21 Dezember 2009

Ins Detail gegangen (Nachtrag: Lieblingsband)

Wie gesagt - von The Mars Volta würde ausnahmslos jedes der fünf Studioalben die Höchstnote bekommen. Oft genug frage ich mich aber dann doch, welche von ihnen denn wohl meine Lieblingsplatte von ihnen sein könnte.

Nun denn...

De-loused In The Comatorium ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil es damals so eine Überraschung war. Zwar hatte ich bekanntlich schon bei Relationship Of Command von At The Drive-In gemutmaßt, dass da jemand ein bisschen zu viel King Crimson gehört hat; aber nicht nur weil ich dafür ausgelacht wurde, war ich mir diesbezüglich dann doch etwas unsicher.
Das Debütalbum der neuen Band verriet aber, dass King Crimson wohl nicht die einzige Prog-Band war, die offenbar gerne gehört wurde, denn hier hörte ich Sachen raus, die für die alternative crowd ziemlich unsexy waren. Ich hielt die ganze Sache geradezu für einen Affront oder aber einen Witz - das konnten die doch nicht ernst meinen!
Mir gefiel das super, aber wie viele ATD-I-Fans kann man bitteschön vor den Kopf stoßen, wenn man ihnen derart komprimiert Einflüsse um die Ohren haut, die diese Leute im Original nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden? Geile Sache!

De-loused in the comatorium
kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil sämtliche Alben danach sonst abgewertet würden. Zu diesem Zeitpunkt konnte man nur erahnen, was für eine besondere Band sie waren, aber wissen konnte man noch nicht, ob sie diese Qualität würden halten können. Und vielleicht war es ja tatsächlich nur ein Witz!?

Frances The Mute
ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil sie sogar noch eine Kelle drauflegten und nun endlich die ersten zugeben mussten, dass sie nicht mehr gewillt waren, dieser Band zu folgen. Und diejenigen, die sich das noch nicht eingestehen konnten, waren zumindest zum größten Teil schon mal verwirrt. Sowas finde ich immer super, ebenso wie den Größenwahn, der sich hier erstmals andeutete.

Frances The Mute
kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil die Band doch tatsächlich zugunsten von ein bisschen Geplucker und Gefiepe darauf verzichtete, den wunderbaren und m.E. für den Hörkontext ungemein wichtigen Titeltrack mit auf das Album zu nehmen. Größenwahnsinn schön und gut, aber geht's noch?!


 Amputechture ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil ich es erst blöd fand. Mag komisch klingen, aber es ist doch so, dass Platten, mit denen man erst nichts anfangen kann und die dann auf einmal "Klick" machen, am Ende immer besonders gut und nicht selten sogar besser als andere sind, auf die man sofort steil gegangen ist. Amputechture war für mich zunächst einmal zu sperrig und unhörbar, als dass ich mich damit beschäftigen wollte.
Mit der Band hatte ich dann auch schnell abgeschlossen, worüber ich gar nicht so traurig war, denn die Gewissheit, sowas wie ein Fan von irgendwas zu werden, verursacht bei mir immer  Bauchschmerzen. Dann wurde mir jedoch unverhofft mit dem darauf folgenden Album The Bedlam in Goliath der Glauben an die Band zurückgegeben, und im Überschwang der Gefühle machte ich dann doch noch einmal einen Versuch. Interessanterweise hat das dann beim ersten Hören geklappt, und ich konnte gar nicht verstehen, warum ich sie erst nicht gemoch hatte. Sachen gibt's...

Amputechture
kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil das darauf enthaltene Asilos Magdalena der mit Abstand ätzendste Song der Band ist. Bestätigt wurde mir das spätestens beim Konzert im Palladium in Köln, als sie es im Akustikpart zum Besten gaben. Diese Einlage bremste für mich ein bis dahin rasant-tolles Konzert aus, und nachdem sie ihre Akustikeinlage angepisst beendet hatten, weil irgendwer in der ersten Reihe zu viel gequatscht hatte, bin ich nicht mehr reingekommen (es kam aber zum Glück auch nur noch ein knapp 20-minütiges Stück). Schlimmes Lied!

The Bedlam in Goliath ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil sich die Band damit -wie gesagt- wieder bei mir zurückmeldete. Mit diesem überkandidelten, übertriebenen und zugekoksten Album war 2008 für mich eigentlich schon im Frühjahr musikalisch gelaufen, weil es besser nicht mehr werden konnte.

The Bedlam in Goliath kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil diese Adelung einer Drogenverherrlichung gleichkommen würde. Manchmal ist weniger mehr, und immer so viel kann sich selbst der hartgesottenste Hörer nicht täglich antun.


Octahedron ist mein Lieblingsalbum von TMV, weil es -ähnlich wie bei Amputechture- ein bisschen gedauert hat, bis es sich bei mir gesetzt hat. Es war zwar nicht so schlimm, dass es mir gar nicht gefiel, aber es erschien mir einfach wenig spektakulär, was aber nach The Bedlam in Goliath auch zu erwarten gewesen war.
Wie dem auch sei - nachdem ich mich eigentlich schon dazu entschieden hatte, dass Xenophanes von Omar Rodriguez-Lopez für mich die bessere TMV-Platte 2009 war, fiel mir wieder einmal von jetzt auf gleich auf, dass die Songs alle unglaublich gut waren und eine ruhigere Platte wie diese das Beste war, was sie nach The Bedlam in Goliath rausbringen konnten.

Octahedron kann aber nicht mein Lieblingsalbum von TMV sein, weil die Band zum ersten Mal berechenbar geworden war. Sie hatten schließlich angekündigt, eine ruhigere Platte folgen zu lassen, und an Octahedron war ergo rein gar nichts überraschend. Alle Platten vorher waren immer überraschend gewesen, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt. Octahedron hingegen fügt sich ein bisschen zu glatt in die Diskographie ein.

Fazit: Als Musikkonsument freue ich mich, dass im Falle The Mars Volta tatsächlich immer das Album am besten für mich ist, das ich gerade höre. Besser geht's eigentlich nicht, oder!?
Interessant bleibt natürlich abzuwarten, wann sie das Album veröffentlichen, bei dem das nicht mehr so ist. Ich muss mich jetzt schon mal dazu zwingen, sie in diesem Fall nicht sofort fallen zu lassen. Das würde nämlich zu mir passen, wäre aber wohl ziemlich unfair...

now playing: Jahressampler


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07 Dezember 2009

Lieblingsband

Die Frage "Was hörst Du denn so?" ist ja schon schlimm genug, denn was soll man denn bitteschön mit knapp drei Jahrzehnten Hörerfahrung und einer vierstelligen Anzahl von Tonträgern auf diese Frage mal eben antworten (dabei fällt mir ein, dass ich mal einen kannte, dessen damals ca. 300 CDs alle grob aus dem Death Metal-Bereich stammten)? Naja, zumindest kommt man bei der Frage nicht ins Schwitzen, sondern erläutert nur kurz, dass man das so nicht beantworten kann.
In Schwulitäten gerate ich aber immer wieder, wenn ich nach meiner "Lieblingsband" oder meinen "Lieblingsbands" befragt werde. Zum einen ist es schlimm, dass man sich bei seiner Antwort ja sogar noch mehr limitieren muss; zum anderen fällt es mir schlicht und ergreifend schwer, diese zu bestimmen. Ich bin zwar niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig, aber wenn ich halt Band X und Interpret Y nenne, lasse ich doch Kapelle Z doch unter den Tisch fallen, und das wäre ja auch irgendwie nicht richtig...
Woran macht es also jetzt fest?
An der Anzahl der Tonträger, die man besitzt? In meinem Fall wären das wohl Primus, weil ich diese ganzen Live-Geschichten, die man im Netz käuflich erwerben konnte, habe. Könnte zwar mit dieser Nennung leben, aber sind sie auch wirklich meine Lieblingsband?!?
Und was ist in dem Fall mit Bands, die einfach nicht so viele Tonträger veröffentlicht haben? Zum einen also die, die sich zu schnell aufgelöst haben (als Beispiel seien einfach mal Bad Dudes genannt); zum anderen die, die noch nicht so viele Platten aufgenommen haben (auch hier nur ein Beispiel: Kiss Kiss)? Können die nicht auch, dürfen die überhaupt eine Lieblingsband sein?!? Wie lange muss die jeweilige Band dabei sein, damit man sich sicher sein kann?
Und was ist mit denen, die es schon ewig gibt, die aber in ihrer nahezu unübersichtlichen Diskographie auch ein paar Graupen-Platten dabei haben (King Crimson passen jetzt als Beispiel vielleicht nicht wirklich, weil mr spontan keine einzige Graupe einfällt, außerdem gibt es da zu viele unterschiedliche Besetzungen; dann nenne ich einfach mal die Rolling Stones oder so)?!?

Selbst wenn man sagt, dass einfach das Herz das entscheidet, komme ich ins Schleudern. Das mag zum einen daran liegen, dass ich kein Herz habe, zum anderen aber auch daran, dass diese emotionale Deutung einen ja noch mehr unter Druck setzt. Das ist so diese "Du bist meine allerallerallerbeste Freundin, und Inge ist nur meine allerallerbeste!"-mäßig...

OK, also steht schon mal fest: die eine Lieblingsband kann man (kann ICH!) schon mal gar nicht benennen. Wie viele dürfen es denn dann sein? Drei? Fünf? Neun? Oder ist das für diesen Begriff schon zu verschwenderisch?!?
Und was ist eigentlich, wenn man mitbekommt oder vielleicht sogar zufällig weiß, dass die Mitglieder einer Band, die man musikalisch einfach nur grandios findet, menschlich völlig inakzeptabel oder auch einfach nur unsympathisch sind? Als Beispiel seien der Einfachheit halber mal Slayer genannt, die sich ja schon mal politisch in die Nesseln gesetzt haben, oder von mir aus auch Marilyn Manson, mit dem man ja nicht wirklich befreundet sein will, weil er einfach nur ein Depp zu sein scheint.
Worauf ich hinauswill - muss eine Lieblingsband auch menschlich integer sein, um dieses Prädikat verliehen bekommen zu können?
Vielleicht muss man sich einfach vorstellen, dass man unter Androhung der Todesstrafe eine einzige nennen muss, dabei aber auch nicht einfach mal eben irgendeine nennen darf, nur damit man dem Henker entgeht.
Ich mache das jetzt mal.
Äh...
Also, ich...
Hm...
[räusper]
Puh...
Ähem...
Wie war die Frage noch mal?
OK, vielleicht traue ich mich jetzt einfach mal, offiziell zuzugeben, dass ich glaube, dass im Augenblick (!) eigentlich nur eine einzige Band in Frage kommt, von mir diesen Titel verliehen zu bekommen, weil ich ausnahmslos allen Studioalben (immerhin bereits fünf an der Zahl) die Höchstnote geben würde. Menschliches muss ich hier jetzt ausklammern, ebenso die Tatsache, dass ich der Meinung bin, dass viele ihrer Fans einem Missverständnis unterliegen und ich aus diesem Grund ein Problem (jaja, ganz soooo schlimm ist es jetzt auch nicht, hrr hrr) mit ihnen und vielleicht auch der Band habe.
So, und um die Spannung jetzt rauszunehmen (für manch einen ist es vielleicht gar nicht so spannend, und wer mich kennt, weiß jetzt eh schon, was kommt) -
The winner is...
Oder müsste es "The winners are" heißen? Bands sollte man doch immer im Plural konjugieren, oder!?

Also, meine derzeitige... ja, das muss noch mal betont werden, zumal ja mein Leben auf dem Spiel und der Henker hinter mir steht und mir gerade wirklich keine andere einfällt, auf die das auch ehrlich zutrifft bzw. zutreffen könnte... Lieblingsband ist wohl:
[TÄTÄTÄTÄÄÄ]
The Mars Volta.
OK, jetzt ist es raus. War ja auch albern genug, die Nummer hier...
now playing: The Mars Volta - Octahedron (ich hatte tatsächlich zwischenzeitlich mal gedacht, dass ich ihr nicht die Höchstnote geben würde, aber das ist jetzt vorbei...)

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04 Januar 2009

Das wahrscheinlich beste Album des Jahres

Vielleicht sollte man sowas nicht machen - schon im Vorhinein darüber spekulieren, welche Platte wohl am Ende des Jahres auf dem 1. Platz stehen wird. Zum einen könnten schließlich Überraschungen passieren (im letzten Jahr hätte ich sicherlich nicht mit The Mars Volta gerechnet), zum anderen könnte die Platte ja dann doch nicht so toll sein, wie man es sich erhofft hatte.
In diesem Falle möchte ich eine Ausnahme machen, denn ganz egal, ob sie am Ende wirklich oben stehen wird, gehe ich fest davon aus, dass Gavin Castleton auch dieses Mal kein schlechtes Album abliefern wird.


Gavin Wer?!?


Tjaja, und damit fängt das Drama schon an, denn zu wenige Menschen kennen ihn und seine Musik, die manchmal nach Electro-Pop (z.B. auf Hypotenuse), oft nach Hip Hop (z.B. auf Dark Age), aber immer öfter auch nach Singer/Songwriter (z.B. auf For the love of Pete) klingt (nicht zu vergessen auch seine spoken word-Groteske Grace Land).
Netterweise hat er aber immer viel gratis im Netz zur Verfügung gestellt bzw. auch mit Hinweisen auf seinen CDs ("Unauthorized duplication is expected/encouraged.") klargemacht, dass es ihm vor allem darauf ankommt, dass möglichst viele Leute seine Musik hören können.
In seinem Blog gibt es z.B. die komplette Konzept-EP A Bullet, A Lever, A Key in ordentlicher Qualität (256kbps). Diese war übrigens 2007 ganz oben auf meiner Liste und sollte Beweis genug sein, dass nicht alles, was nichts kostet, auch zwangsläufig schlecht sein muss. Musikalisch haben wir es hier mit einer angeproggten Hip Hop-Variante zu tun. Inhaltlich spinnt er auf sehr schmerzhafte und deprimierende Weise sein Leben weiter, wie es verlaufen nnte (aber hoffentlich nicht wird), wobei die Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge erzählt werden.
Damit man im mittlerweile sehr umfangreichen (und übrigens sehr lesenswerten) Blog nicht suchen muss, gibt es hier die Links zu den Songs, aber Gavins komplette Ausführungen (inkl. Texte, weiterer Geschichten und mehr) sollte man sich der Vollständigkeit halber ruhig auch mal durchlesen:

  1. 2054
  2. 2045
  3. 2038
  4. 2031
  5. 2020
  6. 2011
  7. 2007


Dass er auch ohne Hip Hop-Einflüsse kann, hört man hier:


Außerdem gibt es natürlich auch noch seine MySpace-Seite, auf der er bis zum Release offenbar jeden Montag einen neuen Song seines bald erscheinenden Albums Home vorstellen wird (die Aufnahmen dazu hat er übrigens auf seinem YouTube-Channel filmisch begleitet).

P.S.: Wer jetzt heiß geworden ist, der kann es ja auch noch mit seiner Prog-Band Ebu Gogo versuchen. ;)

now playing: Gavin Castleton - Unparallel Rabbit + Coffeelocks
(on endless repeat)

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