Djangology - The Complete Recordings 1934 - 1937 (gerade MP3-mäßig für 4,99.- bei amazon abgegriffen)

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21 Dezember 2009

Ins Detail gegangen (Nachtrag: Lieblingsband)

Wie gesagt - von The Mars Volta würde ausnahmslos jedes der fünf Studioalben die Höchstnote bekommen. Oft genug frage ich mich aber dann doch, welche von ihnen denn wohl meine Lieblingsplatte von ihnen sein könnte.

Nun denn...

De-loused In The Comatorium ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil es damals so eine Überraschung war. Zwar hatte ich bekanntlich schon bei Relationship Of Command von At The Drive-In gemutmaßt, dass da jemand ein bisschen zu viel King Crimson gehört hat; aber nicht nur weil ich dafür ausgelacht wurde, war ich mir diesbezüglich dann doch etwas unsicher.
Das Debütalbum der neuen Band verriet aber, dass King Crimson wohl nicht die einzige Prog-Band war, die offenbar gerne gehört wurde, denn hier hörte ich Sachen raus, die für die alternative crowd ziemlich unsexy waren. Ich hielt die ganze Sache geradezu für einen Affront oder aber einen Witz - das konnten die doch nicht ernst meinen!
Mir gefiel das super, aber wie viele ATD-I-Fans kann man bitteschön vor den Kopf stoßen, wenn man ihnen derart komprimiert Einflüsse um die Ohren haut, die diese Leute im Original nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden? Geile Sache!

De-loused in the comatorium
kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil sämtliche Alben danach sonst abgewertet würden. Zu diesem Zeitpunkt konnte man nur erahnen, was für eine besondere Band sie waren, aber wissen konnte man noch nicht, ob sie diese Qualität würden halten können. Und vielleicht war es ja tatsächlich nur ein Witz!?

Frances The Mute
ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil sie sogar noch eine Kelle drauflegten und nun endlich die ersten zugeben mussten, dass sie nicht mehr gewillt waren, dieser Band zu folgen. Und diejenigen, die sich das noch nicht eingestehen konnten, waren zumindest zum größten Teil schon mal verwirrt. Sowas finde ich immer super, ebenso wie den Größenwahn, der sich hier erstmals andeutete.

Frances The Mute
kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil die Band doch tatsächlich zugunsten von ein bisschen Geplucker und Gefiepe darauf verzichtete, den wunderbaren und m.E. für den Hörkontext ungemein wichtigen Titeltrack mit auf das Album zu nehmen. Größenwahnsinn schön und gut, aber geht's noch?!


 Amputechture ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil ich es erst blöd fand. Mag komisch klingen, aber es ist doch so, dass Platten, mit denen man erst nichts anfangen kann und die dann auf einmal "Klick" machen, am Ende immer besonders gut und nicht selten sogar besser als andere sind, auf die man sofort steil gegangen ist. Amputechture war für mich zunächst einmal zu sperrig und unhörbar, als dass ich mich damit beschäftigen wollte.
Mit der Band hatte ich dann auch schnell abgeschlossen, worüber ich gar nicht so traurig war, denn die Gewissheit, sowas wie ein Fan von irgendwas zu werden, verursacht bei mir immer  Bauchschmerzen. Dann wurde mir jedoch unverhofft mit dem darauf folgenden Album The Bedlam in Goliath der Glauben an die Band zurückgegeben, und im Überschwang der Gefühle machte ich dann doch noch einmal einen Versuch. Interessanterweise hat das dann beim ersten Hören geklappt, und ich konnte gar nicht verstehen, warum ich sie erst nicht gemoch hatte. Sachen gibt's...

Amputechture
kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil das darauf enthaltene Asilos Magdalena der mit Abstand ätzendste Song der Band ist. Bestätigt wurde mir das spätestens beim Konzert im Palladium in Köln, als sie es im Akustikpart zum Besten gaben. Diese Einlage bremste für mich ein bis dahin rasant-tolles Konzert aus, und nachdem sie ihre Akustikeinlage angepisst beendet hatten, weil irgendwer in der ersten Reihe zu viel gequatscht hatte, bin ich nicht mehr reingekommen (es kam aber zum Glück auch nur noch ein knapp 20-minütiges Stück). Schlimmes Lied!

The Bedlam in Goliath ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil sich die Band damit -wie gesagt- wieder bei mir zurückmeldete. Mit diesem überkandidelten, übertriebenen und zugekoksten Album war 2008 für mich eigentlich schon im Frühjahr musikalisch gelaufen, weil es besser nicht mehr werden konnte.

The Bedlam in Goliath kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil diese Adelung einer Drogenverherrlichung gleichkommen würde. Manchmal ist weniger mehr, und immer so viel kann sich selbst der hartgesottenste Hörer nicht täglich antun.


Octahedron ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil es -ähnlich wie bei Amputechture- ein bisschen gedauert hat, bis es sich bei mir gesetzt hat. Es war zwar nicht so schlimm, dass es mir gar nicht gefiel, aber es erschien mir einfach wenig spektakulär, was aber nach The Bedlam in Goliath auch zu erwarten gewesen war.
Wie dem auch sei - nachdem ich mich eigentlich schon dazu entschieden hatte, dass Xenophanes von Omar Rodriguez-Lopez für mich die bessere TMV-Platte 2009 war, fiel mir wieder einmal von jetzt auf gleich auf, dass die Songs alle unglaublich gut waren und eine ruhigere Platte wie diese das Beste war, was sie nach The Bedlam in Goliath rausbringen konnten.

Octahedron kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil die Band zum ersten Mal berechenbar geworden war. Sie hatten schließlich angekündigt, eine ruhigere Platte folgen zu lassen, und an Octahedron war ergo rein gar nichts überraschend. Alle Platten vorher waren immer überraschend gewesen, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt. Octahedron hingegen fügt sich ein bisschen zu glatt in die Diskographie ein.

Fazit: Als Musikkonsument freue ich mich, dass im Falle The Mars Volta tatsächlich immer das Album am besten für mich ist, das ich gerade höre. Besser geht's eigentlich nicht, oder!?
Interessant bleibt natürlich abzuwarten, wann sie das Album veröffentlichen, bei dem das nicht mehr so ist. Ich muss mich jetzt schon mal dazu zwingen, sie in diesem Fall nicht sofort fallen zu lassen. Das würde nämlich zu mir passen, wäre aber wohl ziemlich unfair...

now playing: Jahressampler


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07 Dezember 2009

Lieblingsband

Die Frage "Was hörst Du denn so?" ist ja schon schlimm genug, denn was soll man denn bitteschön mit knapp drei Jahrzehnten Hörerfahrung und einer vierstelligen Anzahl von Tonträgern auf diese Frage mal eben antworten (dabei fällt mir ein, dass ich mal einen kannte, dessen damals ca. 300 CDs alle grob aus dem Death Metal-Bereich stammten)? Naja, zumindest kommt man bei der Frage nicht ins Schwitzen, sondern erläutert nur kurz, dass man das so nicht beantworten kann.
In Schwulitäten gerate ich aber immer wieder, wenn ich nach meiner "Lieblingsband" oder meinen "Lieblingsbands" befragt werde. Zum einen ist es schlimm, dass man sich bei seiner Antwort ja sogar noch mehr limitieren muss; zum anderen fällt es mir schlicht und ergreifend schwer, diese zu bestimmen. Ich bin zwar niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig, aber wenn ich halt Band X und Interpret Y nenne, lasse ich doch Kapelle Z doch unter den Tisch fallen, und das wäre ja auch irgendwie nicht richtig...
Woran macht es also jetzt fest?
An der Anzahl der Tonträger, die man besitzt? In meinem Fall wären das wohl Primus, weil ich diese ganzen Live-Geschichten, die man im Netz käuflich erwerben konnte, habe. Könnte zwar mit dieser Nennung leben, aber sind sie auch wirklich meine Lieblingsband?!?
Und was ist in dem Fall mit Bands, die einfach nicht so viele Tonträger veröffentlicht haben? Zum einen also die, die sich zu schnell aufgelöst haben (als Beispiel seien einfach mal Bad Dudes genannt); zum anderen die, die noch nicht so viele Platten aufgenommen haben (auch hier nur ein Beispiel: Kiss Kiss)? Können die nicht auch, dürfen die überhaupt eine Lieblingsband sein?!? Wie lange muss die jeweilige Band dabei sein, damit man sich sicher sein kann?
Und was ist mit denen, die es schon ewig gibt, die aber in ihrer nahezu unübersichtlichen Diskographie auch ein paar Graupen-Platten dabei haben (King Crimson passen jetzt als Beispiel vielleicht nicht wirklich, weil mr spontan keine einzige Graupe einfällt, außerdem gibt es da zu viele unterschiedliche Besetzungen; dann nenne ich einfach mal die Rolling Stones oder so)?!?

Selbst wenn man sagt, dass einfach das Herz das entscheidet, komme ich ins Schleudern. Das mag zum einen daran liegen, dass ich kein Herz habe, zum anderen aber auch daran, dass diese emotionale Deutung einen ja noch mehr unter Druck setzt. Das ist so diese "Du bist meine allerallerallerbeste Freundin, und Inge ist nur meine allerallerbeste!"-mäßig...

OK, also steht schon mal fest: die eine Lieblingsband kann man (kann ICH!) schon mal gar nicht benennen. Wie viele dürfen es denn dann sein? Drei? Fünf? Neun? Oder ist das für diesen Begriff schon zu verschwenderisch?!?
Und was ist eigentlich, wenn man mitbekommt oder vielleicht sogar zufällig weiß, dass die Mitglieder einer Band, die man musikalisch einfach nur grandios findet, menschlich völlig inakzeptabel oder auch einfach nur unsympathisch sind? Als Beispiel seien der Einfachheit halber mal Slayer genannt, die sich ja schon mal politisch in die Nesseln gesetzt haben, oder von mir aus auch Marilyn Manson, mit dem man ja nicht wirklich befreundet sein will, weil er einfach nur ein Depp zu sein scheint.
Worauf ich hinauswill - muss eine Lieblingsband auch menschlich integer sein, um dieses Prädikat verliehen bekommen zu können?
Vielleicht muss man sich einfach vorstellen, dass man unter Androhung der Todesstrafe eine einzige nennen muss, dabei aber auch nicht einfach mal eben irgendeine nennen darf, nur damit man dem Henker entgeht.
Ich mache das jetzt mal.
Äh...
Also, ich...
Hm...
[räusper]
Puh...
Ähem...
Wie war die Frage noch mal?
OK, vielleicht traue ich mich jetzt einfach mal, offiziell zuzugeben, dass ich glaube, dass im Augenblick (!) eigentlich nur eine einzige Band in Frage kommt, von mir diesen Titel verliehen zu bekommen, weil ich ausnahmslos allen Studioalben (immerhin bereits fünf an der Zahl) die Höchstnote geben würde. Menschliches muss ich hier jetzt ausklammern, ebenso die Tatsache, dass ich der Meinung bin, dass viele ihrer Fans einem Missverständnis unterliegen und ich aus diesem Grund ein Problem (jaja, ganz soooo schlimm ist es jetzt auch nicht, hrr hrr) mit ihnen und vielleicht auch der Band habe.
So, und um die Spannung jetzt rauszunehmen (für manch einen ist es vielleicht gar nicht so spannend, und wer mich kennt, weiß jetzt eh schon, was kommt) -
The winner is...
Oder müsste es "The winners are" heißen? Bands sollte man doch immer im Plural konjugieren, oder!?

Also, meine derzeitige... ja, das muss noch mal betont werden, zumal ja mein Leben auf dem Spiel und der Henker hinter mir steht und mir gerade wirklich keine andere einfällt, auf die das auch ehrlich zutrifft bzw. zutreffen könnte... Lieblingsband ist wohl:
[TÄTÄTÄTÄÄÄ]
The Mars Volta.
OK, jetzt ist es raus. War ja auch albern genug, die Nummer hier...
now playing: The Mars Volta - Octahedron (ich hatte tatsächlich zwischenzeitlich mal gedacht, dass ich ihr nicht die Höchstnote geben würde, aber das ist jetzt vorbei...)

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31 Oktober 2009

Gedanken anlässlich von VISIONS #200

Ich habe mir heute nach Jahren mal wieder eine VISIONS gekauft. Früher habe ich sie oft gelesen, von Nr. 5 an oder so. Sogar abonniert hatte ich sie lange, so ca. von Nr. 20-80. Es war nämlich durchaus so, dass die Zeitschrift damals über vieles von dem berichtete, was ich mochte.
War sie zu Beginn noch sowas wie eine Musikzeitschrift für Metaller, die nicht nur Metal hören, verloren sie jedoch bald ihre Unschuld und entwickelte sie sich jedoch mehr und mehr zu einem "Puls der Zeit"-Magazin und nahm dann auch explizit für sich in Anspruch, "Musik für die Neunziger" gewissermaßen mitzubestimmen. Dies ging mir schnell gegen den Strich, und wahrscheinlich hätte ich das Abo schon früher gekündigt, wenn ich nicht Mitte der 90er für ein knappes Jahr nach Wales gegangen wäre und mich in der selbstgewählten Disapora nicht durch die englische Hochglanz-Musikpresse informieren, sondern lieber mittels VISIONS am Ball bleiben wollte.

Zurück in die Gegenwart, zurück zur Jubiläumsausgabe...

Grund für diesen spontanen Kauf nach so langer Zeit war vor allem die DVD-Beilage: Beastie Boys - Awesome: I fuckin' shot that! Man könnte also sagen, dass diese Verkaufsstrategie in meinem Fall aufgegangen ist. Aber für 7,99.- € fand und finde ich das nicht verwerflich, zumal ich mir auch von dem Sonderheft, das die Jahre 1989 bis heute beleuchtet, zumindest ein bisschen Unterhaltung versprochen habe (die reguläre Nr. 200 habe ich übrigens einmal durchgeblättert, mal hier und da was gelesen; und die beigelegte CD habe ich nur wegen des -übrigens völlig sinnlosen- dredg-Covers von Astronomy Domine überhaupt eingelegt und danach sofort weggeschmissen).

Das Sonderheft habe ich bislang nur überflogen und eigentlich noch kaum was gelesen, aber die jeweiligen Jahrescharts habe ich mir angesehen und dabei etwas festgestellt - tatsächlich ist es so, dass nach Ablauf meines Abos kaum noch Platten (oder sogar gar keine) aus den Jahrescharts bei mir im Schrank stehen. Natürlich frage ich mich jetzt, ob hier das Huhn zuerst da war oder die Henne - ist das so, weil ich die VISIONS nicht mehr gelesen habe; oder habe ich das Abo beendet, weil mir die dort besprochene Musik nicht mehr so gefiel?

Vermutlich ist es wohl eine Mischung aus beidem.

Vielleicht entwächst man, sobald man in die zweite Hälfte der 20er eingetreten ist, immer mehr der gerade angesagten Musik. Bei mir begann diese Entwicklung schon Anfang der 90er mit Grunge, der -von ein paar Ausnahmen abgesehen- einfach nicht meine Musik war.
Auch Crossover, mit dem ich mich grundsätzlich schon mehr anfreunden konnte, war auf lange Sicht nicht wirklich mein Ding; hier hatte ich auch das dringende Gefühl, nicht alles mitmachen zu müssen. Bei diesem Genre wird m.E. im Rückblick auch klar, dass da verdammt viel Schrott oder zumindest nicht so dauerhaft Gutes dabei war.
Metal hatte ich in en 80ern gehört, mochte davon auch immer noch vieles, aber Rock Hard (den ich übrigens ebenfalls lange abonniert hatte) war auch nicht die Erfüllung für mich, und überhaupt kann es doch nicht sein, dass man sich für Platten- und Magazincover in der Öffentlichkeit schämen muss (Anekdote am Rande: als ich mir 1996 in Wales in dem einzigen Plattenladen am Ort die EP Vempire (or Dark Faerytales in Phallustein) von Cradle of Filth kaufte, wäre ich fast im Boden versunken, als ich den kaputten Inlay-Kranz bemängelte und die alte Frau hinterm Tresen freundlich die Hülle austauschte und dabei die blutverschmierten Titten erblickte, die sich hinter der CD verbargen; auch war es mir oft genug furchtbar peinlich, in der Straßenbahn im Rock Hard zu blättern).

Um wieder auf die VISIONS zurückzukommen -  für mich begann sie schon in der ersten Hälfte der 90er (und damit in der ersten Hälfte meiner 20er) zu kriseln. Dies lag m.E. vor allem daran, dass sie sich zunehmend und für meinen Geschmack zu vehement als Meinungsmacher und Sprachrohr aufspielte, wobei schlimmer als die VISIONS wohl die Leute waren, die der Zeitschrift und ihren Hypes auch tatsächlich hinterherliefen. Bei sowas reagiere ich einfach allergisch (das sollte mal ein Psychologe näher beleuchten), und meine Musiksnob-Karriere verlief von da an auch immer rasanter. Vermutlich ist also wirklich die VISIONS zumindest mit daran schuld, dass ich mich in den letzten gut zehn Jahren immer bewusster von dem entfernt habe, was man als alternativen Mainstream bezeichnet.

Zwei andere Katalysatoren waren auf jeden Fall der CD-Brenner und das MP3-Format, denn diese beiden Technologien nahmen mir zumindest für eine gewisse Zeit die Lust, mich mit zig neuen Sachen beschäftigen zu wollen. Wenn man zwei jeweils 40cm hohe CD-R-Stapel auf dem Schreibtisch liegen und die Festplatte voll mit MP3s hat, kommt man irgendwann mal auf den Trichter, dass es das ja wohl nicht sein kann, denn wie zur Hölle soll man sich diesen Sachen denn in adäquater Form widmen?!? Bei mir zumindest führte das zu einem Tabula-Rasa-Anfall - alles weg und fast nur noch alte Sachen, die bereits im Schrank standen, anhören!
Dabei entdeckte ich den einen oder anderen bis dahin verschmähten Interpreten, z.B. Primus. Ihr Debüt Frizzle Fry hatte mich seinerzeit weggeblasen, ich hatte sie auf ihrer ersten Dland-Tour gesehen, aber alles danach fand ich irgendwie nicht mehr so berauschend (gekauft habe ich mir jede neue Platte trotzdem). Auf einmal wurde mir klar, dass die Nachfolge-Platten auch toll (hier und da vielleicht sogar noch besser!?) waren, und von dort aus fing ich an, mich durch die Les Claypool-Diskografie zu arbeiten, über die ich wiederum auf Projekte und Bands der beteiligten Musiker stieß, bei denen mir immer wieder die Ohren schlackerten. Diesen Weg zu verfolgen, fand ich daher damals spannender, als mich um die aktuellen Strömungen zu kümmern.
Als ich wieder einstieg, mir neue Platten zu kaufen, betrat ich zunächst abseitige Pfade und kaufte mir nahezu blind CDs beim Mailorder cdbaby.com, der viele unbekannte Interpreten im Programm hat und die CDs (mittlerweile auch MP3s) z.T. sehr preiswert verkauft. Es war wie verhext - fast nie war ein Fehlkauf dabei!
Bei meiner ersten Bestellung war das Album Fragments von Capillary Action. Als ich Jon Pfeffer, den Typen hinter diesem Namen, kontaktierte und mich digital mit ihm anfreundete, nannte dieser mir immer wieder Namen von mir bis dato unbekannte Bands, die mir ebenfalls nahezu ausnahmslos gefielen (eine davon übrigens Bad Dudes, die sich in den letzten Jahren wohl zu einer meiner absoluten Lieblingsbands gemausert haben - RIP).

Irgendwann war für mich klar, dass ich mir von den bekannteren Sachen jetzt nur noch die Rosinen 'rauspicken muss Ich vermisse nichts, und das Internet beschert mir doch immer wieder neue und aufregende unbekannte Interpreten - warum also noch darum kümmern, was gerade so angesagt ist? Ich will doch vor allem Sachen finden und hören, die mir gefallen! Und auf diese Weise ist die Suche danach gleich viel spannender und auch befriedigender. Sie hat nämlich zwei angenehme Nebeneffekte - zum einen bestelle ich die Platten oft genug bei den Interpreten selbst und kann mir so sicher sein, dass das Geld auch an der richtigen Adresse ankommt; zum anderen ist es natürlich nicht unangenehm, wenn man auf diese Weise die "Entdeckung" gewissermaßen für sich beanspruchen kann. Das mag eitel und selbstverliebt klingen (und ist es wohl auch), aber so bin ich nun mal...

Was ich eigentlich sagen wollte - ich bin, was Musik angeht, immer noch sehr glücklich und zufrieden, denn nach wie vor finde ich viele, viele Sachen, die mich wirklich umhauen.
Mit einem Ohr höre ich natürlich noch auf das, was so angesagt ist, und auch da sind immer noch gute Sachen dabei, und natürlich verpasse ich dabei wahrscheinlich viele großartige Sachen, aber solange der Strom toller Musik nicht versiegt, soll mir das glatt egal sein!

P.S.: Nichtsdestotrotz - Glückwunsch an die VISIONS. Ihr wart mal wichtig(er), aber das wisst Ihr wahrscheinlich auch selbst...

n.p.: King Crimson - Lizard [4oth anniversary edition] (Ich muss mir mal einen 5.1-DVD-Player anschaffen, der DTS abspielen kann - damn!)

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16 Oktober 2009

Endlich mal: TeTsuo - Cousu Main

OK, jetzt habe ich mich lange genug geziert, etwas über meine Lieblingsplatte des Jahres zu schreiben. Und bevor The BQE von Sufjan Stevens tatsächlich noch diese Position einnimmt (es sieht nämlich gerade fast so aus), sollte ich noch schnell loswerden, warum ich das hier schon mehrfach erwähnte Album Cousu Main so gut finde.

Wie ich zu TeTsuo (und damit zu ATRDR) gekommen bin, habe ich ja schon mal gesagt. Wer Nervous Cabaret kennt und mag, sollte nicht nur aufgrund von Elyas Khans Mitwirkung mal 'reinhören, denn grundsätzlich sind die Bands musikalisch wohl in einer ähnlichen Ecke zuhause.
Mit Dawn McCarthy von Faun Fables ist zudem ein noch prominenterer Gast dabei, und auch diese Band kann herangezogen werden, um TeTsuo in etwa einordnen zu können.
Weitere Namen, die in Rezensionen immer wieder auftauchen, sind Dresden Dolls, Mr Bungle, PJ Harvey, Danny Elfman sowie Radiohead. Spätestens jetzt wird es aber unübersichtlich, denn manche davon passen mehr als andere, weswegen ich sie hier eigentlich eher nicht noch einmal ausbreiten möchte (und am besten erwähne ich gar nicht mehr, dass ich manchmal auch an New Model Army denken muss).

Also, was denn jetzt?

Fange ich mal beim Personal an: TeTsuo sind ein Schlagzeuger (Alexis Toussaint) und ein singender Gitarrist (Arnaud Millan). Klavier und Keyboards spielen beide auch mal ab und an. Darüber hinaus gibt es hier und da noch eine Reihe von Gästen.
Natürlich macht diese Duo-Besetzung ihre Musik eher bass-arm, aber der daraus resultierende manchmal etwas dünne Sound gehört für mich mit zum Gesamtkonzept. Selbst die Stücke, in denen viele Gäste mit vielen Instrumenten zu hören sind, klingen nämlich so, als könnten sie am Ende auch alleine von den beiden Franzosen dargeboten werden.
Die Musik klingt intim und kunstvoll, überdreht und doch eingängig, verschroben und poppig zugleich. Die beiden klingen nach Bühne, und zwar nach einer kleinen Theater- und Varietébühne; ich könnte mir das ganze auch gut in einem Zeltlager mit knisterndem Feuer vorstellen.


Tatsächlich zieht sich vom ersten bis zum letzten Ton eine eigentümliche Atmosphäre durch Cousu Main, die ich nach wie vor schlecht in Worte fassen kann, was wohl auch der Grund dafür ist, warum ich diesen Beitrag hier so lange vor mir hergeschoben habe.

Cousu Main ist Pop, Folk, Punk, Jazz, (Post-) Rock, Cabaret, aber vor allem ist Cousu Main eine für mich einzigartige Platte, die ich gerne einmal live aufgeführt zu mir nehmen würde.
Wer weiß - die Band hat ernsthaft vor, 2010 mal außerhalb von Frankreich zu spielen. Ich glaube, dafür würde ich durchaus auch ein paar Kilometer fahren. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass es klappt!


P.S.: Während ich das so schreibe und dabei das Album höre, bezweifle ich übrigens gerade, dass Sufjan Stevens die beiden 2009 wirklich noch abhängen kann!

n.p.: TeTsuo - Cousu Main (s.o.)

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04 Oktober 2009

megamix vol. ii

Anm. d. Verfassers: Ich habe diesen Beitrag bzw. den Sampler, um den es geht, noch einmal modifiziert und die Änderungen in gelber Schrift kenntlich gemacht.

Oh, Du meine Güte - ist das alles sinnlos! ;)


Es gab ja bekanntlich noch eine Reihe nicht berücksichtigter Alben, so dass in der Essenz noch einmal ein Sampler entstehen konnte, der übrigens ziemlich genau 1:11 lang ist.
Hinzu kam mit Sufjan Stevens - The BQE noch ein Album, das zwar erst in zwei Wochen erscheinen wird, aber schon jetzt so großartig ist, dass es die bei mir möglicherweise die bisher an erster Stelle liegenden TeTsuo wohl noch verdrängen wird. CD und Vinyl sind auf jeden Fall schon geordert!

Insgesamt bin ich selbstkritisch genug, um anmerken zu können, dass der erste megamix insgesamt vielleicht etwas liebevoller wirkt; von daher hätte der zweite statt vol. ii vielleicht besser bonustracks geheißen, aber das hätte m.E. die Alben abgewertet, von denen die jeweiligen Songs stammen.

Jaja, eine Wissenschaft für sich. Wie dem auch sei - here we go again:

01. Barry Adamson - That Fool Was Me
02. Earthtone9 - Tat Twam Asi
03. Sleeping People - Blue Fly Green Fly
04. Coheed and Cambria - Devil In Jersey City (live)
05. Capillary Action - Ticking Ghosts, Pt. 2
06. Devin Townsend - Earth Day
07. Opeth - Hope Leaves
08. Bad Dudes - Secret Protector
09. Gavin Castleton - 2045
10. Cougar - Atlatl
11. The Lost Sounds - I get nervous
12. Kevin Moore - Verily
13. Battle Of Mice - Bones In The Water
14. Tapetto Traci - Déraison
15. The Mars Volta - Agadez
16. Sufjan Stevens - Movement II: Sleeping Invader
17. Kiss Kiss - Innocent II
18. Make A Rising - Look At My Hawk
19. Pattern Is Movement - The Severe
20. Earth - Land Of Some Other Order


n.p.: hofmeistermegamix 20.1 vol. ii (...)

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27 September 2009

Das erste Jahrzehnt nähert sich seinem Ende

Nein, ich mache jetzt keinen Vorschlag, wie man das erste Jahrzehnt nennt (also "die Nuller" oder sowas in der Art). Ich habe mir lediglich aus gegebenem Anlass Gedanken darüber gemacht, was es mir musikalisch gebracht hat (persönlich war es eh das ereignisreichste, aber hey - das ist ja irgendwie schon ein Musikblog hier, oder!?!).
Eine derartige Recherche macht immer ein schlechtes Gewissen, weil sie so wenig sinnvoll erscheint. Zeitverschwendung? Ja, wahrscheinlich schon. Relevanz? Nee, nicht wirklich; interessiert ja eh niemanden außer mich selbst. Egal? Ja, ist mir egal.

Also: es handelt sich hierbei um die offizielle Version 1.0, wobei es natürlich auf der Hand liegt, dass es vorab einige inoffizielle Versionen gegeben hat. Da wurde munter gelistet, verworfen, eingefügt, ausgetauscht und vor die Stirn geschlagen, weil man ja noch diese und jene Platte vergessen hat. Außerdem bleiben ja noch drei Monate, in denen zumindest theoretisch noch was dazukommen könnte.
Macht aber gar nichts, denn schließlich hält mich ja niemand davon ab, nächstes Jahr bzw. mit gebührendem Abstand auf das Jahr 2009 noch mal eine neue Liste aufzustellen, was mir sicherlich wieder ebenso viel Spaß bereiten würde.
Kann auch sein, dass hier und da eine Jahreszahl oder sowas nicht stimmt, aber das kann ja auch mal passieren. Mindestens einmal ist auch eine EP 'reingerutscht, aber das passt schon so.

Ich habe an anderer Stelle, weil es dort so gewünscht war, eine Liste gepostet, die durchnummeriert war, möchte an jetzt und hier aber darauf verzichten, weil mir sowas irgendwie nicht möglich ist (das schließt aber nicht aus, dass ich das doch eines Tages noch einmal versuchen werde).

Nun denn, hier meine Platten der Jahre 2000-2009:

2000
AT THE DRIVE-IN Relationship of command
EARTHTONE9 arc'tan'gent
ELEKTROKILL s/t (manchmal auch bisci genannt)
RADIOHEAD Kid A

2001
Les CLAYPOOL's (Fearless Flying) Frog Brigade Live Frogs Set 1
Les CLAYPOOL's (Fearless Flying) Frog Brigade Live Frogs Set 2
John FRUSCIANTE To Record Only Water For Ten Days
SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM Grand Opening And Closing
TARAF DE HAïDOUKS Band of Gypsies
Devin TOWNSEND Terria

2002
Barry ADAMSON The King of Nothing Hill
CORNELIUS Point
THEORY OF RUIN Counter-Culture Nosebleed
URLAUB IN POLEN Parsec

2003
COHEED AND CAMBRIA In Keeping Secrets of Silent Earth: 3
The MARS VOLTA de-loused in the comatorium
OPETH Damnation

2004
CAPILLARY ACTION Fragments
Gavin CASTLETON dark age
FROM MONUMENT TO MASSES The Impossible Leap In One Hundred Simple Steps
The LOST SOUNDS s/t
Kevin MOORE Memory Hole - Memory Hole 1
PATTERN IS MOVEMENT the (im)possibilty of longing

2005
BAD DUDES s/t
The BOOK OF KNOTS s/t
COHEED AND CAMBRIA Live at the Starland Ballroom
COUGAR
Law
EARTH Hex: Or Printing in the Infernal Method
GABBY LA LA Be careful what you wish for
MAKE A RISING Rip Through the Hawk Black Night
The MARS VOLTA Frances The Mute
NERVOUS CABARET s/t
PATTERN IS MOVEMENT Stowaway
SDNMT (aka SEIDENMATT) If You Use This Software Often - Buy It
SLEEPING PEOPLE s/t

2006
BATTLE OF MICE A day of nights
The MARS VOLTA Amputechture

2007
Gavin CASTLETON For the love of Pete
Gavin CASTLETON A bullet, a lever, a key
KISS KISS s/t Reality vs. The Optimist

2008
BAD DUDES Eat drugs
EARTH The Bees Made Honey In The Lion's Skull
HOWL Party
MAKE A RISING Infinite Ellipse and Head With Open Fontanel
The MARS VOLTA The Bedlam in Goliath
PATTERN IS MOVEMENT all together

2009
Gavin CASTLETON Home
KISS KISS The meek shall inherit what's left
TAPETTO TRACI Neurula
TETSUO Cousu Main

Wie gesagt - kein Anspruch auf Vollständigkeit. Relativ sicher bin ich mir jedoch bei allen im Hinblick auf dauerhafte Platzierung in diesen persönlichen Jahrzehnt-Charts. Eventuell gibt es 2009 noch ein paar Kandidaten, die in naher Zukunft auch in den erlauchten Kreis aufgenommen werden. Unwissenschaftlicher Stand der Dinge ist jedoch das da oben.

Natürlich (hrr hrr) habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, einen Jahrzehnt-Sampler zusammenzustellen, den ich durch behutsame Edits auf exakt 80 Minuten zusammenstauchen konnte. Derzeit denke ich über eine Vol. 2 nach, denn selbstverständlich ist mir aufgefallen, dass ein ganzes Jahr (2006) nicht vertreten ist, ich viele tolle Sachen vergessen habe bzw. einfach nicht berücksichtigen konnte. Natürlich wird man hier erfahren, falls es tatsächlich zu einem weiteren Sampler kommt.

Hier die Tracklist vom hofmeistermegamix_20.1:

01. Taraf de Haïdouks - Louloudji (Bride In A Red Dress)
02. Radiohead - The National Anthem
03. Make A Rising - Sneffels Yokul
04. The Mars Volta - Eriatarka
05. SDNMT - Bergen
06. From Monument To Masses - Sharpshooter
07. At The Drive-In - Invalid Litter Dept.
08. Bad Dudes - Human Shield
09. Gavin Castleton - Why Wake Up (feat. Erik Nilsson)
10. Nervous Cabaret - Instant Lady
11. TeTsuo - Chirurgical Chill
12. Kiss Kiss - Iris and Eye
13. Sleepytime Gorilla Museum - Powerless
14. Les Claypool's Fearless Flying Frog Brigade - Hendershot (live)
15. Gabby La La - Backpack
16. Pattern Is Movement - Peach Trees
17. Cornelius - Point Of View Point
18. Howl - B Evil
19. John Frusciante - Going Inside
20. Urlaub In Polen - Commander Ulysse
21. Theory Of Ruin - Type A Male
22. The Book Of Knots - Crumble
23. Elektrokill - Kalama
24. Earth - Hung From The Moon

Bin ja bekanntlich kein Samplerhörer, aber dieser gefällt mir wirklich gut. Wie für mich/von mir gemacht sozusagen... ;)

n.p.: hofmeistermegamix20.1 (...)

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21 September 2009

Frankreich, mon amour!

Mensch, das nimmt ja kein Ende mit den tollen Franzosenbands!

Zuerst erfahre ich, dass TeTsuo offenbar ernsthaft mit dem Gedanken spielen, nächstes Jahr mal nach Dland zu kommen, und dann treffe ich beim Upsilon Acrux-Konzert in Maastricht diese beiden niedlichen Typen von XHOHX und komme mit ihnen ins Gespräch über die von mir so verehrte Musikszene in Pau/Frankreich.
Basser/Sänger Calo ging fast vor mir auf die Knie, als ich dieses Thema aufbrachte, zerrte mich gleich zu seinem CD-Koffer und zog CDs von Kourgane, TeTsuo und Calva 'raus. Ich so: "I have it. It's awesome. Yeah, this one is great, too. Yes, I have it. Oh, and this one - I also have this one." Mit jedem "I have it" leuchteten seine Augen mehr, und ich hatte schon Angst, dass er mir gleich einen Zungenkuss verpasst.

Naja, wie dem auch sei - daraufhin zieht er eine CD von seiner Band aus dem Koffer, eine von Ghotul sowie eine von Rectus und radebricht auf Franko-Englisch: "Yu can 'ave dem all. Take dem."
Ganz der Snob, der ich nun mal bin, bedankte ich mich zwar artig, versprach mir aber nicht wirklich viel von den Platten, zumal die Cover bis auf
Ghotul wirklich kacke aussahen.



Am folgenden Tag wanderte die Ghotul dann auch als erstes in den Player...

Soso, ein 45-minütiger Track? Da habe ich jetzt aber gar keinen Bock drauf. Wieder 'raus damit und Rectus 'rein...

WTF!?! Wie geil ist das denn bitteschön!?! Ab-die-Post-Jazzcore (sie nennen es Hard-Zeuhl), dass es eine wahre Freude ist - herrlich!

In die Ghotul habe ich mittlerweile zumindest kurz 'reingehört - klingt auch hammergut, aber da brauche ich wohl etwas mehr Zeit für; außerdem will ich wieder Rectus hören!!!

Die XHOHX habe ich natürlich auch mal eingelegt. Die waren live ja schon etwas bizarr mit ihrem angedeuteten Corpsegrind und Drumcomputerbegleitung, von daher erwartete ich auf Konserve nichts, was mich umhauen würde. Die Platte ist aber ebenfalls erstaunlich gut, wenngleich der Drumcomputer auch hier irgendwie nervt, die ganze Angelegenheit aber auch irgendwie wieder sehr eigen macht.
Muss ich auch noch öfter hören, um mir wirklich ein Urteil darüber zu erlauben. Als nächstes ist auf jeden Fall ein Album mit Schlagzeuger aus Fleisch und Blut geplant - mal sehen, ob die ganze Sache dadurch nicht sogar etwas an Charme verliert...

Ist aber auch ganz egal - Rectus alleine sind schon wieder so eine unverhofft geile Entdeckung, wie sie mir in den letzten vier Jahren glücklicherweise öfter zugestoßen sind. Was das angeht, stehen in diesem Jahr auf jeden Fall die Franzosen ganz weit oben in meiner Gunst!

Merci!

n.p.: Rectus - Evghenebur N'Ebenok Nef (WHOAH!!!)

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13 August 2009

Irgendwie besonders (pt. i)

Unter dieser Überschrift möchte ich Musik vorstellen, die -naja- irgendwie besonders ist. Natürlich könnte man sagen, dass alles, was man so hört, irgendwie besonders ist (schließlich würde man es sonst ja nicht hören, sondern eher was Unbesonderes), aber das stimmt ja so nicht. Vieles ist zwar durchaus toll, aber dann doch konventionell; genau wie es ja auch Menschen gibt, die empirisch gesehen hübsch sind, und andere, die whoah! aussehen.

Bla.

OK, Prinzip sollte klar geworden sein...

Im ersten Teil dieser lustigen Reihe geht es um die Band Pattern Is Movement. Auf der einen Seite würde ich schon gerne andere Bands kennenlernen, die so ähnlich klingen, auf der anderen Seite aber auch wieder nicht, denn PIM klingen so eigen und eben besonders, dass sie ja gar nicht mehr so besonders wären, wenn es auch andere wie sie gäbe.

Äh? Ja.

So, und was ist jetzt so besonders an ihnen?
Naja, zunächst einmal sind sie äußerlich besonders, denn man vermutet irgendwo in ihrer Nähe einen Zivildienstleistenden, der die beiden etwas rundlichen und -empirisch gesehen- nicht wirklich ansehnlichen Herren mit Bart in die Werkstatt fährt, wo sie dann irgendwelche Sachen einpacken oder Holzspielzeug zusammenbauen. Wären Äußerlichkeiten wirklich wichtig, könnte ich ja Kiss hören, also lassen wir diesen Aspekt und kommen wir zur Musik, denn die ist auch mehr als besonders.

Manchmal klingen sie wie der etwas sonderliche Bruder von 10 CC, den die Herren Stewart, Gouldman, Godley und Creme war immer brav gefüttert, gewaschen, an- und ausgezogen, aber vor der Öffentlichkeit dann doch etwas versteckt haben, weil er sozial irgendwie etwas unverträglich war (siehe die Fratellis und Sloth in Goonies).

Entrückt, melancholisch, inbrünstig und autistisch sind Adjektive, mit denen man umschreiben könnte, wie ihre Stücke klingen.
Der Legende nach haben die beiden Protagonisten (die sich manchmal auch The Beauty & The Beast nennen) einmal christlichen HipHop gemacht, und tatsächlich mein man, dem Schlagzeug von Andrew Thiboldeaux die HipHop-Vergangenheit noch anhören zu kennen, denn viele Beats haben etwas Loop-artiges, aber auch viele Stücken haben diesen repetitiven Charakter, den man sonst am ehesten noch vom HipHop kennt.
Darüber spielen fast immer Keyboards verschiedenster Art (meistens E-Piano, aber auch schon mal ein Mellotron), oft hört man Streicher, und auf den ersten beiden Alben (hier waren sie noch zu fünft bzw. zu viert) gab es auch noch -ganz konventionell- Gitarre und Bass.
Kommen wir zum Gesang, der wohl die "Hauptschuld" am 10 CC-Vergleich trägt, denn ein ähnliches Falsett war auch ein Markenzeichen dieser Band. Für viele dürfte Chris Wards Gesang der Hauptknackpunkt sein, denn er ist durchaus gewöhnungsbedürftig und für manch einen sogar unerträglich. Ich bin jedoch der Meinung, dass er keinen Deut anders sein sollte, denn die Besonderheit der Band wird zu einem großen Teil durch seine mit hohem Wiedererkennungswert

gesegnete und zugegebenermaßen seltsame Stimme geprägt.

Wie dem auch sei - was ich an der Musik so mag, ist die Tatsache, dass PIM ganz eindeutig ihr eigenes Ding durchziehen. Wenn man sie sich einmal live anguckt, wird dieser Eindruck noch bestätigt - die beiden sind ganz bei sich selber und scheren sich augenscheinlich nicht wirklich darum, was andere von ihnen halten. Stattdessen lullen sie sich und jeden, der dazu bereit ist, auf wundersame Weise mit ihrer ganz besonderen Musik ein.

Es ist vermutlich falsch, bei dieser Band mit einer Liveversion anzufangen, aber zumindest bekommt man damit eine ganz gute Vorstellung, worauf man sich hier einlässt.





n.p.: s.o.

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21 Juni 2009

Halbzeitstand

So, die erste Hälfte des Jahres ist jetzt fast um. Es wird also Zeit, den Halbzeitstand in Sachen Alben des Jahres zu veröffentlichen.

Nicht so toll wie erwartet waren für mich auf jeden Fall schon mal Absztrakkt und John Frusciante. Beide habe ich schon mal besser gehört. Im Falle von Frusciante, der ja zuletzt einen ziemlichen Output hatte, ärgert mich das nicht ganz so wie bei dem deutschen Rapper, von dem ich nach dem letzten Meisterwerk Dein Zeichen wirklich mehr erwartet hatte.

Ganz ordentlich sind folgende Veröffentlichungen gewesen:

Eisenvater IV
Ich mag die alten Sachen lieber, aber schön dass sie wieder da sind...

Heaven & Hell The devil you know
Eigentlich totaler Müll, aber ich finde die Platte wirklich erstaunlich ordentlich. Es wäre falsch, wenn ich "unpeinlich" schreiben würde, aber es hätte definitiv schlimmer kommen können. Nostalgie pur und einfach gut gemacht!

Ilse Lau Abbreviation Hits
Der Abgesang der Norddeutschen ist zwar eigentlich schon älter, wurde aber erst 2009 offiziell veröffentlicht. Keine Band, die ich wirklich vermissen werde, und auch keine Platte, die bei mir einen Ehrenplatz einnimmt, aber gewohnt eigen und gut. Dankeschön.

Mastodon Crack the Skye
Habe lange überlegt, ob ich das Album wirklich hier 'reinnehmen soll, denn im Grunde höre ich es so gut wie nie, und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts mehr ändern. Dennoch muss ich zugeben, dass "Crack the Skye" nicht ganz schlecht ist. Vielleicht eine Spur zu aufgesetzt, aber okay...

Napalm Death Time waits for no Slave
Wie bei allen ND-Veröffentlichungen der letzten Jahre muss ich einfach wieder sagen, dass diese sympathische Normalo-Band immer noch solide bolzen kann. Auch diese Platte höre ich eher selten, aber wenn ich sie höre, bereitet sie mir sogar Spaß.

Upsilon Acrux Radian Futura
Eigentlich bin ich fast ein bisschen enttäuscht von dem Album, denn nach Galapagos Momentum und einem Prelistening im Bandbus von Bad Dudes hatte ich mir mehr von Radian Futura erhofft. Irgendwie wächst die Platte aber immer noch und immer wieder, und gut ist sie allemal.

Zombi Spirit Animal
Noch sowas, was ich nicht oft auflegen will, aber dieses Instrumentalalbum ist irgendwie schon ganz schön gut. Ich könnte mir sogar vorstellen, sie in ein paar Jahren auf einmal doch noch zu lieben.

Kommen wir nun zu den Kleinformaten, die Großes erwarten lassen:

SchnAAk women on ships are bad luck
Freue mich schon auf die Tour mit Dÿse im Herbst, die sie in meine unmittelbare Nachbarschaft (Sonic Ballroom) führen wird. Die EP ist schon mal klasse, auf dem bald erscheinenden Album würde ich mir jedoch ein bisschen mehr Tiefe wünschen...

Ulme The Sea in me
Nach dem letzten Einschläfer-Album rumpelt es mal wieder im Karton, und auch auf mein erstes Konzert von ihnen, das schon bald (auch "nebenan" im Sonic Ballroom) stattfinden wird, freue ich mich schon sehr lange.

Die Demos von Bros N'Cons und Party Girls, beides Projekte des ehemaligen Bad Dudes-Keyboarders Gabe Castro, sind auch noch gut, wenn auch nach unzähligen Durchläufen vielleicht einen Tick zu eindimensional. Ich wünsche mir, dass er die Sachen noch einmal aufnimmt und ein fähiger Produzent dem wirklich tollen Rohmaterial noch den entscheidenden Kick gibt. Außerdem sollte der Party Girls-Sänger sich bemühen, seinen kaputten Gesang ein bisschen variabler zu gestalten.

OK, jetzt also die tollen Alben, die 2009 bislang für mich zu bieten hatte. Im Gegensatz zum Knallerjahr 2008, als wirklich sehr viele hochklassige Sachen 'rausgekommen sind, ist die Liste bislang noch sehr kurz, aber es steht ja durchaus noch das eine oder andere potenziell großartige Album ins Haus (siehe weiter unten). Zum jetzigen Zeitpunkt stehen diese Alben oben bei mir:

Gavin Castleton Home
Ich hatte ja in einem älteren Blogeintrag gemutmaßt, dass Home mein Album des Jahres werden würde. Auch wenn ich mich diesbezüglich wohl geirrt habe, ist es dennoch schon jetzt ein Album des Jahres. Eigentlich eine Schande, dass ein solches Meisterwerk derart unbeachtet in der Versenkung verschwindet, denn es könnte m.E. sogar durchaus groß werden.

Skeletonbreath Eagle's Nest, Devil's Cave
Bis auf den Rondo Veneziano-Ausbruch gegen Ende des Albums gibt es hier für mich nichts auszusetzen. Die Steigerung zum Debüt ist deutlich, die Songs machen Spaß - was will man mehr?

TeTsuo Cousu Main
Aus dem Nichts schoss dieses Album bei mir auf Platz 1, und auch die älteren Veröffentlichungen der beiden Franzosen sind hier schwer eingeschlagen. Ich tue mich immer noch schwer, die Musik zu beschreiben, aber im verbleibenden halben Jahr werde ich hier sicherlich noch einen Versuch starten, Cousu Main etwas genauer zu beleuchten und so vielleicht noch an den Mann zu bringen...

Urlaub in Polen Liquid
Das letzte Album fand ich so lala, und die ersten Liquid-Hörproben hatten mich nicht umgehauen. Umso erstaunlicher und auch erfreulicher war es, dass Liquid zwischenzeitlich trotzdem steil an die Spitze sprang. Tolles Album einer grandiosen Band, die ich unbedingt mal wieder live sehen will!

Tja, und in dieser Woche habe ich mir bei MySpace 3x den Komplettstream von Octahedron gegönnt (ich hätte sie auch noch öfter gehört, aber nach zwei Tagen haben sie den Stream blöderweise wieder entfernt). Dass die neue Platte von The Mars Volta sehr ruhig sein soll, hatte ich vorab bereits gehört. Da ich kein Freund von ruhigen Mars Volta bin, war ich folglich skeptisch, bestellte der Vollständigkeit halber aber natürlich trotzdem das limitierte Digipack. Das lahme Geseiher auf Amputechture hatte mich seinerzeit zumindest zunächst einmal vom Hören abgehalten, und der Akustikteil beim letzten Köln-Konzert hat nicht nur mir die Stimmung verdorben. Umso erstaunter bin ich nun, dass Octahedron mir wirklich gut gefällt. Ich wage sogar zu behaupten, dass das Album in meinen Jahres-Top Ten enthalten sein wird, und derzeit halte ich noch die Füße still, hoffe aber insgeheim, dass sie sogar sehr weit oben stehen wird.

Unsicher bin ich mir auch noch in Bezug auf
avanti! von Miriodor und Ki vom Devin Townsend Project. Es könnte bei beiden Platten so sein, dass ich sie am Ende des Jahres liebe oder aber nie wieder hören möchte.

So, und erwartet werden 2009 von mir neben den genannten Longplayern von SchnAAk und Ulme sowie eventuell von Bros N'Cons und Party Girls noch ganz konkret:

Cougar Patriot (09.08.)
Höre die letzte Platte immer wieder gerne...

Howl 2 EPs tba.
Erwarte sie eigentlich täglich und erwarte auch, dass sie großartig werden.

Keelhaul tba.
Angeblich war da doch was!?

Kiss Kiss The Meek shall inherit what's left (07.07.)
Ich bin zwar durchaus skeptisch, aber ich hoffe, dass sie mich damit doch wieder packen werden...


Schaunmeralsomal...

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07 Juni 2009

A Tant Rêver Du Roi

Bin ja eigentlich nicht so der Franzosen-Gutfinder, aber dieses Label (kurz: ATRDR) kann sehr viel.
Drauf gestoßen bin ich eher zufällig. Im MySpace-Blog von Nervous Cabaret wurde auf die neue Platte der Band TeTsuo hingewiesen, auf der (übrigens neben Dawn McCarthy von Faun Fables) auch NC-Sänger Elyas Khan mitwirkt. Da ich die letzte Platte von Nervous Cabaret im Gegensatz zu den beiden Veröffentlichungen davor gar nicht mehr so doll fand, hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, hier etwas zu hören, das mir gefallen könnte. Doch weit gefehlt - aktuell ist Cousu Main mein persönlicher Favorit für die Platte des Jahres 2009! Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit noch etwas mehr zu dem Album, aber jetzt möchte ich eigentlich eher auf das Label und seine fast durch die Bank weg grandiosen Bands hinweisen.

Auf der Homepage des Labels kann man sich mal durchklicken; es gibt viele Gratis-MP3s, und die Preise für die CDs sind alle absolut okay, zumal der Versand schon mit inbegriffen ist (und übrigens sehr fix geht). Hier sind die Bands, die mir besonders gefallen haben:


Noch nicht so sicher bin ich mir im Hinblick auf Sibyl Vane - könnte sein, dass ich mir die nie anhören würde, wenn ich sie hätte; oder aber es würde plötzlich KLICK machen, und ich würde sie lieben. Bestellt habe ich sie noch nicht, aber ich bleibe dran...

n.p.: Kourgane - Heavy
(wütende Franzosen, deren Gesang so klingt wie Helge Schneider, wenn er einen auf Franzose macht)

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06 April 2009

Stimmungsmusik (pt. iii - es sommert morgens im Auto)

Nach langer Zeit mal wieder ein Blog-Eintrag, aber dass das hier nachlassen würde, hatte ich ja vorher schon geahnt. Hat unterschiedliche Gründe, aber das tut jetzt ja auch nichts zur Sache...

Zum Thema: Letzte Woche war es erstmals dieses Jahr so richtig warm und fast schon sommerlich
. Weil sich das in den Tagen zuvor schon angekündigt hatte und der Wetterbericht sich sicher war, war ich es dann auch und nahm morgens eine CD mit ins Auto, deren Inhalt bei mir persönlich für Sommer steht - n.p.: Les Claypool's Fearless Flying Frog Brigade - Live Frogs Set 2.



Bei dieser Live-Aufnahme handelt es sich um eine mehr oder minder 1:1-Aufführung des Albums Animals, das seit jeher meine Lieblingsplatte von Pink Floyd gewesen ist. Interessanterweise jedoch habe ich sie seit Live Frogs Set 2 aber nur noch ein einziges Mal gehört und habe mich dabei doch arg gelangweilt.
Unglaublich, aber wahr - die Frog Brigade-Version klingt in meinen Ohren einfach besser! Die Aufnahme klingt frischer, ist versierter gespielt, und da ich persönlich ohnehin Live-Alben sehr gerne höre, hat sie noch ein weiteres Plus zu bieten. Im direkten Vergleich klingt das Original einfach wie eingeschlafene Füße, und nicht einmal Claypools Gesang kann die Stücke kaputt machen. Im Gegenteil - dass er manchmal sehr bemüht und mtunter auch ein bisschen schief klingt, unterstreicht nur das Herzblut, das er in die Interpretation einer seiner persönlichen Lieblingsplatten steckte, die er als Jugendlicher durch den Bruder seines Kumpels kennengelernt hatte. Er beweist hier außerdem, dass er durchaus auch ein Teamplayer sein kann und sich durch seine beknackte Art und sein einzigartiges Bassspiel nicht immer in den Vordergrund spielen muss.

Was das alles mit Sommer zu tun hat?

OK, also - ich weiß nicht genau, wann es passiert ist, aber irgendwann vor ein paar Jahren hörte ich dieses Album, während ich gerade zur Arbeit vor. Es war ein ein lauer Sommermorgen (ca. halb acht), es roch durchs offene Fenster nach gemähtem Gras und Blüten, und in meinem Rückspiegel ging die Sonne auf. Irgendwie hat sich dieses Drumherum in meinem Gehirn mit der Musik verbunden, und so kommt es, dass ich diese Platte vor allem dann gerne höre, wenn die Begleitumstände ähnlich sind, d.h. es muss morgens sein, es muss sommerlich sein, es muss im Auto sein - diese Mixtur macht Live Frogs Set 2 für mich zu einem perfekten Ensemble, mit dem ein unbeschreiblich leichtes Gefühl verbunden ist. Fakt ist, dass ich diese Platte sonst kaum höre, Im Winter schon mal gar nicht, denn diese Musik ist Sommer, Morgen und Auto!

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08 Februar 2009

Spreading the disease (oder: Ohne Anthrax kein Metal?)

Ich bin ja in den 80ern aufgewachsen. Und zwar so richtig, d.h. Anfang der 80er sorgten die kommerziellen Ausleger der Neuen Deutschen Welle dafür, dass man auch als Fünft- oder Sechstklässler schon viel Musik hörte. Zwar war ich durch einen etwas älteren Freund (der einen deutlich älteren Bruder hatte) auf Stray Cats und etwas obskurere Rockabilly-Sachen gekommen, so dass ich durchaus neben dem ganzen Radio- und TV-Kram noch vergleichbar coolere Musik hörte. Die Stray Cats waren dann mit 13 auch mein erstes Konzert. Danach war ich durchaus ein zwar schon sehr musikinteressierter, aber in erster Linie durch Chartsmusik geprägter junger Gymnasiast. Die Bands der Stunde waren halt z.B. Frankie Goes To Hollywood (übrigens mein zweites Konzert, außerdem trat ich dem Fan-Club bei), Kajagoogoo, Duran Duran, Talk Talk und natürlich auch sonst alles, was beim sonntagabendlichen Pflichttermin auf SWF3 (heute SWR3) von Elmar Hörig unter das jugendliche Volk gebracht wurde. Weil ich Genesis (mit Phil Collins) gut fand, machte ich nebenbei auch noch mit den alten Genesis und sämtlichen Neben- bzw. Ausstiegsprojekten bekannt, aber vor allem war es wichtig, die Charts zu kennen, wobei es durchaus schon damals so war, dass ich nicht nur die Singles, sondern immer die ganzen Alben kennen musste, denn ich hatte spätestens bei FGTH gemerkt, dass die Nicht-Singles sogar noch besser sein konnten (Junge, Junge, das war ein wirklich heiliger Moment, als ich Welcome to the Pleasuredome vor mir liegen hatte; schließlich hatte ich bei einer Vorstellung im Radio schon mal Black Night White Light gehört und war völlig begeistert gewesen).

Wie das immer so ist, hat man vor allem Freunde, die musikalisch ähnlich gepolt sind, aber auch welche, die ganz andere Vorlieben haben. Einer aus meiner Parallelklasse war schon sehr früh metallisch angehaucht, und auch wenn ich das anfangs noch für Lärm hielt, wirkten die Musik und natürlich auch die ganze Cover-Ästhetik schon eine sehr seltsame Anziehungskraft auf mich aus. Dann gab es bei uns in der Stadt damals eine Metaller-Clique (die waren allerdings alle an der Hauptschule), die ich vor allem auf der Kirmes immer heimlich anhimmelte, wobei ich natürlich schon einen Heidenrespekt vor ihnen hatte, denn mit den langen Haaren, den engen Jeans und den Kutten sahen diese Kerle schon ziemlich übel gefährlich aus.
Der Grundstein war also auf jeden Fall bereits gelegt, aber ich verfolgte zunächst einmal vor allem mein Faible für Chartsmusik weiter, was auch deshalb wichtig war, weil ich
schon ab Klasse 7 zusammen mit einem Kumpel als Gegenpol zu den berüchtigten Obst-Feten der Oberstufe die später ebenfalls berüchtigten Mist-Feten der Mittelstufe organisierte und beschallte.
Neben den aktuellen Hits legten wir zwischendrin auch immer mal wieder vergleichbar etwas härtere Sachen auf, also Deep Purple, Whitesnake, Slade, später dann Van Halen, Bon Jovi und sowas. Den Song Black Betty von Ram Jam etablierten wir sogar als den Mist-Feten-Pogo-Höhepunkt (irgendwann haben wir davon sogar einen verlängerten Remix mit Mitsing-Gimmicks u.ä. angefertigt), und auf den Obst-Feten ein paar Jahre später war dieser Song immer noch nicht wegzudenken.
Irgendwann war dann auch der Punkt erreicht, dass wir der immer stärker werdenen Gitarrenfraktion auf diesen Feten auch mal Iron Maiden kredenzten (wir wollten es immer möglichst jedem recht machen und hatten so auch immer z.B. eine kleine Musikstrecke für die Grufties am Start). Diese Band fand ich zwar durchaus interessant, denn die Cover waren toll und der Schriftzug auf den Kutten der Stadt allgegenwärtig, aber mit dem Gesang konnte ich trotzdem eher nicht so viel anfangen. Erst mit Live After Death hörte ich ihn mir nach und nach schön, aber es war sowieso auch irgendwie im Jahr 1985, als sich bei mir einiges zu ändern begann.

Die Band Anthrax, deren Album Spreading the disease Christoph aus der Nachbarklasse anschleppte, gefiel mir irgendwie ziemlich gut. Die Musik war zwar hart, aber vom Gesang her
doch sehr melodisch, und vor allem sahen die Typen gar nicht so böse, sondern eher witzig aus (Slayer, die ich ebenfalls in diesem Jahr kennenlernte, klangen zwar irgendwie gar nicht so schlecht, aber irgendwie war mir das noch alles zu viel und zu heftig gewesen). Im selben Jahr kam besagter Christoph dann mit SOD um die Ecke. Der personelle Anthrax-Bezug war da und auch unüberhörbar, nur bretterte das hier alles noch einmal eine Ecke mehr, was ich durchaus auch nicht ganz schlecht fand.
Im Jahr darauf zement
ierte dann Among the living endgültig den Metal in meinem Herzen, wobei es neben der Musik wohl immer noch vor allem die Bermudashorts waren, die mich denken ließen, dass das alles doch gar nicht so schlimm war. Auch bei unseren Lehrern eckte man in diesem Outfit sicherlich weniger an, als wenn man mit Totenköpfen und Nieten am Gymnasium aufgetaucht wäre. Im Grunde waren Anthrax also die perfekte Band, einerseits aggressive und schnelle Musik hören zu können, andererseits aber nicht in die Drogentoten-Satanisten-Ecke gestellt zu werden. Und es war irgendwie auch cooler, anstelle von umgedrehten Kreuzen und Pentagrammen überall in der Schule "N.O.T." hinzuschmieren.
Naja, von da an ging es dann auf jeden Fall ab. Die Charts hatte ich zwar durchaus weiterhin im Blick (ich musste ja weiterhin Feten musikalisch bestreiten), aber ich saugte vor allem den harten Sound dieser Zeit auf bzw. holte Verpasstes nach, ohne dabei allerdings zum Dogmatiker zu werden (da ich auch ein paar Gruftie-Freunde hatte, bildete ich mich z.B. auch in dieser Richtung weiter).

Als jemand, der langsam in die midlife crisis eintritt, reflektiert man seine Vergangenheit ja immer öfter, und heute ist mir klar, dass es ohne Anthrax vielleicht anders gelaufen wäre. Musik ist nämlich nicht immer nur gänzlich Geschmacksache, sondern unterliegt vor allem auch einer gewissen Gewöhnung. Die meisten Leute, die z.B. Death Metal nur für undurchdringbaren Lärm halten, sind schlicht und ergreifend nicht an diese Art von Musik gewöhnt. Und wer weiß, ob ich mich wirklich an harte Musik so schnell und unverkrampft gewöhnt hätte, wären da nicht diese vergleichbar positiv und sympathisch auftretenden Jungs aus New York gewesen?

n.p.: SOD - Speak English or die
(damals hat keiner von uns geschnallt, wovon Billy Milano da eigentlich sang, aber wahrscheinlich wäre es uns auch egal gewesen)

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07 Februar 2009

Unsexy Musikvorlieben (reloaded)

So, auch wenn es peinlich ist - ich bekenne mich dazu, Nu Metal total geil zu finden! Natürlich ist mir die Limitierung dieses Genres bewusst, aber dieses typisches Stakkato-Riffing finde ich wirklich ganz groß. Gottseidank war ich nicht 16, als die erste Korn 'rauskam, denn zu der Musik hätte ich mir sicherlich einige Platzwunden zugezogen.
Und ja - Korn! Die finde ich zwar durchaus ambivalent, weil die Typen einfach echt nicht nur hässlich wie die Nacht sind/waren, sondern auch noch ziemlich albern. Vor dem Sound, den sie mitkreiert haben, knie ich aber nieder.
Der selbstbetitelten geht zwar spätestens ab der Mitte die Luft aus, doch als ich damals in Wales den Song Divine vorab auf einem Kerrang!-Kassettensampler hörte, fiel mir fast ein Ei aus der Hose (und als Sepultura mit Roots ebenfalls auf den Zug aufsprangen, wäre beinahe das andere fällig gewesen). Den Nachfolger Life is peachy fand ich bis auf den Opener doof, weil das ja irgendwie genau dasselbe war, und auch bei den Epigonen wurde schnell klar, dass Nu Metal auf Dauer nicht viel hergibt. Außerdem war ich schon Mitte 20 und fand das ganze Gehabe drumherum ziemlich kindisch.
Die nächsten Platten nahm ich daher nur noch am Rande wahr; auf MTVIVA wurde diese Art von Musik damals ja noch öfter gespielt. Ich redete mir ein, dass das Kiddiekram ist, aber insgeheim wippte mein Fuß durchaus mit, und Follow the leader und Issues ließ ich mir dann wohl auch von jemandem brennen (hörte sie aber eigentlich nie).

Irgendwann war sich auch die Musikpresse einig, dass die Band künstlerisch am Ende ist und man nicht mehr wirklich was von ihnen erwarten konnte (dabei hatten sie sich mit den letzten beiden Alben eigentlich durchaus bewegt, finde ich). Man lächelte eher über sie und wunderte sich, dass ihre Plattenfirma so an ihnen festhielt. Um sich bei der Allgemeinheit wieder interessant zu machen, inszenierte man einen Leaking-Skandal um Untouchables, und ich fiel insofern drauf herein, dass ich mir die angeblich aus Versehen ins Netz geratene unfinished version auch mal anhörte. Was soll ich sagen - ich war ziemlich begeistert, denn für mich war das wie Kajagoogoo mit verzerrten Gitarren (und dass ich Kajagoogoo gut finde, habe ich ja an anderer Stelle schon mal erwähnt).

In den Jahren danach hatte ich dann immer mal wieder eine Korn-Phase. Zuletzt erkannte ich, dass Life is peachy eigentlich doch ganz geil ist, und Follow the leader und Issues (die ich mir dann irgendwann doch mal angehört und sogar gekauft habe) sind eh total super.

Eine andere Genre-Band, die ich immer mal wieder auspacke, sind Limp Bizkit, die sicherlich ebenso albern waren/sind, aber auch den einen oder anderen überragenden Song am Start haben. Nookie z.B. finde ich immer noch unglaublich gut, und solange Fred Durst nicht zu viel rappt, sondern eher singt, macht er für mich eigentlich nicht viel falsch.

Natürlich habe ich auch eine Theorie, warum ich so Nu Metal-affin bin:
Primus habe ich bereits zu Frizzle Fry-Zeiten kennen und lieben gelernt (wobei der weitere Weg bei dieser Band für mich aber nicht geradlinig verlief; viele ihrer Platten, die ich bereits im Schrank stehen hatte, habe ich erst Jahre später wirklich entdeckt).
Man mache sich einmal die Mühe,
die Passage 1:56-3:01 aus dem Song Mr Knowitall neben Korn&Co zu halten - eigentlich die Blaupause für das Nu Metal-Geriffe, oder nicht?
Nun ist es natürlich auch kein Geheimnis mehr, wie sehr Primus z.B. Korn beeinflusst haben (schon der Opener Blind auf dem Debüt macht das ja ziemlich deutlich), und später wurden Primus ja sicherlich auch nicht ohne Grund auf die Family Values-Tour eingeladen.
Im Grunde haben mich also wohl schon Primus auf den Nu Metal-Trip gebracht.
Und das sage ich jetzt nicht, um diese Vorliebe, die viele Leute für peinlich halten, weniger peinlich zu machen; denn womöglich hätte ich das auch ohne Primus geil gefunden.

Manchmal wäre ich aber doch gerne 16, wenn sowas läuft...

n.p.: Korn - Untouchables
(totale Geilerei!)

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04 Februar 2009

It's official now - Bad Dudes sind Geschichte

Als ich noch bei last.fm war, waren Bad Dudes (übrigens nicht die Bad Dudes!) in meiner Playlist meilenweit vorne, und es ist wohl in der Tat so, dass ich in den letzten knapp dreieinhalb Jahren keine Band mehr gehört habe. Empfohlen worden waren sie mir seinerzeit von Jon Pfeffer (Capillary Action), der offenbar immer genau wusste, was ich gerne hören wollte, denn alles, was er mir damals 'rüberschob, war große Klasse. Bad Dudes waren jedoch noch etwas mehr - das selbstbetitelte Debüt schlug bei mir ein wie eine Bombe, und die Platte hat auch nach unendlich vielen Durchläufen immer noch nichts von ihrer Großartigkeit verloren.
Bis 2008 gab es dann nichts, was ich sehnlicher erwartete als den zweiten Streich dieser Kapelle. Zwischendrin gab es mal eine 7", aber die beiden wieder sehr gelungenen Stücke darauf (darunter eine Coverversion von The Kinks) machten das Warten ebenso wie die immer mal wieder bei YouTube auftauchenden Livevideos mit neuen Stücken nur noch unerträglicher.
Und dann kam endlich der Titelsong des neuen Albums Eat drugs mit dem Video, in der nicht die Band selber, wohl aber Leute auftauchten, von denen sie musikalisch beeinflusst waren:



Weil die Leute beim Label Retard Disco sehr fit waren, hatte ich das neue Album dann sogar einen Tag vor der offiziellen VÖ im Briefkasten. Schnell war klar, dass sie das Debüt nicht hatten toppen können, aber gelungen konnte man den Nachfolger durchaus trotzdem nennen. Die Produktion war im Vergleich schwachbrüstiger, wobei mir der trockenere Sound durchaus zusagte. Besonders die Stücke mit Gesang offenbarten aber eine gewisse Unsicherheit, denn die Stimme war nahezu bis zur Unkenntlichkeit mit Effekten zugeknallt worden, was die eigentlich guten Melodien leider etwas zukleisterte. Die Songs selber wirkten manchmal etwas uneinheitlich. Verglichen mit dem ersten Album klang Eat drugs merkwürdigerweise irgendwie mehr wie ein Debüt, so als ob die Band ein bisschen Angst vor der eigenen Courage hatte.
Wie gesagt - trotzdem war es eine sehr gute Platte mit einigen neuen Facetten, aber der Drive von früher fehlte, was aber sicherlich auch
mit daran lag, dass der Überraschungseffekt nicht mehr da war. 2005 war diese Musik für mich schließlich unverhofft vom Himmel gefallen, während ich jetzt ja schon wusste, was da auf mich zukam.

Nahezu zeitgleich erschien jedoch eine Platte, die einen Erklärungsansatz dafür liefern könnte, warum Eat drugs nicht so wie aus einem Guss klang. Gitarrist und Gründungsmitglied Brady Miller, der zusammen mit dem anderen Gitarristen Dan Gerchik bereits bei Miracle Chosuke gespielt hatte, war nach der Hälfte der Aufnahmen ausgestiegen und hatte mit Howl seine eigene Band aufgemacht. Auch der Schlagzeuger Benn und der Keyboarder Phil verließen die Band, so dass die zweite Hälfte von Eat Drugs mit neuem Personal eingespielt wurde. Offenbar war das der Anfang vom Ende, denn nach VÖ musste man Schlagzeuger Jesse (Ex-Upsilon Acrux) und Aushilfgitarristen Jesse (von Osma) wiederum durch zwei neue Gesichter ersetzen.

Und dann das Undenkbare - ohne Deal (bzw. nur mit einem popligen Vinyl-Deal bei dem Minilabel Deleted Art) kamen sie nach Europa auf Tour! Ich fragte mich zwar, wen das außer mir interessierte, aber mir selber war das im Grunde egal, denn es war klar, dass ich da hinfahren musste, wo immer sie auch spielen mochten. Nachdem ich mich zunächst damit abgefunden hatte, sie erst bei ihrem vorletzten Gig in Trier sehen zu können (wo ich im Auto auf dem Parkplatz zu nächtigen beabsichtigte), ergab es sich durch eine glückliche Fügung des Schicksals, dass ich bereits einen Monat früher in Leipzig ein Konzert von ihnen besuchen konnte.



Nachdem ich bereits in Leipzig gemerkt hatte, dass die fünf nicht unbedingt die engsten Freunde waren, war die Stimmung in Trier nahe dem Nullpunkt. Die Band war in (mindestens) zwei Lager gespalten - auf der einen Seite ganz alleine Bassist Daniel, auf der anderen Gitarrist Dan, während Keyboarder Gabe, Schlagzeuger Chris (jetzt bei Upsilon Acrux) und Gitarrist Mike vor allem versuchten, sich aus dem clash of Platzhirsche 'rauszuhalten.
Im Gespräch mit thinking man Dan, der sehr daran interessiert war, was meiner
Meinung nach "schlechter" an Eat Drugs im Vergleich zum Debüt war, erfuhr ich, dass letztendlich die ganzen Besetzungswechsel schuld daran wären, dass die Band nun am Ende war. Gabe, Chris und Mike wären zwar absolut gute Leute, aber es sei vom Gefühl her einfach nicht mehr dasselbe wie früher, und besonders Daniel und er würden irgendwie nicht mehr zusammenkommen. Es täte ihm leid für die drei anderen, aber für ihn wäre es ziemlich klar, dass man sich nach der Rückkehr auflösen würde.
Tatsächlich war vor allem Mike, der erst seit ein paar Monaten mit dabei gewesen war, ein bisschen geknickt, während Chris sich vor allem auf seine Zeit mit Upsilon Acrux freute, deren im Mai erscheinendes Album er mir im Laufe der Nacht noch vorspielte. Obwohl es anscheinend noch nicht ausgesprochen war, wussten auch die beiden, dass es Bad Dudes nach dem nächsten Konzert wohl eher nicht mehr geben würde (Keyboarder Gabe, der noch am längsten mit dabei gewesen war, wusste es sicherlich auch, aber er hielt sich an dem Abend vollkommen 'raus und guckte sich stattdessen die Gothic Party im Keller vom Ex-Haus an).

Naja, seit gestern ist es nun also offiziell, dass es nie wieder ein Bad Dudes-Album geben wird. Klar macht mich das traurig, aber sie hinterlassen neben einem absoluten Bombenalbum noch ein zweites sehr gutes sowie zwei Singles, von denen besonders die letzte (anlässlich der Europa-Tour) absolut famos ist. Auf meiner Festplatte habe ich zudem noch ein paar Livevideos, und im Kopf/Herzen bleiben die beiden Konzerte und der etwas schwermütige, aber dennoch sehr nette Abend in Trier zurück.

Zum Glück machen sie aber ja wohl auch weiterhin noch Musik:
Gabes neue Band Party Girls scheint ebenfalls ein Knaller zu sein, wenn sie das halten können, was sie mit den ersten drei Songs auf ihrer MySpace-Seite versprechen.
Die erste Howl-Platte ist in der Tat eigentlich besser als Eat Drugs, weil sie eben runder ist, aber ich fand bei Erstellung meiner Jahrescharts aus gegebenem Anlass, dass sie nicht vor Eat Drugs stehen durfte. Demnächst kommt das zweite Album, und ich bin mir ziemlich sicher, dass dabei wieder was 'rumkommen wird, was mir sehr gefallen wird, denn ich teile die Meinung der anderen Bad Dudes, dass Brady ein unglaublich talentierter Musiker ist.
Die neue Upsilon Acrux wird -das weiß ich je bereits- ebenfalls wieder super, und ich hoffe, dass sie ihren Plan, 2009 nach Deutschland zu kommen, auch umsetzen werden.
Und Dan? Er ist zwar kein Prog-Fan (das ist eigentlich eine irgendwie witzige Anekdote am Rande, wenn man sich Bad Dudes, aber auch schon Miracle Chosuke anhört), aber vielleicht wird sein nächstes Projekt gerade aus diesem Grund besonders interessant werden.

In diesem Sinne: Thank you for the music, Bad Dudes!

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01 Februar 2009

Bands, die mal gut waren (pt. i)

Metallica. Waren. Schon. Immer. Doof.
OK, manche Sachen waren gut. Trotzdem.

Bahnbrechend gut waren aber mal Red Hot Chili Peppers.
Unser Schlagzeuger, der rund vier Jahre älter als wir anderen war, fand die schon immer gut und kam dann 1987 mit Uplift Mofo Party Plan und leuchtenden Augen in den Proberaum. Ein paar Monate später saß ich mit zwei seiner Klassenkameraden in seinem Auto in Richtung Düsseldorf, wo wir uns die Band live angucken wollten (auf dem Rückweg hat er das Auto zerlegt, aber zum Glück erst, nachdem er uns zuhause abgesetzt hatte).
Mann, was fand ich die super - mit 17/18 Jahren gab es damals kaum eine andere Band, mit der man sich besser als weirdo profilieren konnte! Da stimmte einfach alles, und besonders das nachgeholte zweite Album Freaky Styley hatte es mir angetan. Als Mother's Milk 'rausgekommen und für gut befunden war, ließ ich mir das Cover im Copyshop hinten groß auf meine Jeansjacke bügeln, und über die Sweet Child O'Mine-Stelle am Ende von Punk Rock Classic habe ich immer wieder herzlich gelacht. Den neuen Gitarristen fand ich auch ziemlich großartig, was sich noch steigerte, nachdem ich mir das Live-Video zugelegt hatte.
Dann kam irgendwann Blood Sugar Sex Magik - wow, was für ein Album!!! Irgendwie anders als die Sachen vorher, erdiger, ernsthafter und dann auch noch von Rick Rubin produziert, dessen Output ich damals wohl nahezu komplett im Schrank stehen hatte. Ich verschlang die Funky Monks-DVD, kaufte mir die Maxis mit den Bonustracks und war mir sicher, dass diese Platte der Hammer war.

Enter: Hype.


MTVIVA
nudelten die Songs kaputt, alle Welt fand Under the bridge toll und tanzte ausgelassen zu Give it away. Ich kaufte mir geradezu widerwillig eine Karte für das Konzert in der Philipshalle, freute mich aber viel mehr auf die Rollins Band, die als Vorgruppe angekündigt waren. Sie spielten nicht, stattdessen traten die noch unbekannten Fugees auf (zumindest habe ich heute irgendwie im Kopf, dass sie es waren), was ich schon mal ziemlich zum Kotzen fand. Das Publikum bestand fast nur aus fünfzehnjährigen Kiddies, und ich erwartete ein totales Scheißkonzert.
Mit dem Gitarristen meiner damaligen Band wettete ich um einen Kasten Bier, dass sie vom ersten Album mit Sicherheit gar nichts spielen würden. Tatsächlich begannen sie das Konzert mit zwei Stücken vom ersten Album, und auch sonst nahmen sie nur wenig Rücksicht auf die Erwartungshaltungen vor der Bühne. Die jüngsten Hits wurden allesamt eher lustlos 'runtergeschraddelt, und als der Drummer nach nicht einmal 90 Minuten Spielzeit sein komplettes Kit vom Podest kippte und somit klar war, dass es keine Zugabe geben würde, jubelte ich aus vollem Hals über diese Frechheit.
Ich fand das super!
Im Nachhinein ist das natürlich eine ziemlich alberne Einstellung gewesen, aber für mich hatten die Wellenreiter das damals einfach verdient, schließlich hatten sie mir (m)eine Lieblingsband "entwendet" (es war ja geradezu peinlich geworden, sich als Fan von ihnen zu outen), und die Band selber hatte ja schließlich sehr explizit klargemacht, wem sie die Treue halten wollte. Den Kasten Bier für unse
ren Gitarristen zahlte ich sehr gerne, aber Blood Sugar Sex Magik hörte ich immer seltener, und auch die alten Alben blieben öfter im Regal stehen.
Die One Hot Minute interessierte mich dennoch sehr, denn den neuen Gitarristen konnte ich gut leiden (außerdem fand ich seinen Bart gut und trimmte meinen eine Zeitlang ebenso). Der Hype ging aber leider weiter, und auch wenn ich die One Hot Minute heute immer noch gut finde, waren da schon ein paar ganz schön nervige Sachen drauf (Aeroplanes z.B.).

Dass
Frusciante, dessen erstes Soloalbum mich unglaublich umgehauen hatte, irgendwann zur Band zurückkehrte, hat mich vor allem insofern gefreut, dass er auf diese Weise aus dem Dreck 'rauskam und nicht elend in irgendeiner verlausten Hütte verrecken musste, aber verstanden habe ich es seinerzeit nicht, denn er war ja schließlich irgendwie aus dem gleichen Grund ausgestiegen wie ich.
Natürlich hörte ich mir auch Californication an und war ein bisschen geschockt. Nicht nur der Sound der Platte (das Mastering ist irgendwie völlig in die Hose gegangen - ich war mir damals sicher, dass meine Hochtöner im Sack sind), sondern auch die Songs fand ich furchtbar. Ähnlich wie bei James Hetfield war auch Kiedis' Wandlung zum Sänger eher abtörnend; damals in Düsseldorf hatte ich es für einen Witz gehalten, dass er bei Under the bridge so schief sang, aber das schien ja jetzt der Standard zu sein.

Naja, um es kurz zu machen: ich hörte einfach auf, Red Hot Chili Peppers zu hören und nahm von den nachfolgenden Alben nur noch die Singles wahr. Die meisten waren schlimm, lediglich Dani California fand ich irgendwie noch ganz gut, was aber vor allem an der Gitarrenarbeit lag. Ansonsten huldigte ich John Frusciantes Soloausflügen und gönne ihm diesen Ausgleich auch jetzt noch von Herzen.

Heute stellt die Band für mich irgendwie ein Problem dar, denn diese ganze Wandlung hat tatsächlich dazu geführt, dass ich selbst die alten Alben eigentlich gar nicht mehr hören will und dies auch schon eine ganze
Weile nicht mehr getan habe. Im
Früher waren die noch gut-Eintrag habe ich mich zu dieser Problematik ja bereits umfassend geäußert, aber besonders im Fall Red Hot Chili Peppers finde ich diese Entwicklung irgendwie doch jammerschade, denn sie waren in einer sehr wichtigen und hormongetränkten Phase meines Lebens allgegenwärtig und wichtig. Und da ich ja irgendwen dafür verantwortlich machen will/muss, nehme ich als Sündenbock einfach mal Anthony Kiedis, denn seine Vokalakrobatik kann ich irgendwie nicht mehr hören, auch nicht bei den alten Sachen (vielleicht spielt dabei auch mit 'rein, dass ich mal selber versucht habe, so zu klingen wie er, und mir das heute saupeinlich ist).

Schade, aber damals waren sie super!

n.p.: John Frusciante - Niandra LaDes
(eine der besten Platten der Welt)

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26 Januar 2009

Eloge auf Danzig

Was hat man über Glenn Danzig schon Häme ausgegossen! Kübelweise gab es sie nicht zuletzt dank YouTube, nachdem ihm ein Mitglied seiner Vorband auf die Fresse gehauen hatte oder als er mal von der Bühne gefallen war. Womöglich hatte er das sogar verdient, denn dass der Typ einen Hau weg hat, wusste ich spätestens, nachdem ich mir seinerzeit das Homevideo zugelegt und angeguckt hatte. Darauf ist dieser abgebrochene Meter zu sehen, wie er vor dem Konzert ewig an seinen komischen Lederhandschuhen hantiert, und wenn er dann mit nacktem Oberkörper vor seinem Bücherschrank über die Bibel sinniert, dann fragt man sich wirklich, ob er sich überhaupt selber ernst nehmen kann.
Was man bei all dem aber gerne vergisst, ist die für für mich unumstößliche Tatsache, dass er einmal eine der perfektesten Bands, die es jemals gegeben hat, am Start hatte. Zusammen mit Eerie Von, John Christ und Chuck Biscuits schnürte er von 1988-1994 ein Gesamtpaket, an dem ich auch mehr als eine Dekade später eigentlich nicht wirklich was auszusetzen habe (fack - das Debüt wird ja dieses Jahr schon 20, uff!!!).

Fangen wir mal mit den Äußerlichkeiten an:
Die vier Herren an sich waren im Grunde genommen schon wie gemalt - in der Mitte der muskulöse evil Giftzwerg, an den Saiteninstrumenten rechts und links zwei blasse dunkelhaarige Schlakse, die nicht nur wegen ihres Bart-Styles als gruselige Brüder durchgehen konnten, und auf dem Drumriser über ihnen dann ein blonder Jüngling, der halbstehend mit abgesägten Besenstielen auf sein Kit einprügelte. Ich habe sie damals live gesehen, und man hätte sie nicht besser zusammencasten können. Volle Punktzahl!
Das Artwork des ersten Albums passte ebenfalls wie Arsch auf Eimer - der von Samhain mitgenommene (aber ursprünglich aus einem Comic stammende) weiße Fantasie-Totenschädel auf tiefschwarzem Hintergrund war so ausdrucksvoll und simpel wie der musikalische Inhalt des Albums selber, und sich einen anderen Schriftzug (den Schrifttyp hatte man ebenfalls schon mal bei Samhain gesehen) vorzustellen, geht irgendwie auch nicht.
Überhaupt der Name - Danzig an sich ist schon so super, vor allem wenn man sich -wie ich- immer schon geweigert hat, /dännsik/ zu sagen, und ihn stattdessen immer deutsch, also /danntsik/, ausgesprochen hat, weil das irgendwie archaischer und damit passender klingt.
Das Artwork von II - Lucifuge erschien von außen relativ schlicht (das Coverfoto ist übrigens ein rip off vom The Doors-Debüt), doch beim Ausklappen des Booklets entfaltete sich ein umgedrehtes Kreuz, bei dessen Anblick ich mich sogleich auf die Knie werfen wollte. Zwar Klischee hoch zehn, aber trotzdem bzw. gerade deswegen soooo geil!
HR Giger bei III - How the Gods kill war zwar gähn, weil das schon so viele gemacht hatten, aber man wusste ja mittlerweile, mit wem man es zu tun hatte. Passte also auch wieder, zumal man sich jetzt tatsächlich endgültig sicher sein konnte, es im Grunde mit einer Karikatur zu tun zu haben.
Das mystische Artwork von 4 war von daher zwar wieder irgendwie ein Schritt zurück, aber wenn man sich all die Platten danach anguckt (der Gipfel war das wie ein Comic gestaltete The lost tracks-Boxset), dann hat man das Gefühl, dass der gute Mann sich doch irgendwann damit abgefunden hat, vor allem als Spinner angesehen zu werden.

So weit, so gut, denn Musik ist auf den Platten 1-4 ja auch noch drauf. Im Grunde ließ bereits das Bandfoto im Innern des Debütalbums keinen Zweifel übrig, wie die Musik wohl klingen würde, denn der Biker-Lederjacken-Look, die üblen Fressen und dieser fettelnde Elvis-Typ fassen den Sound von Danzig wohl durchaus gar nicht mal schlecht zusammen.
Wie schon erwähnt - die Songs
sind eher simpel gehalten, aber die Riffs sind dennoch wie in Stein gemeißelte Meisterwerke rotzrockender Gitarrenkunst (auch die Soli sind durch die Bank weg spitzenmäßig), und so singen und jaulen (!) darf auch nur der Glenn. Diese eigenständige Mischung aus Black Sabbath, AC/DC, The Doors, Elvis Presley, Roy Orbison und The Cult wird zusammengehalten von einem immer absolut songdienlichen Bass und einem kraftvollen und gänzlich unfiligranen Drumming, das die Hardcore-Vergangenheit des Drummers nie ganz verleugnen kann.
Ich habe in den letzten Tagen mal wieder alle vier Platten dieser Besetzung gehört und finde selbst so einen albernen Schmachtfetzen wie Blood and tears (von II - Lucifuge) so großartig, dass es mir unmöglich erscheint, eine Best of zu erstellen, die auf nur eine CD passt. Tatsächlich habe ich mal eine DoCD-Version gemacht, aber diese vier Alben bilden im Grunde das unantastbare Gesamtwerk dieser Danzig-Besetzung.
Wobei aber freilich nicht alle vier Alben gleichwertig sind:


1988: Danzig
Als ich diese Platte erstmals hörte, machte mich nicht nur die Musik an, sondern ich war vor allem von dem furztrockenen, fast schon demomäßigen Sound angetan. Die Songs waren böse, Mother (schon damals) ein verdammter Hit und überhaupt alles total super. 12/12 Punkte

1990: Danzig II – Lucifuge
Im direkten Vergleich erschien mir der Sound hier zu bombastisch, das war mir irgendwie vor allem anfangs ein bisschen zu viel des Guten. Stilistisch packten sie aber noch einen drauf, so dass ich nur wenig Abzüge habe, obwohl ich komischerweise immer erst mal denke, dass das die "schlechteste" aus bzw. von dem Quartett ist. 11/12 Punkte

1992: Danzig III – How The Gods Kill
Glenn Danzig leitete die Aufnahmen, während Rick Rubin ganz offiziell nur den executive producer machte, und das hört man auch, denn die Platte klingt irgendwie komisch (in der Stille am Ende von Left Hand Black kann man sogar noch Sachen hören, die offenbar vorher auf dem Band waren oder so), aber der unterkühlte Sound passt dann doch sehr gut, was im Grunde schon direkt beim Opener deutlich wird. Das Songmaterial ist leider etwas unausgewogen - es sind absolute Knaller dabei, aber auch die eine oder andere entbehrliche Nummer. 10,5/12 Punkte

1994: Danzig 4p
Wie warm klingt dieses Album nach III eigentlich? Ach so, der Meister hatte es offenbar eingesehen und Rubin wieder mehr machen lassen. Die Songs präsentieren eine Band, die irgendwie erwachsen geworden zu sein scheint, und daran können auch Glenns bescheuerte Soloeinschübe Sadistikal und Invocation (Track 66, hui!) nur minimal etwas ändern (ich lasse sie bei der Bewertung einfach außen vor, weil sie für mich nix mit der Band zu tun haben). Vom Songmaterial manchmal sogar besser als das Debüt, aber... 11,5/12 Punkte

Gesamtnote nicht nur wegen der angesprochenden Äußerlichkeiten definitiv trotzdem 12/12, denn das Hörgefühl gleicht die Abzüge bei den einzelnen Alben so oder so wieder aus. Was mich nämlich auch heute noch immer wieder umhaut, ist die Energie, die die Songs dieser Danzig-Ära freisetzen. Ich muss sofort meinen Kopf schütteln, kopfüber die Pommesgabel schwenken und dazu den "Silvio-Dante-Mundwinkel" machen.

So ca. in der ersten Hälfte der Neunziger unterhielten ein Kumpel und ich mit Luftschlagzeug zu Twist of Cain alle Anwesenden in einer schon lange nicht mehr existenten Metal-Kneipe in der Kyffhäuser Straße in Köln. Bei einem "Beckenschlag" ging ein mit einigen Kölsch-Gläsern bestücktes Tablett fliegen, aber statt Ärger -die Bedienung und einige Umstehende müssen klitschnass gewesen sein- bekamen wir standing ovations und sogar noch einen ausgegeben.
Naja, worauf ich hinaus wollte - die Musik setzt Aggressionen frei, aber vielleicht weil man weiß, dass das alles doch gar nicht so böse ist, gehen diese Aggressionen immer einher mit einer dicken Portion guter Laune.
Perfekte Band mit perfekter Musik - Danzig rule!!!

n.p.: Danzig
(nuff said)

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23 Januar 2009

Früher waren die noch gut

Wenn man viel Musik hört, ergibt es sich manchmal, dass man einen Interpreten sozusagen "entdeckt". Früher musste man für sowas schon irgendwie ein ziemlicher Checker sein und die richtigen Leute oder Magazine kennen; im Internetzeitalter könnte man, wenn man es darauf anlegt, womöglich jede Woche einen neuen Geheimtipp 'raushauen.
Mit einem gewissen Stolz verbreitet man in solchen Fällen die frohe Kunde im Bekanntenkreis und drängt die Musik jedem auf,
dem man sie "zutraut". In vielen Fällen bleibt die neue Errungenschaft auch weiterhin relativ unbekannt; in manchen Fällen allerdings kann man ihr über die nächsten Monate und Jahre beim Wachsen zugucken; manchmal wird sie sogar so groß, dass sie auf einmal die KölnArena ausverkauft oder sich auch ein Coldplay-Hörer das neue Album in seinen CD-Ständer stellt.
Anfangs empfindet man dabei noch das positive Gefühl der Selbstbestätigung und weist auch gerne immer wieder darauf hin, dass man es ja immer schon gewusst habe. In vielen Fällen triggert ein solcher Verlauf aber irgendwann die Entstehung einer Antihaltung. Man fühlt sich von der medialen Präsenz übersättigt, findet die neuen Songs doof, empfindet Fremdscham, wenn man erfährt, wer den Interpreten auf einmal goutiert, und findet manchmal sogar bei den alten Sachen auf einmal ein paar Haare in der Suppe.
Irgendwie schon verständlich, denn wenn man z.B. eine Freundin hat, die eine absolute Granate ist, die jeder whoah findet und mit der man sich gerne sehen lässt, fände man es wohl auch eher nicht so gut, wenn sie auf einmal mit jedem in die Kiste springen würde.
Der Vergleich mag übertrieben sein, aber mal Hand aufs Herz - wer die Problematik (also nicht die
mit der Freundin jetzt) kennt, hat sich doch nicht ausschließlich gefreut, wenn die Welt plötzlich erkannt hatte, wie gut diese Musik ist!?!

Wenn man nicht ganz unfair sein möchte, sollte man aber schon mal darüber nachdenken, ob dieser Reflex immer so angebracht ist. Ich meine, was ändert es denn an der Musik bzw. dem, was einen selber zu diesem Interpreten geführt hat? Warum soll etwas, das mal total super war, auf einmal kaum noch zu ertragen sein? Kann man es seiner Entdeckung nicht einfach gönnen? Schließlich hat man sie ja selber nicht geheimgehalten und wollte, dass mehr Leute sie anhören!
Natürlich muss man bei der Antwort differenzieren.

Manchmal liegt der Grund darin, dass man dem Interpreten und seiner Musik ganz einfach entwachsen ist. Damit muss man sich einfach abfinden, und das geht auch meistens. Man findet die Stagnation des Interpreten im schlimmsten Fall ein bisschen armselig, aber immerhin sind ja die alten Platten noch da, und man weiß noch, wie es damals war, als man dazu ausgerastet ist. Sich daran heute zu erfreuen, entfacht höchstens ein bisschen Wehmut. Vielleicht hört man sie aber auch automatisch nicht mehr, weil man eben heutzutage ganz einfach nicht mehr so darauf abfährt bzw. sich die Gelegenheiten gar nicht mehr ergeben.

Manchmal muss man vielleicht auch einfach akzeptieren, dass nicht jeder sich so weiterentwickelt, wie man das selber gerne gesehen hätte. Sowas passiert ja im Bekanntenkreis schließlich auch - Leute ziehen um, ergreifen völlig andere Berufe als man selber, geraten in andere Kreise, durch die sie zwangsläufig selber auch anders werden. Wenn man also sozusagen "der Verlassene" ist, findet man das zwar eventuell jammerschade, aber das ist eben der Lauf der Dinge. In so einem Fall die alten Platten zu hören, kann mitunter schwierig werden. Wenn man es schafft, die Phasen für sich selbst ganz klar in Früher und Danach einzuteilen, können sie aber durchaus auch weiterhin Spaß bereiten.

Wenn allerdings klar ist, dass der Interpret vor allem plötzlich Dollarzeichen in den Augen hat und deshalb gewisse Änderungen vornahm, kann man ihn natürlich guten Gewissens ätzend finden und muss sich nicht mal mehr die alten Platten anhören, weil man sich in einem solchen Fall vielleicht sogar zurecht betrogen sehen darf. Ich denke schon, dass es möglich ist, dass Musik, die man mal großartig gefunden hat, in so einem Fall auf einmal nicht mehr ehrlich für einen klingen kann. Vielleicht ist es einem auch peinlich, dass man darauf 'reingefallen ist.

Selbstverständlich gibt es auch Mischformen dieser drei Kategorien, besonders bei den letzten beiden. Manchmal kann man sich eben nicht ganz sicher sein, ob es sich um eine normale Weiterentwicklung handelt, die man selber einfach nicht so gut findet, oder ob nicht doch die Tatsache, dass der Interpret jetzt mit Models und Hollywood-Größen auf Glamour-Partys abhängen kann und die größten Stadien ausverkauft, der Änderungsfaktor gewesen ist. Hier muss jeder selber für sich entscheiden, ob er akzeptiert, dass auch das einfach nur eine Weiterentwicklung sein kann.

Einfach nur zu sagen, dass jemand früher noch gut war und dementsprechend heute nicht mehr, wäre mir früher öfter passiert. Mittlerweile setzt da wohl so eine Art Altersweisheit ein, die mir sagt, dass ich mich selber nicht so wichtig nehmen sollte.
Ich will hier aber auch niemandem vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, aber ich frage mich halt selber schon selber seit einer geraumen Weile, ob ich wirklich nie wieder Red Hot Chili Peppers hören kann, ohne die Nase zu rümpfen.
Bei
NIN habe ich für mich akzeptiert, dass ich dafür mittlerweile wohl zu alt bin. Ich interessiere mich
einfach nicht mehr für sie und finde das auch gar nicht so schlimm. Ab und an ist das noch mal ganz okay, manchmal rutscht mir sogar noch ein whoah 'raus, aber diese Zeit scheint einfach nur vorbei zu sein (heimlich geht natürlich immer noch).

Ganz schlimm finde ich es übrigens, wenn die schon angesprochene mediale Überpräsenz es schafft, selbst die alten Kracher kaputtzumachen. Wenn man auf einmal den Sänger, den man mal angebetet und vielleicht sogar in eigenen Bands imitiert hat, nur noch furchtbar findet; wenn das Gitarrenspiel, das einen selber mal fast dazu gebracht hat, nie wieder eine Gitarre in die Hand nehmen zu wollen, mittlerweile nur noch langweilt; wenn man die Refrains von Liedern, die man selber früher mitgegröhlt hat, nicht mehr hören kann - sich in diesen Fällen von dem Gedanken zu verabschieden, dass der Interpret und seine Musik jemals gut gewesen sind, ist schon ganz schön hart.

Vielleicht kann man also wirklich erst mit Fug und Recht sagen, dass ein Album oder ein Interpret unkaputtbar sind, wenn man es geschafft hat, eine Dauerbeschallung der perversesten Art hinter sich zu bringen. Mich würde mal interessieren, wie viele Lieblinge da am Ende noch übrigbleiben würden...

n.p.: Crimson Jazz Trio - King Crimson Songbook
(kann auch die Originale immer noch gut hören, hatte aber gerade Bock auf Jazz)


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21 Januar 2009

Was hörst Du denn so?

Wie ich diese Frage hasse! Und sie kommt öfter, als man meinen sollte. Ich meine, wie zur Hölle soll man denn bitteschön auf sowas antworten?!? Immerhin blicke ich ja bald auf drei Jahrzehnte (aktiven) Musikkonsum zurück, habe in dieser Zeit den einen oder anderen Tonträger gekauft, bin bei mehr als 2-3 Konzerten gewesen, habe unzählige Interpreten und sehr viele Musikstile für mich entdeckt bzw. mich auf Empfehlungen eingelassen, manches habe ich auch wieder verworfen bzw. aus den Augen/Ohren verloren (bin aber eigentlich der meisten Musik treu geblieben) usw. Alleine in den Jahren nach meiner neue-Musik-Verweigerungsphase habe ich Musik kennengelernt, für die ich möglicherweise sogar einen Finger hergeben würde, wenn man mich in der richtigen Stimmung antrifft.

Wie soll die Antwort also lauten? Woran macht man fest, was für Musik man "so" hört?

Selbst wenn ich mir angucke, von welchen Interpreten ich die meisten Tonträger habe, komme ich in dieser Frage nicht weiter. Natürlich ist das ein Ansatz, den ich manchmal aus der Not geboren wähle, aber ist es fair den Interpreten gegenüber, die ganz einfach nicht so viele Veröffentlichungen vorweisen können, aber bei mir dennoch einen vielleicht ebenso hohen Stellenwert genießen? Und wird es dem, was ich "so" höre, auch wirklich gerecht?
Selbst wenn ich feststelle, dass meistens Gitarren dabei sind, kann ich ja auch schlecht "Gitarrenmusik" sagen, denn wie bescheuert klingt das denn bitte!?! "Jo, ich höre so Gitarrenmusik, nech..." - ja, ist klar...

Meistens verweigere ich mich bei dieser Frage irgendwann völlig, weil sie mich einfach hilflos und hektisch nach einer griffigen Antwort suchend zurücklässt. Frage mich echt, was jemand, der so eine blöde Frage stellt, eigentlich hören will!?

Ganz schlimm wird es übrigens, wenn ich mit den Vorlieben des Fragenden gar nichts anfangen kann bzw. sie sogar verachte, denn schnell verachte ich dann auch den Fragenden und bin der Meinung, dass ich genausogut meine Autoreifen aufschlitzen könnte, anstatt ihm eine ernsthafte Antwort zu geben. In diesen Fällen bietet sich natürlich ein überhebliches "Kennst Du eh nicht" an, aber das finde selbst ich zu albern.
Auch eine Antwort à la "so querbeet" macht mich würgen, denn was ist das denn bitteschön für eine Aussage!?! Ich meine, selbst wenn sie vielleicht vom Ansatz her stimmt, ist "so querbeet" doch eine absolute Zumutung; da könnte ich ja gleich "och, alles eigentlich" sagen!

Wie gesagt - ich bin ja der, dem man gerne vorwirft, beim Thema Musik etwas verkopft zu sein. Wenn ich mir angucke, was für einen Stress diese Frage bei mir auslöst, dann mag da was dran sein...

n.p.: Party Girls - Get raped
(zumindest schon mal
die drei derzeitigen MySpace-Songs in Endlosschleife; bin gespannt, was aus dem Bad Dudes-Umfeld in Zukunft noch so kommen wird, denn bislang finde ich alles ziemlich töfte)

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19 Januar 2009

Stimmungsmusik (pt. ii - Wetter grau)

Dass ich ein eher leidenschaftsloser Typ bin, kann man z.B. daran sehen, wie leicht(fertig) ich mich von irgendwelchen Sachen trennen kann. Als ich das letzte Mal mit meinen Eltern umgezogen bin (ich war 19, stand also kurz vor dem Abi bzw. meinem finalen Auszug aus dem Elternhaus), habe ich tonnenweise Sachen weggeschmissen, die ich heute schon ganz gerne noch hätte, z.B. selbstgeschriebene Geschichten und Gedichte sowie Bilder in rauen Mengen. Wollte mal hart sein und hielt es damals einfach nur für Ballast. Im Laufe der Jahre ist das noch ein bisschen schlimmer geworden, denn ich sah, dass bei jedem Umzug am Ende immer ein Karton übrigblieb, der dann fortan irgendwo im Keller vor sich hingammelte. Letztens brachte mein Vater mir einen von diesen Kartons mit, die damals nach meinem Auszug zurückgeblieben waren. Ich war aufgeregt beim Auspacken, stellte aber letztendlich fest, dass ich ca. 9/10 davon sofort wieder wegschmeißen konnte (was ich dann auch tat).

Naja, worauf ich hinauswill (schließlich ist das ja hier irgendwie doch sowas wie ein Musik-Blog, oder nicht!?) - bei Platten bin ich irgendwann auch mal rigoros geworden und habe viele Sachen, die ich gar nicht höre und eigentlich auch nie wieder hören will, bei eBay oder amazon marketplace 'reingestellt. Immer wieder führe ich hier Inventuren durch und lege dabei jedes Mal CDs auf den "Verkaufstapel". Bislang habe ich auch immer richtig aussortiert, denn vermisst habe ich nie was davon.

Mit einer Ausnahme: das Album Succour der Gruppe Seefeel habe ich vor Jahren einmal aussortiert, nachdem ich gesehen hatte, für wie viel Geld es bei marketplace angeboten wurde. Ich erzielte dann auch einen relativ ordentlichen Preis dafür, war zunächst einmal zufrieden und vermisste auch nichts. Schließlich war Succour für mich ein Album gewesen, das ich zwar nicht wirklich schlecht fand (die Tatsache, dass es angeblich mit echten akustischen Instrumenten eingespielt worden war, aber gänzlich elektronisch generiert klang, hat mich sogar ziemlich fasziniert), aber irgendwie hatte ich das damals durchaus berechtigte Gefühl, dass ich die Platte eh nie gehört hatte.
Im Nachhinein weiß ich, dass ich schlicht und einfach noch nicht bereit für die Platte gewesen war. Vielleicht ordne ich es zeitlich falsch ein, aber mir kommt es so vor, als ob Hex von Earth mich erst auf den Trichter gebracht hat, dass Musik, in der vordergründig eigentlich nichts passiert, dennoch einen immensen Spannungsbogen haben kann.
Dieser Prozess ist wohl auch noch nicht ganz abgeschlossen, denn nach wie vor würde ich mich eher so einschätzen, dass ich eher leicht überladene Musik bevorzuge. Nichtsdestotrotz hat in den letzten Jahren mein Verständnis für derartige Klänge stark zugenommen, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch der Hex-Nachfolger The Bees Made Honey In The Lion's Skull einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das Gefühl, wenn ein Song wie Hung from the moon nach ca. dreieinhalb Minuten Monotonie und Endlosschleifenwiederholung plötzlich "aufgeht", kann man nur mit whoah beschreiben.


Aber zurück zu Seefeel und Succour - an einem grauen und verregneten Sonntag, der dann auch eine dementsprechende Stimmung freisetzte, saß ich alleine hier zuhause an meinem Schreibtisch und sah nach draußen. Wie vom nicht vorhandenen Blitz getroffen hatte ich sofort diese Musik im Kopf. Ich durchwühlte meine alten (unbeschrifteten) MP3-CDs, weil ich mir sicher war, dass ich das Album mal komprimiert und gebrannt hatte, und zur Abwechslung hatte ich mal das Glück, dass es nicht erst auf der letzten CD war (denn sowas passiert mir sonst eigentlich immer). Die Musik passte tatsächlich wie die Faust aufs Auge, und so war schnell abgemachte Sache, dass ich mir die CD sozusagen wieder zurückkaufen musste (bin diesbezüglich altmodisch: was ich gut finde, reicht mir nicht als MP3). Ich war sogar durchaus bereit, dafür viel Geld auszugeben; doch ich hatte Glück und fand die CD bei der britischen amazon-Seite für vergleichsweise wenig Penunzen.

Wie dem auch sei - vor ein paar Minuten ist zwar die Sonne 'rausgekommen, doch bis dahin war es ähnlich grau wie damals, und ich fühlte mich nach n.p.: Seefeel - Succour.
Das Album läuft immer noch und funktioniert auch mit Sonnenstrahlen (bei Hex bezweifle ich das übrigens, aber dafür geht ja zum Glück bei The Bees Made Honey In The Lion's Skull öfter mal die Sonne auf).

fun fact: Habe ja im Linernotes-Eintrag schon mal angemerkt, dass sich bei mir ja oft Kreise schließen und vieles auf einmal zusammenpasst, was vorher nicht zu passen schien.
Als ich auf Cool out and Coexist, dem Live-Album von Dub Trio, plötzlich unverhofft eine Coverversion von Extract (Track 2 auf Succour hörte, war ich nur kurz überrascht und musste grinsen, weil ich diese Momente so liebe.

Beflügelt von der Seefeel-Erfahrung hoffe ich insgeheim übrigens darauf, dass ich mir noch manch eine der aussortierten und verkauften Platten irgendwann doch wieder nachkaufen muss, denn irgendwie hat das ja auch was. Succour ist mir dadurch definitiv noch mehr ans Herz gewachsen und hat sich seine verspätete Aufnahme in die Heiligen Hallen mehr als verdient...

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15 Januar 2009

Geschmacksache

Jeder weiß - es gibt Musik, die man gut findet, und es gibt Musik, die man nicht so gut findet; und natürlich gibt es auch Musik, die man beschissen findet. In meiner Welt gibt es zudem auch Musik, der ich jede Existenzgrundlage abspreche. Musik, bei der ich nicht weiß, warum man ernsthaft auf die Idee kommen kann, sie aufzulegen und anzuhören, geschweige denn dafür auch nur einen Cent auszugeben (mindestens 6 von 10 Radioliedern fallen für mich in diese Kategorie). Über diese Musik weigere ich mich sogar, hier zu reden.
Ich rede in diesem Blog-Eintrag über richtige Musik, die tatsächlich auch
von Leuten gehört wird, die Musik hören. Nicht Feld-Wald-und-Wiesen-Einslive-SWR3-Ü30-Aftershow-Partys-Konsumenten, die vor allem Greatest Hits-Alben oder inFeuilletons angepriesene Platten kaufen, sondern tatsächlich Menschen, denen ich ein gewisses Maß an Geschmack zugestehe.

Womit wir ja schon beim Thema wären: wenn es um Musik geht, wird dieses Wort ja immer wieder ausgepackt. Jaja, es ist Geschmacksache, und nicht jeder mag halt dasselbe, bla...
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich kein großer Anhänger dieses "Konzepts" bin. Es zeugt in meinen Augen schlicht und einfach einfach von fehlendem Mumm, wenn man derart 'rumeiert und sich damit rechtfertigt, warum man etwas mag oder eben nicht, denn was ist das denn bitteschön für ein Argument!?!
Meine Abneigung geht selbstverständlich nicht so weit, dass ich behaupte, dieser Geschmack bzw. die Frage danach würde gar nicht existieren . Klar gibt es Musik, die ich mag und bei der ich ganz genau weiß, dass ich sie dieser oder jener Person erst gar nicht vorspielen muss, weil sie nicht in ihr Geschmacksmuster passt.
Dann gibt es Musik, die mir selber nicht gefällt, bei der mir
aber zumindest klar ist, was man daran gut finden kann. Manchmal ärgert es mich sogar, dass ich darauf nicht anspringe, denn z.B. im Falle von Rammstein kann ich eine gewisse Faszination nicht ganz verleugnen. Trotzdem ist ihre Musik nichts für mich.
Auch eine Band wie The Weakerthans bewegt bei mir gar nichts, das Gerumpel von Isis bringt mich persönlich eher zum Lachen, aber ich habe zumindest sowas wie eine Ahnung, warum Menschen sowas toll finden können. Selbst einer Band wie Trivium, die ich im letzten Jahr zufällig live gesehen habe, gestehe ich zu, dass man sie unter bestimmten Umständen sogar mögen kann.

So weit, so unverständlich, denn was ich gerade dargelegt habe, ist ja eigentlich genau das, was ich ablehne. Natürlich gibt es Vorlieben, Abneigungen, von mir aus auch Geschmack. Wie bei Essen und Sex halt auch...

Was es meiner Meinung nach aber nicht gibt, ist folgendes:
Wenn jemand eigentlich einen guten "Geschmack" hat, dann aber auch Musik gut findet, an der so gar nichts Gutes ist, dann greift das für mich alles
einfach nicht mehr.
Ich meine, wie ist es möglich, dass Leute, die eben keine geschmacksbefreiten Feld-Wald-und-Wiesen-Einslive-SWR3
-Ü30-Aftershow-Partys-Konsumenten sind, ernsthaft Bands wie Coldplay oder aktuell The Gaslight Anthem gut finden können?!? Warum mögen sie belanglose Kapellen wie Beatsteaks?!? Wie krank muss man sein, wenn man gerne Tomte hört, und wie gelangweilt sind Menschen, die White Pony von den Deftones in den Himmel loben?!?
Geschmack my ass!!!

n.p.: Kajagoogoo - Gone to the moon
(gestern erfahren, dass es die wieder gibt und dass man sich bis Februar gratis ihr letztes Album von der Homepage 'runterladen kann; hatte irgendwie so was wie die Untouchables von Korn erwartet und bin jetzt schon etwas enttäuscht)

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13 Januar 2009

Stimmungsmusik (pt. i - miese Laune)

Wenn ich jetzt sagen würde, warum ich gerade so übelst drauf bin, würde man mir wohl kaum glauben, also lassen wir das mal besser...
Also, darum geht's: Enttäuschung, Unverständnis, Leere, durchaus auch sowas wie Verzweiflung und Frustration*.
Erst hatte ich ja mal überhaupt gar keine Lust auf Musikhören und habe nur unmotiviert durch dieses Internet hier geklickt, dann aber kam mir die Lösung in den Sinn.
Bin jetzt beim vorletzten Track angekommen und stelle fest, dass das angesichts meiner Gefühlslage die wohl perfekte Wahl war:

n.p.: The Book of Knots - s/t

So eine ekelhafte Platte muss man erst mal hinkriegen!
An anderer Stelle habe ich schon mal das hier zu dem Album geschrieben:

Diese Platte ist fies und tut weh. Die verstimmten Gitarren verbreiten ebenso Unbehagen und Schmerz wie die mal weiblichen, mal männlichen Gesänge. Selbst die einlullenden Songs zwischendrin vermögen die irgendwie vergiftete Atmosphäre nicht wirklich zu entspannen. (...)

Auch wenn es unlogisch klingt: was Besseres hätte mir gerade nicht passieren können. Habe zwar jetzt Sodbrennen (wirklich ohne Witz!) und bin auch noch nicht wieder ganz oben**, aber die Platte hat definitiv geholfen.
Schon toll, dass Musik so etwas zu leisten imstande ist...

* Hört sich jetzt wahrscheinlich schlimmer an, als es letztendlich ist/war. Bin ja grundsätzlich schon (immer
noch) ein Sonnenscheinchen...
** Wie gesagt...

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06 Januar 2009

Unsexy Musikvorlieben

Ich bin ein Musiknazi, der gerne Leute nach ihren musikalischen Vorlieben beurteilt. Komischerweise gefallen mir oftmals vor allem Sachen nicht, die fast jeder gut findet, was natürlich zur Folge hat, dass ich sehr viele Leute schlecht beurteile. Man könnte das für eine fixe Idee halten und mir vorwerfen, gerne möglichst gegen den Strom schwimmen zu wollen. Wäre das so, würde ich doch aber zumindest heimlich Coldplay hören wollen, oder!?
Auch meine Vorliebe für musikalisch und instrumental etwas anspruchsvolleres Material, das sich nicht nur auf 4/4- oder auch mal einen 3/4-Takt beschränkt, wird von daher oft angezweifelt. In einem Interview mit Upsilon Acrux, eine dieser "krummen" Bands, habe ich zu dem Thema mal was gefunden, was ich auch als Konsument derartiger Musik so unterschreiben würde:

We feel 7/4 the way that most people feel a 4/4 pocket. It's just a downbeat -- it's like you wanna rock, but so much shit is rocked in 4. And it's rad. But I can't do that shit again -- I'd like to hear something else. That's why I like Meshuggah and other bands that step out of the standard time signatures. It's not just to be odd; it's just to do something a little different and see if it can still be interpreted as rock. (...)
I still say we are a rock band, we just try not to do typical things. We listen to enough music, we're big enough music geeks, that we wouldn't want to play something cool that had already been done by ten thousand bands. It works in music and it works in art: If you have something to say, then say it in your own way. If you don't have anything to say, shut the fuck up, go home and be a consumer. There are so many bands that clearly don't have anything to say. Most bands these days sound like they're working at Kinko's, just carbon copies of other bands. "This works, so let's do this." There aren't many personal choices being made other than, "How tight should my vest be," or "How black should these jeans be?"
Tja, so sieht's doch mal aus!

Natürlich ist es auch irgendwie schick, mit kruden Bands, von denen nie jemand
was gehört hat, hausieren zu gehen, aber ich suche mir "meine Musik" immer noch nach Gefallen aus, und Tatsache ist nun mal, dass mich viele Sachen einfach langweilen und ich diese Interpreten aus diesem Grund halt irgendwo ausgraben muss, um mein Seelenheil zu finden. Es ist ja nicht mal so, dass ich kotzen müsste, wenn ich angesagte Sachen mal zufällig höre (manches finde ich sogar okay), aber vieles reizt mich einfach nicht so sehr, dass ich mir den Kram auch selber auflegen würde.

Schick ist es natürlich auch, sich zu Bands zu bekennen, die viele Leute doof finden, aber auch hier leitet mich in erster Linie mein persönlicher Geschmack und nicht vorrangig die Lust auf den Schockeffekt. Um nur mal drei Beispiele zu nennen:

Kajagoogoo - seitdem ich die Instrumentalseite von Too Shy auf der B-Seite der 7" gehört habe, wusste ich, dass ich diese Musik super finde. Folglich hingen damals Poster der Band in meinem Zimmer, und viele Jahre später habe ich mir zwei CDs von ihnen gekauft, die ich ausnahmslos gut finde.

Wham! - die Make it big kann ich immer noch komplett auswendig mitsingen, und soeben habe ich sie mir auf CD bestellt. George Michael ist für mich einer der ganz Großen, und so habe ich auch seine Post-Wham!-Karriere aufmerksam beobachtet, was sich auch unter dem Buchstaben M in meinem CD-Regal bestätigt.
Interessanterweise hat auch hier eine Instrumentalversion (nämlich die von Careless Whisper) einige Wege geebnet...

Take That - als ich erstmals das Video zu Pray sah, war ich geflasht und habe mir sofort die Platte gekauft. Natürlich finde ich nicht alles auf diesem Album und auch dem Nachfolger gut, aber im großen und ganzen fand und finde ich die Musik einfach klasse. Ich habe sogar zwei Live-Konzerte auf VHS und habe mir unlängst auf SuperRTL ein weiteres aufgenommen.

Wenn man sich anguckt, wie Leute bei Schlagerpartys abgehen, könnte man jetzt meinen, dass ich vor allem den Trash-Faktor dieser Bands gut finde, aber es ist ganz einfach so, dass ich die Musik mag!
In den ersten beiden Fällen spielt sicherlich eine Rolle, dass diese Bands in meiner Jugend aktiv waren, aber Take That kamen ja z.B. deutlich später, so dass ich den Nostalgie-Faktor auch nicht gelten lassen möchte.

Apropos Jugend - innerhalb seiner Peer-Group musikalisch abzuweichen, ist ja auch immer so eine Sache, aber ich habe damals schon nicht verstanden, warum man nicht gleichzeitig Slayer und The Cure toll finden konnte.

It's all about the music! It's all about taste!
Wenn ich also viele Sachen, auf die sich auch von mir persönlich und musikalisch durchaus
geschätze Leute berufen, langweilig finde, gerne hochtrabendes Zeug höre, auch Plastikbands wie die drei genannten mag und somit eben Interpret A nicht zu Interpret B und der wiederum nicht zu Interpret C passt, dann muss das doch kein Widerspruch sein, oder!?
Dummerweise schieße ich mir mit diesem "Ist doch Geschmackssache"-Argument selber ins Knie, denn ich selber lasse das in der Regel nicht gelten (für die Ausführungen von Upsilon Acrux weiter oben hätte ich z.B. Dream Theater ausgelacht).

now playing: Wham! - The Final
("Make it big" ist ja noch nicht da bzw. nur auf Vinyl parat, und da müsste ich jetzt ein paar Kabel umstecken...)

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